„Schuht“-Out in Nentershausen

Borussia verliert erstes Relegationsspiel 0:2 gegen Eisbachtal / Taktisches Konzept gut umgesetzt / Gute Leistung nicht belohnt

Unser Bild: Schwerstarbeit für Borussias Keeper Philippe Persch, der nicht nur in dieser Szene sein Können unter Beweis stellte. Die User bei fupa.net wählten ihn zu Borussias „Spieler des Spiels“. (Foto: -jf-)

Von Jo Frisch

Jetzt wird es ganz schwer! Die direkte Rückkehr in die Oberliga ist für Borussia zunächst einmal in weite Ferne gerückt. Die Schützlinge von Björn Klos verloren am gestrigen Mittwochabend auf dem Kunstrasen des Eisbachtal-Stadions in Nentershausen das erste Relegationsspiel mit 0:2. Dennoch war der Borussen-Trainer mit der Leistung seiner personell arg gebeutelten Mannschaft zufrieden: „Ich ziehe den Hut vor den Jungs. Sie haben alles rausgehauen, was noch zur Verfügung stand. Wenn man berücksichtigt, dass wir aufgrund der vielen Ausfälle mit fünf angeschlagenen Spielern aufgelaufen sind und quasi auf der letzten Rille gelaufen sind – alle Achtung, wie wir uns hier präsentiert haben! Hätten wir gleich nach der Pause bei der Doppelchance das 1:1 gemacht, wäre sicher richtig Spannung aufgekommen. Der Sieg der Eisbachtaler ist unter dem Strich absolut verdient, keine Frage. Aber wir haben uns teuer verkauft“, so das kurze Statement von Björn Klos. Letztlich musste sich Borussia einem starken Gegner, in dessen Reihen ein Doppeltorschütze für das „Schuth-Out“ sorgte, mit 0:2 geschlagen geben. Gut für die „Eisbären“, dass Trainer Marco Reifenscheidt seinem Bauchgefühl gefolgt war, denn das hatte ihm gesagt, „dass Tobias Schuth in seinem letzten Heimspiel für Eisbachtal von Beginn an spielen muss.“

Doch besaßen die vom Borussen-Coach Björn Klos angesprochenen Szenen unmittelbar nach der Pause, als ein Doppelwechsel (Lionel Schmidt für Tim Klein und Marvin Gabriel für Tom Fink) viel Schwung in das Offensivspiel Borussias gebracht hatte, durchaus das Potential für eine Spiel-Wende. Zunächst traf Marcel Jung nach einer Hereingabe von Lionel Schmidt nur den Pfosten, wenig später flog Mouhamad Diallos Kopfball nach Daniel Ruschmanns Flanke nur knapp über das Tor, ehe Marvin Gabriel eine Vorlage von Lionel Schmidt in aussichtsreiche Position wenige Meter vor dem Eisbachtaler Gehäuse nur um Zentimeter verpasste. Fällt hier der Ausgleich, wer weiß, welche Entwicklung die Partie genommen hätte?

Die Gastgeber kamen vom Anpfiff weg besser ins Spiel. Eisbachtal begann selbstbewusst und ballsicher und initiierte, blitzschnell umschaltend, gefährliche Offensivaktionen, als wolle man den Gegner überrennen. Borussia ließ sich zehn Minuten lang beeindrucken, kassierte in den ersten fünf Minuten gleich zwei gelbe Karten (Tim Klein und Jannik Nagel) und geriet prompt, wie schon in Dillingen, mit 0:1 in Rückstand, als Tobias Schuth, im Sturmzentrum von der Borussen-Defensive einen Moment lang aus den Augen verloren, eine flache Hereingabe von der linken Seite mit einem trockenen Direktschuss im Netz versenkte – Philippe Persch im Borussen-Tor hatte da keine Chance. Marcel Jung setzte mit einem Schuss, der knapp am Eisbachtaler Tor vorbeirauschte, nach 14 Minuten erste Akzente für Borussia, die sich zunehmend „berappelte“ und wenig später eine weitere gute Gelegenheit bekam, doch Tim Klein verpasste nach einer Kombination über Momo Diallo und Daniel Ruschmann im Zentrum das Leder nur um Haaresbreite. Borussia bekam die Partie nun zunehmend in den Griff. „Wir haben unseren Plan, die Eisbachtaler früh und intensiv zu stören, immer wieder aggressiv nachzusetzen und die Räume eng zu machen, gut umgesetzt. Das hat ihnen nicht gefallen“, analysierte Björn Klos, auch wenn seine Jungs freilich nicht verhindern konnte, dass die spielstarken Gastgeber zu der einen oder anderen Gelegenheit kamen: So vergab Lukas Reitz freistehend vor Philippe Persch überhastet (24.), und bei einem Distanzschuss von Max Olbrich war Borussias Keeper zur Stelle. Auf der anderen Seite bot Mouhamad Diallo aus halbrechter Position eine Chance, er bekam aber nicht genügend Power hinter seinen Schuss (34.). Wieder Diallo (36.)und kurz vor der Pause Yannick Bach (41.) verfehlten das Eisbachtaler Tor nur knapp.

