Von Hiobsbotschaften und einem Pyrrhus-Sieg

Beim 3:1-Sieg in Bliesmengen-Bolchen haben sich Christoph Stemmler und Muhittin Erdem Bastürk schwere Verletzungen zugezogen und fallen monatelang aus

Im alten Testament gibt es die Gestalt des Hiob. Dem gottesfürchtigen und reichen Mann bringen Boten gleich eine ganze Reihe schwerer Unglücksnachrichten: Verlust seiner Kinder, seiner Tiere und seines Eigentums. Von jetzt auf gleich ändert sich sein Leben: Aus Segen wird Fluch. Von dieser Geschichte leitet sich der Begriff der „Hiobsbotschaft“ ab. Eine solche Botschaft im übertragenen Sinne, wenn auch nicht in der existentiellen Tragweite, erhielten in dieser Woche auch alle, die es mit der Borussia halten: Mit Christoph Stemmler und Muhittin Erdem Bastürk (Fotos oben/-jf-) fallen zwei wichtige Akteure lange Zeit aus.

Was ist passiert? Beide Spieler kamen beim Auswärtsspiel am vergangenen Freitag im Stadion am Burgweg in Bliesmengen von der Bank in die Partie und verletzten sich schwer! Christoph Stemmler, der zunächst einen Schlag aufs Ohr bekommen und sich dabei ein Hämatom zugezogen hatte, blieb wenige Minuten später im Kunstrasen hängen und verdrehte sich das Knie. Die Tragweite der Verletzung hatte der 29jährige zunächst gar nicht erfasst, sondern noch zu Ende gespielt. Die bittere Diagnose zwei Tage später bei Borussen-Doc Sebastian Richter: Kreuzbandriss! Am 2. Oktober wird Christoph Stemmler, der dank einer Orthese derzeit halbwegs beweglich ist, bei Nils Veith, Kniespezialist und Vereinsarzt des 1. FC Kaiserslautern, in der Uniklink in Homburg operiert. Es ist die erste schwere Verletzung des Abwehrspielers in seiner Karriere, sie hat ihn zwar hart getroffen, doch die Familie und der erst wenige Monate alte Nachwuchs geben ihm Kraft und Motivation, die schwere Zeit durchzustehen: „Wenn man nach Hause kommt und der Kleine lacht einen an, ist die Welt in Ordnung“, so Christoph Stemmler, der weit davon entfernt ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Seinen Teamkollegen Muhittin Erdem Bastürk, der gerade erst nach einer Knie-Verletzung in den Kader zurückgekehrt war, hat es derweil nicht ganz so schlimm getroffen: Er hat sich das Innenband gerissen – voraussichtliche Zwangspause: Zwei Monate. Vor der Winterpause ist ein Einsatz für den Routinier aber wohl eher unwahrscheinlich.

Angesichts dieser Hiobsbotschaften kommt man nicht umhin, den 3:1-Sieg beim SV Bliesmengen-Bolchen als einen „Pyrrhus-Sieg“ zu bezeichnen. Bei dem Mann, nach dem diese Redensart benannt ist, handelt es sich um einen griechischen König, der im dritten vorchristlichen Jahrhundert lebte und versuchte, auf Sizilien ein eigenes Machtgebiet zu etablieren. Zwar hatte Pyrrhus gegen die Römer einige Erfolge zu verzeichnen, doch musste er dabei auf dem Schlachtfeld hohe Verluste beklagen. „Noch ein Sieg und ich bin verloren“, soll Pyrrhus gesagt haben und musste sich den Römern später auch tatsächlich beugen. Doch davon will Jan Berger vor der Partie gegen Elversberg weder etwas wissen noch sprechen. Der Borussen-Trainer glaubt an sein Team und schenkt denen, die auf dem Platz stehen, absolutes Vertrauen: „Der Kader ist groß genug. Wir werden im Ellenfeld-Stadion Vollgas spielen und wollen zuhause gewinnen“, kündigt Jan Berger entschlossen, ja geradezu trotzig wie Hiob an. Christoph Stemmler bläst ins gleiche Horn, wenn er ankündigt: „Dann rücken wir eben noch enger zusammen!“

Alttestamentliche Theologen nennen Hiob ein biblisches Beispiel für Resilienz: „„In all seinem Leid glaubt er weiter an sich selbst und an einen guten Schöpfergott“, sagt Hiob-Expertin Marlen Bunzel von der Theologischen Fakultät an der Universität Erfurt. Das Unglück, das Hiob getroffen hat, könne nicht rückgängig gemacht werden, doch die Narben, die es hinterlassen hat, ließen Hiob gestärkt aus der Krise hervorgehen. Hiobs Glaube und Vertrauen zahlt sich aus, denn die jahrtausende alte jüdische Erzählung endet wie im Märchen: Der leidgeprüfte Mann bekommt noch einmal sieben Söhne und drei Töchter. Die Zahl der Schafe, Kamele, Rinder und Eselinnen verdoppelt sich. Er lebt danach noch 140 Jahre, stirbt alt und lebenssatt. 

Die Hiobs-Botschaft als Mut-Mach-Botschaft vor Augen sollten sich so auch die Borussen im Glauben an einen guten Fußballgott nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen. Unseren beiden betroffenen Akteuren wünschen wir derweil alles Gute, eine gute Genesung, den festen Glauben an sich selbst, Geduld und eine große Portion Widerstandskraft, in der modernen Psychologie Resilienz genannt. Ihr sollt wissen: Die Borussen-Fans stehen hinter Euch in der Überzeugung, dass Ihr stärker wieder zurückkommt! (-jf-)