Offene Worte eines engagierten Trainers

Björn Klos ist ein selbstkritischer Mensch, der sich hinterfragt und sein Tun reflektiert. Deshalb ging der Borussen-Trainer nach dem unbefrieidgenden 1:1 seiner Mannschaft beim FV Siersburg auch mit sich selbst in die geistige „Quaratäne“. Als engagierter Coach, der Leidenschaft und Identifizierung vorlebt, hat es ihn der leidenschaftslose Auftritt in Siersburg besonders geschmerzt. Seine Gedanken äußert Björn Klos (BK) bereitwillig und ehrlich in einem ausführlichen Gespräch auch über das Siersburg-Spiel hinaus einen Blick auf die Situation der Borussia wirft.

Björn Klos, weder mit dem Ergebnis noch mit der Leistung in Siersburg kann man als Borusse zufrieden sein.

BK: Ganz und gar nicht. Das war eine einzige Enttäuschung. Dabei sind wir mit dem einen Punkt noch gut bedient, hätten durch den Elfmeter kurz vor Schluss sogar noch verlieren können. Und das wäre für den FV Siersburg noch nicht einmal unverdient gewesen.

Was waren die Ursachen für den schwachen Auftritt?

BK: Unsere Mannschaft war genau vorbereitet auf das, was uns in Siersburg erwartet. Jeder einzelne hat auf seiner Position entsprechendes mit auf den Weg bekommen. Was machen wir im Ballbesitz, wie agieren wir, wie sehen Lösungen aus? All diese Aspekte haben wir im Training angesprochen und geübt. Sportvorstand Gunther Persch hat sich in der vergangenen Woche beim Training selbst ein Bild davon gemacht. Doch auf dem Platz schien das bei der Umsetzung komplett vergessen zu sein. Da war kein konsequentes Agieren zu sehen, kein Wille, keine Leidenschaft, keine Gier Tore zu schießen, Tore zu verhindern, das Spiel zu gewinnen. Einfach emotionslos. Man konnte fast den Eindruck haben, die Jungs fahren nach Siersburg zu einem Einlagespiel, wo sie dann ein bisschen mitkicken. Das kann nicht funktionieren, dann bekommst du gegen jeden Gegner Probleme. Sierburg hat dagegen alles rausgehauen und hat exakt so gespielt, wie wir es vorher besprochen hatten. Man kann ein Team kaum besser einstellen. Ich frage mich deshalb, was ich als Trainer noch anders machen soll.

Akribische Vorbereitung: Björn Klos ist meist schon 90 Minuten vor dem Training im Stadion und macht sich sehr viele Gedanken um abwechslungsreiche und motivierende Übungseinheiten. (Foto: -jf-)

Könnten nicht die dünne Personaldecke, die strapaziöse Vorbereitung und der Start mit drei Spielen in einer Woche eine Rolle spielen?

BK: Beides lasse ich so nicht gelten. Die Personallage ist höchstens insofern ein Problem, als mir als Trainer die Alternativen fehlen und damit auch die sicherlich leistungsfördernde Konkurrenzsituation im Kader nicht gegeben ist. Aber in allen drei Spielen haben elf gestandene Spieler auf dem Platz gestanden mit Oberliga- und viel Saarlandliga-Erfahrung. Das sind alles Spieler mit gewissen Ansprüchen, die dann auf dem Rasen kaum einen Zweikampf mit der nötigen Entschlossenheit angenommen und kaum ein Laufduell gewonnen haben. Feuer und Leidenschaft haben gefehlt. Wir haben keinen Druck und kein Tempo entwickelt. Was die Trainingsintensität angeht, haben wir zuletzt viel Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Akteure genommen. So haben wir am Freitagabend vor dem Siersburg-Spiel im Cart-Center gemeinsam viel Spaß, ein schönes Mannschafserlebnis und ein bisschen Erholung gehabt. Aber die Jungs müssen dafür auch etwas zurückzahlen. Das darf man dann schon erwarten. Ich bin sehr enttäuscht, dass da keine Reaktion gekommen ist.

Das alles deckt sich mit Statements, wie sie auch der Trainer einer anderen Borussia, Adi Hütter in Mönchengladbach, in der aktuellen Ausgabe des „Kicker“ getätigt hat: „Ich mag es nicht, wenn man als Trainer alles für den Spieler investiert und wenig bis nichts zurückkommt. (…) Wenn taktische Vorgaben missachtet werden oder wenn es an der Laufbereitschaft fehlt, wenn man nicht vollen Einsatz zeigt, weil man den Gegner nicht ernst nimmt. So etwas dulde ich nicht, da kann ich dann auch unangenehm werden.“

BK: In der Tat überraschende Überschneidungen!

Emotionalität – für Björn Klos gehört sie dazu, auch wenn sie dem Borussen-Trainer schon mal eine gelbe Karte einbringt! (Foto: -jf-)

Aber kann Enttäuschung nicht auch die Folge einer zu hohen Erwartung sein?

BK: Ich sehe die Jungs im Training, weiß, was diese Mannschaft zu leisten im Stande ist. Insofern glaube ich nicht, dass ich zu viel erwarte. Wir alle haben ja gesehen, wie die Truppe im letzten Heimspiel gegen Primstal bis zur letzten Sekunde gefightet und alles gegeben hat, um noch den Ausgleich zu erzielen. Das ist die Emotionalität, die Mentalität, die ich in jedem Spiel, in jeder Halbzeit einfordere. Eine Mentalität, die ich selbst in mir drin habe. Nach der langen Corona-Pause habe ich regelrecht gebrannt auf den Neustart.

Dann kann man natürlich mit der bisherigen Punkteausbeute nicht zufrieden sein.

BK: Nein, auf keinen Fall. So wie es bis jetzt gelaufen ist, besteht die Befürchtung, dass wir uns wie auf einer Achterbahn durch die Saison bewegen und am Ende irgendwo zwischen Platz 6 und 10 landen. Aber das ist bei dem, was ich investiere, nicht mein Anspruch und kann auch nicht der Anspruch der Mannschaft sein!

Was machen wir im Ballbesitz? Wie agieren wir? Wie sehen Lösungen aus? Taktische Vorgaben werden im Training wie im Spiel ausführlich kommuniziert und erläutert – der Trainer (hier mit Dylan Sodji und Tim Cullmann) erwartet mehr Konsequenz bei der Umsetzung. (Foto: -jf-)

Zuletzt ist in den sozialen Medien auch zahlreiche Kritik gekommen. Wie geht man damit um?

BK: Dass von einigen Menschen alles schlecht geredet wird, kann ich nicht akzeptieren. Man sollte sich nur mal vor Augen halten, dass der Etat für die derzeitige Mannschaft weit weniger umfangreich ist als es im Jahr des Abstiegs aus der Oberliga war. Und trotz einiger Baustellen, zu denen auch das Stadion und die geplante Sanierung zählt, liefern die Jungs zumindest in den meisten Spielen, Siersburg ausgenommen, gute kämpferische und spielerische Leistungen ab. Hinzu kommt, dass es bei der Borussia an allen Ecken und Enden an Manpower fehlt. Es sind immer dieselben Leute, die anpacken und die Arbeit machen. Alles ehrenamtlich. Gerade der Vorstand mit Gunther Persch und Jörg Eisenhuth sind dafür ein gutes Beispiel, die schuften unermüdlich nahezu rund um die Uhr für Borussia! Die Last ist auf wenige Schultern verteilt. Keine Frage: Kritik ist erlaubt, aber gerade die Kritiker sollten es nicht nur bei kritischen Worten belassen, sondern den Verein auch tatkräftig unterstützen und damit zur Verbesserung der Situation beitragen.

Zur Situation gehört auch, es wurde schon öfter angesprochen, der kleine Kader.

BK: Das stimmt, aber der ist letztlich auch eine Frage der Finanzen. Man sollte daran denken, dass Altlasten abgetragen werden müssen. Durch die Corona-Krise konnten kaum Einnahmen generiert werden. Ein ausreichend bestückter Kader kostet Geld. Es gibt auch Testspieler, die wir nicht verpflichten können, weil sie zu viel Geld verlangen. Wir können und wollen nicht mehr Geld ausgeben, als wir haben, da bin ich mir mit Sportvorstand Gunther Persch absolut einig. Eine von vielen geforderte Rückkehr in die Oberliga muss für einen Verein wie die Borussia natürlich immer ein Ziel sein – aber mit Vernunft und Bedacht! Lange nicht mehr jeder Spieler kommt ins Ellenfeld, weil die Borussia so eine große Tradition hat. Diese Zeiten sind vorbei. Was viele auch nicht sehen: Der öffentliche Umgang in den sozialen Medien, vor allem dann, wenn es nicht läuft, schreckt manch potentiellen Neuzugang ab! Das habe ich in zahlreichen Gesprächen mit jungen Spielern zwischen den Zeilen deutlich herausgehört. Damit kommt nicht jeder zurecht, da geht man dann lieber woanders hin, wo es ruhiger ist und man dazu noch ein bisschen mehr verdient. Und so entsteht eine Gemengelage, die einem die Verhandlungen mit Neuzugängen erschweren. All diese Dinge sollte man realistisch im Blick haben, wenn man oft allzu lautstark Kritik äußert. Nichtsdestotrotz arbeiten wir zurzeit intensiv an Neuverpflichtungen, die wir dringend benötigen, keine Frage!