Nach dem Pausentee entwickelte sich die Partie zunächst zu einem offenen Schlagabtausch. Nach einer starken Offensivphase Borussias wurden die Gastgeber ab der 55. Minute wieder gefährlicher, bauten mehr Druck auf. Lukas Reitz visierte bei einem Freistoß nur die Latte an (60.), wobei Philippe Persch im Borussen-Tor noch die Fingerspitzen im Spiel hatte. Anschließend traf Jonas Hannappel aus spitzem Winkel nur das Außennetz (66.) – doch solange es „nur“ 0:1 stand, blieb Borussia im Spiel und durfte auf den Ausgleich hoffen. Bis zur 78. Minute. Da schaltete Tobias Schuth bei einer unübersichtlichen Situation im Borussen-Strafraum am schnellsten und bugsierte das Leder unter gnädiger Mithilfe der Borussen-Abwehr irgendwie über die Linie. 0:2 aus Borussen-Sicht, eine Vorentscheidung. Dennoch gaben die Mannen aus dem Ellenfeld nicht auf, zeigten Mentalität und hatten in der Schlussphase noch zwei Gelegenheiten auf Ergebniskorrektur: Zunächst brachte Marvin Gabriel nach Ruschmann-Flanke nicht genügend Kraft in seinen Kopfball (84.), und Lionel Schmidts Schlenzer (87.) rollte knapp am langen Eck des Eisbachtaler Tores vorbei. Kein Zweifel: Ein Tor hätte Borussia verdient gehabt! Auf der anderen Seite verpassten Lukas Reitz, der aus kurzer Distanz am leeren Borussen-Tor vorbei zielte, und Marc Lutz per Pfostenschuss noch die Chance, das Resultat zu erhöhen, doch das wäre gegen eine sich tapfer zur Wehr setzende Borussia wohl auch zu viel des Guten gewesen.

Nach dem Schlusspfiff des 3.Liga-Schiedsrichter Nicolas Winter sanken die Borussen auf den Boden des Nentershausener Kunstrasen. Die zweite 0:2-Niederlage in Folge sorgte natürlich für eine große Portion Enttäuschung. Auch bei Björn Klos, der seit Amtsantritt mit so viel Leidenschaft und Power der Mannschaft neues Leben eingehaucht hatte, waren feuchte Augen unübersehbar angesichts der Tatsache, dass das so greifbar nahe Ziel, mit dem vor Monaten noch keiner mehr rechnen konnte, jetzt in weite Ferne gerückt war. Der Coach versuchte im Spielerkreis, sein Team wieder aufzurichten: „Heute hat hier keiner Grund, den Kopf hängen zu lassen. Wir haben Geschlossenheit gezeigt und das, was wir uns vorgenommen hatten, gegen einen bärenstarken Gegner umgesetzt. Deshalb bin ich stolz auf Euch!“ Allerdings kam auch Björn Klos nicht umhin festzustellen, „dass wir, wenn wir in Dillingen so gespielt hätten, heute Abend gar nicht hier in Nentershausen gewesen wären.“ Wie wahr – ein Eindruck, den auch nahezu alle mitgereisten Borussen-Fans teilten.

Unsere Bilder vermitteln Eindrücke vom Spiel in Nentershausen. (Fotos: Jan Sebastian Bach / -jf-)

Borussia in der Statistik

Unsere Mannschaft: Philippe Persch – Tom Fink (46. Marvin Gabriel), Patrick Seidel, Marco Dahler, Jannik Nagel, Yannick Bach, Daniel Ruschmann, Mouhamad Diallo, Tim Klein (46. Lionel Schmidt), Marcel Jung. – Unser Trainer: Björn Klos. – Tore: 1:0 (7.) Tobias Schuth, 2:0 (78.) Tobias Schuth. – Schiedsrichter: Nicolas Winter (SV Hagenbach). – Zuschauer: 650. – Gelbe Karten: Tim Klein, Jannik Nagel.

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen