Schwarzer Tag für Borussia

1:7 gegen FSV Jägersburg / Höchste Heimniederlage in einem Liga-Spiel seit 1966 / Gelb-rote Karte für Björn Klos

Unser Bild: Hiergeblieben! Jägersburgs zweifacher Torschütze Tom Koblenz (re.) versucht, Jan Luca Rebmann mit der „Textilbremse“ zu stoppen. (Foto: Susi Welter)

„Dies ater“. Schwarzer Tag. Die alten Römer prägten diesen Begriff. Für einen Kalendertag, an dem ein historisch denkwürdiges Unglück geschah. Der 18. Juli 387 v. Chr. ist als ein „dies ater“ in die römischen Annalen eingegangen. Damals fielen die Horden des gallischen Feldherrn Brennus am Fluß Allia über die römischen Truppen her. Ebenso der 2. August 216 – damals kamen mehr als 50.000 Soldaten in der legendären Schlacht von Cannae gegen den karthagischen Strategen Hannibal ums Leben. „Dies ater“ – auch die Borussen erlebten ihren schwarzen Tag am Mittwoch. Allerdings auf weniger martialische Art. Kein Kampf auf Leben und Tod. „Nur“ ein Fußballspiel: 1:7 gegen Jägersburg. Letztmals hatte es in einem Meisterschaftsspiel vor mehr als 53 Jahren eine so hohe Heimniederlage gegeben. Am 16. April 1965, noch in der Bundesliga! 1:9 verloren die Borussen anno dazumal im Ellenfeld gegen den späteren Meister 1860 München. Insofern erlebten die, die am Mittwoch gegen Jägersburg dabei waren, Historisches. Auf das man aber liebend gern verzichtet hätte.

„Im heimischen Ellenfeld ist Borussia Neunkirchen diese Saison eine Macht. Zehn von möglichen 12 Punkten holten die Hüttenstädter vor eigenem Anhang“, hieß es in der Spielvorschau der „Saarbrücker Zeitung“ (SZ). Das Vorhaben, die makellose Bilanz gegen Oberliga-Absteiger FSV Jägersburg auszubauen, ging gründlich daneben. Schon zur Pause war die Partie, die unter Flutlicht in der Ferraro-Sportarena ausgetragen wurde, entschieden. 1:4 und in Unterzahl – unter diesen Umständen hatte Borussia gegen einen spielstarken, dazu abgezockten und cleveren Gegner keine Chance mehr. Selbst eine Schadensbegrenzung gelang nicht. Die Gäste nutzen nach der Pause die Fehler der Borussen eiskalt, bauten ihren Vorsprung aus und wahrten – nach zuletzt nur einem Punkt aus zwei Heimspielen – ihre Chance, oben dranzubleiben.

„Heute ist alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann“, fasste ein ernüchterter Björn Klos die 90 Minuten zusammen. Borussias Coach hatte sich aufgrund einiger Ausfälle in der Defensive (Christoph Stemmler, Julian Flammann) entschlossen, selbst das Trikot überzustreifen, um der Mannschaft, die die Maßnahme ihres Trainers unterstützte, mehr Stabilität zu geben und mit seinen Kommandos auf dem Platz präsenter zu sein. Doch das Konzept ging nicht auf. Spätestens in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45. +1) war Björn Klos sogar zum tragischen Helden avanciert: Nach einer Abwehr von Torhüter Philippe Persch war Borussias Spielertrainer vor Alexander Schmieden am Ball und spitzelte das Leder weg, wurde dabei von Jägersburgs Angreifer, der in der Ausholbewegung zum Schuss war, noch an der Wade getroffen. Schiedsrichter Thorben Rech aus Hülzweiler bewertete die Situation anders, entschied nicht nur auf Strafstoß, sondern zückte auch schnurstracks die gelb-rote Karte. „Selbst wenn der Unparteiische hier Elfmeter gibt, muss er mich nicht runterstellen. Denn da hat er einen Ermessensspielraum“, glaubt Björn Klos. Selbst Alexander Schmieden Fairplay-Haltung, der beim Schiedsrichter Einspruch gegen die Karte einlegte, bewahrte den Borussen-Trainer nicht vor dem Feldverweis. Dabei schien schon die gelbe Karte drei Minuten zuvor (42.) zumindest fragwürdig, als Björn Klos nach einem langen Abschlag von Philippe Persch nach dem Ball schaute, dabei einen Gegenspieler übersah, mit dem er dann zusammenstieß. Trotz allem war Björn Klos am Ende weit davon entfernt, die Schuld für die derbe Niederlage bei anderen zu suchen: „Ich habe wohl – im Nachhinein betrachtet – falsche Entscheidungen getroffen, auch auf dem Platz, und nehme die Niederlage auf meine Kappe. Für die Jungs tut mir das leid, denn man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Sie haben zumindest kämpferisch alles gegeben.“

Hoffnungsschimmer: Marco Dahler bringt das Leder aus kurzer Distanz zum 1:1-Ausgleich im Jägersburger Netz unter. (Foto: Susi Welter)

Das Unheil hatte schon früh seinen Lauf genommen, als Julian Fricker die Gäste nach einem Freistoß auf den langen Pfosten mit einem Kopfball, der von der Latte ins Tor sprang, in Führung brachte. Borussia antwortete schnell: Marco Dahler war nach einer Vorlage des Ex-Jägersburgers Kristof Scherpf zur Stelle und netzte aus kurzer Distanz zum 1:1 ein. Doch postwendend brachte Alexander Schmieden mit seinem 5. Saisontor Jägersburg mit einem Freistoß, bei dem Borussias Abwehrmauer nicht gut postiert schien, wieder in Front – wie schon in Auersmacher und Brebach kassierte Borussia erneut frühe Gegentore, die sicher nicht dazu angetan waren, Selbstsicherheit zu verleihen. Eine nicht geahndete Abseitssituation nutzte Paul Manderscheid nach Vorlage von Tim Schäfer zum 1:3 (35.). Trotz des frustrierenden Spielstandes hatten die Zuschauer in den ersten 45 Minuten eine durchaus offene Partie erlebt, in der auch die Borussia durch Kamil Czeremurzynski (22.), Marco Dahler (25.) und Kristof Scherpf (29.) durchaus Chancen hatte, aber im Abschluss Schächen offenbarte.

Nach dem Wechsel agierten die Gäste, mit der sicheren Führung im Rücken, abwartend, lauerten auf Fehler der Borussia und kamen durch Tom Koblenz, der das Leder aus der Distanz im rechten unteren Eck versenkte, zum 5:1 (58.). In der Schlussphase durften dann auch Jägersburgs „Königstransfer“ Dennis Gerlinger, der – wegen eines Bandscheibenvorfalls 8 Wochen außer Gefecht – nach gut einer Stunde eingewechselt worden war, und nochmal Alexander Schmieden treffen (84. / 89.). Der gebrauchte Tag war für die Borussia zu einem rabenschwarzen geworden. Im römischen Kalender hätte man ihn mit einem schwarzen Stein markiert: „Dies ater“! (-jf-)

Unsere Fotos vermitteln Eindrücke vom Spiel gegen Jägersburg in der Ferraro-Sportarena. (Fotos: Sus Welter)

Borussia in der Statistik

Unsere Mannschaft: Philippe Persch, Marco Dahler, Nino Kannengießer, Jan Luca Rebmann (ab 65. Josef Hindi), Tim Cullmann, Tim Braun, Kamil Czermurzynski, Kristof Scherpf, Björn Klos, Mikail Murioglu (ab 34. Daniel Schlicker), Tim Klein (ab 65. Vincenzo Accursio). – Unser Trainer: Björn Klos.
Tore: 0:1 Julian Fricker (7.), 1:1 Marco Dahler (10.), 1:2 Alexander Schmieden (11.), 1:3 Paul Manderscheid (31.), 1:4 Tom Koblenz (45.), 1:5 Tom Koblenz (58.), 1:6 Dennis Gerlinger (84.), 1:7 Alexander Schmieden (89.). – Schiedsrichter: Thorben Rech (Hülzweiler). – Zuschauer: 150. – Gelbe Karten Borussia: Kamil Czeremurzynski (12.), Björn Klos (42.), Daniel Schlicker (68.), Tim Cullmann (80.). – Gelb-rote Karte Borussia: Björn Klos (45. + 1).

1 Kommentar

  1. Gestern wachte ich auf und wäre vor Schrecken fast von unserer Wolke gefallen, hätte mich Johannes nicht fest gehalten. Um mich herum gab es Geschrei und Anfeuerungsrufe. Warum ich fast fiel. Na ja, eigentlich darf ich ja von hier keine Geheimnisse verraten, aber unser „Großer Baumeister“ saß in seinem Privatkämmerchen und schaute sich im Fensehen das Spiel zwischen Union Berlin und Frankfurt an und es gab ein Unterstützungsgesang, wie ich ihn in Bundesligazeiten im Ellenfeld noch nie gehört habe, Junge! Dabei stehen die „Unioner“ ziemlich unten in der Tabelle und verloren auch noch dieses Spiel 1 – 2. Aber tausendfach haben sie gesungen, die Berliner und werden das in Zukunft hoffentlich noch weiter tun. Wie in Neunkirchen, hoffentlich, also beispielhaft? Jaaaaaa!

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