Björn Klos, vielen Dank für die offenen Worte, wir wünschen dem Trainer und der Mannschaft, dass wir nach dem 1:1 in Siersburg jetzt am kommenden Samstag (15.30 Uhr) gegen Köllerbach wieder eine leidenschaftliche und mutige Borussen-Elf auf dem Rasen des Ellenfelds erleben! (-jf-)

6 Kommentare

  1. Interessantes Interview, in dem ich Björn Klos auch teilweise zustimmen kann. Ich finde es nur teilweise sehr fehl am Platz immer wieder gegen die eigenen Fans so sehr zu schießen, die alle enttäuscht sind weil sie seit Jahren(!) immer wieder die selben Ausreden hören. Sie sind aber trotzdem immer da, das komplette Team von Vorstand bis Mannschaft erhält immer wieder, Saison für Saison die Unterstützung, aber ein positives Wort wird darüber mal nicht gefällt, die Fans engagieren sich nicht weniger als bei anderen Vereinen, vielleicht sollte man auch mal das Positive als Trainer auch mal herausstellen. Ich mag Björn Klos und bin sehr überzeugt von ihm als Trainer, ich bin ihm sehr dankbar was er für die Borussia tut, aber leider hat er in den Jahren zuvor immer die gleichen Probleme mit der Mannschaft, schafft es nicht die Ziele zu erfüllen, obwohl die Mannschaft in der Corona Pause noch so sehr gelobt wurde, wovon ich ebenfalls überzeugt bin dass die Mannschaft das Potential hat.

  2. Herr Klos egal ob wir diese Saison alle Spiele verlieren oder gewinnen. Sie sind von ihrer Einstellung ein Vorbild . Mit ihrer Loyalität, Teamgeist und Ehrlichkeit. Tugenden die den meisten Leuten heutzutage nicht mal mehr einen Pfifferling wert sind. Sie sind als Mensch toll, ist das nicht viel wichtiger als der sportliche Erfolg. Ich persönlich rege mich bei Niederlagen zwar auf, finde aber immer wieder den Weg ins Ellenfeld. Dies hat unteranderem mit diesem tollen Stadion zutun und mit den Menschen die man trifft und kennenlernt. Man ist an der frischen Luft und hat ein schönes Gespräch. Bei mir ist der erste Stadtionbesuch ca.22 Jahre her und ich war damals noch ein junger Bursche und mich hat die Atmosphäre direkt gepackt. Damals noch mit unserem Borussen Leo und Bucher, Flausse, Purket, Adeyemi, Rein und wie sie alle hießen. Legendäre spiele im DFB Pokal gegen Bayern oder in der Oberliga vor sensationellen 13000 Zuschauern und das in der 4. Liga! Die Spiele gegen Homburg waren auch immmer spektakulär. Sowas vergisst man sein leben lang nicht… Für mich sind sie seit Hr Petry der beste Trainer für Borussia der letzten bestimmt ca. 15 Jahre. Ich wünsche ihnen nur das Beste.

    Lg

  3. Sehr geehrter Herr Klos,

    wie ich es vermute, nun sind wieder einmal die bösen Borussen-Kritiker an allem Schuld.
    Was reden wir denn schlecht?
    Das sind Fakten zur sportlichen Situation.

    Hier nochmals ihre Zusammenfassung zur „Baustelle Borussia“:
    – Etat für die derzeitige Mannschaft; d.h. zu wenig Geld.
    Ohne sportliche Erfolge, keine Zuschauer, keine Einnahmen!!!
    Wer bittet hält denn den Kontakt zu all den Borussen-Sponsoren aufrecht?
    Das sollte doch die Aufgabe eines Vorstandes sein, oder?
    Sind Sponsoren nicht bereit die Borussia finanziell zu unterstützen müssten diese schleunigst aus der Borussen-Homepage und dem Stadionheft gelöscht werden.
    – Baustelle: Stadion und die geplante Sanierung.
    Siehe da … Das ist nicht die Angelegenheit eines Trainers.
    Das muss der Borussen-Vorstand mit der Stadt und der „Stadiongesellschaft“ im Einvernehmen schnellstens regeln.
    Hier hat man mit der „Stadiongesellschaft“ ein wahrscheinlich gutes Team an der Hand, welches unterstützend mitwirkt.
    Das sollte man nutzen!
    – zu wenig Engagement der Kritiker?
    Stopp, das ist positive Kritik. Damit muss man umgehen können. Kritik hilft.
    – Talentierte Spieler haben Angst zur Borussia zu wechseln nur weil einige Kritiker immer wieder nörgeln.
    Das ist sehr amüsant. Nein, es ist das Hand-Geld, welches diese Transfers verhindert.
    Mittelmäßige Fussballer verlangen einfach zu viel Geld.

    Die Wahrheit liegt auf dem Platz und das aktuelle Team hat einfach nicht die Qualität im oberen Bereich der Saarlandliga zu kicken.
    So ist es Herr Klos.
    Ein 18-20 Mann starker Kader ist Pflicht und muss qualitativ vorhanden sein, wenn man unter die Ersten der Liga möchte.
    Einige Borussen-Spieler meinen, dass sie Saarlandliga-Qualität besitzen. Nein, diese Qualität ist leider nicht vorhanden.
    Das sollte und müsste auch unser Sportvorstand Herr Persch längst bemerkt haben.

    Wenn nicht, machen die bösen Kritiker mit ihren bissigen Kommentaren darauf aufmerksam.
    So ist es halt bei einem Traditionsverein, wie der Borussia.
    Ich würde auch gerne einmal etwas positives schreiben.
    Vielleicht erfolgt das zeitnah … schaun wir mal …

    Mit sportlichem Gruss
    .. Go Borussia Go …

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