Licht am Ende des Tunnels

Wenn die Borussen am kommenden Sonntag (15. Januar) in die Vorbereitung auf die Restrunde starten, kann Thorsten Lahm aufatmen. Wie es derzeit aussieht, kann der Borussen-Trainer sechs Stammspieler, die in den letzten Wochen vor der Winterpause aufgrund langwieriger und hartnäckiger Blessuren und Verletzungen ausgefallen waren, wieder auf dem Trainingsplatz begrüßen – am Ende des (Verletzungs)Tunnels ist wieder Licht in Sicht. Kleiner Wermutstropfen: Eugenio Coccimiglio, Top-Stürmer der U23 und auf dem Sprung in den Saarlandliga-Kader, hat sich einen Kreuzbandriss inklusive Meniskusschaden zugezogen und muss sich einer Operation unterziehen. Für den 29jährigen Offensivspieler ist die Saison damit gelaufen.

Passiert ist es am 19. November vergangenen Jahres. Während die erste Mannschaft in der Ferraro-Sportarena die SG Mettlach-Merzig mit 4:1 abfertigte, siegte Borussias U23 genauso souverän 6:1 bei Borussia Spiesen II. Eugenio Coccimiglio, der erst im September vom SV Gehweiler ins Ellenfeld gekommen war, hatte die schwarz-weißen Farben schon früh in Führung geschossen. Doch diesen Treffer musste er teuer bezahlen: Als er gegen Spiesen Torwart Tim Rottmann in einer 1:1-Situation umspielt und den Ball ins Netz befördert hatte, knickte das offenbar zu stark belastete Knie an seinem starken linken Fuß ein. „Ich habe es krachen gehört, wollte dennoch weiterspielen, aber schon nach ein, zwei Versuchen habe ich gemerkt: Es geht nicht mehr“, erinnert sich der Italiener an die Szene, die um so bitterer erscheint, als sie ihn just zum ungünstigsten Zeitpunkt „auf Eis legte“: Hatte der torgefährliche Spieler doch mit seinem tollen Einstand (6 Tore und 3 Torvorlagen in fünf Spielen!) nicht nur maßgeblichen Anteil am Aufschwung der U23, sondern auch die Chance, in den erweiterten Kader des Saarlandliga-Teams aufzurücken. Doch Eugenio Coccimiglio, der sich selbst als „Kämpferschwein“ bezeichnet, gibt nicht auf: „Ich werde mich wieder hocharbeiten und genauso stark, wenn nicht stärker wieder zurückkommen. Bis ich wieder auf dem Platz stehe, werde ich die Mannschaft von außen mit allen Kräften, die mir zur Verfügung stehen, unterstützen und pushen“, verspricht er. Und wer den Vollblutstürmer kennt, weiß, dass er das auch durchziehen wird. Seine Hobbies (Kraftsport und Schwimmen) werden ihm dabei helfen, Philipp Lahm, Niklas Sühle, Lothar Matthäus und Sami Khedira können ihm Vorbild sein: Alle vier Profis feierten nach ein paar Monaten wieder ihr Comeback! Borussia wünscht dem Pechvogel alles Gute, viel Optimismus, Stärke, Geduld und eine baldige Genesung. Kopf hoch, Eugenio!

Auf dem Sprung in den Saarlandliga-Kader vom Pech getroffen: Eugenio Cuccimiglio (oben im Derby gegen den FC Neunkirchen). Dagegen ist Borussias Goalgetter Kevin Saks (unten) wieder voller Tatendrang. (Fotos: -jf-)

Was Eugenio Coccimiglio schaffen will, ist Kevin Saks gelungen. Seit dem 24. September war der Torjäger zum Zuschauen verurteilt, nachdem er sich beim 2:2 gegen den VfL Primstal das Außen- und Innenband im Fußgelenk gerissen hatte. Dank der Reha und seiner Übungen zuhause hat er gute Fortschritte gemacht, „obwohl es noch leicht im Fuß zieht. Beim Physio haben wir zwar schon einfache Ballübungen gemacht, aber wie es bei Sprüngen oder beim Schießen aussieht, muss ich in den ersten Trainingseinheiten noch ausloten“, so Kevin Saks, dem bewusst ist, dass es ein Unterschied ist, ob er locker-leicht den Ball zum Mitspieler weiterspielt oder (wie schon mehrfach praktiziert) aus 17 Metern eine Freistoß-Granate in den Torwinkel zimmert. Doch der 26jährige ist guter Dinge, freut sich vor allem darauf, „die Jungs an Sonntag wiederzusehen und auf dem Platz zu stehen, nachdem ich jetzt mehr als drei Monate nur zugucken konnte.“ Dass seine Kollegen es auch ohne ihn bislang so gut gemacht haben, ist für Kevin Saks keine Überraschung: „Die Jungs haben tolles Potential, das sie zuletzt in den Spielen gegen Homburg, Schwalbach und Mettlach, für mich die besten Spiele der Vorrunde, auch richtig gut auf den Platz gebracht haben.“ Deshalb will er das Wort „Ersatzspieler“ gar nicht erst verwenden: „Sie waren und sind weit mehr als Ersatz!“ Keinen Hehl macht der Stürmer daraus, dass der Kunstrasen in der Ferraro-Sportarena dem Borussen-Spiel entgegenkommt: „Da können wir den Ball viel besser laufen lassen und das, was uns stark macht, umsetzen. Außerdem war der mehr als sehr holprige Rasen im Stadion zuletzt sicher auch für die Muskulatur und den Bandapparat nicht gerade förderlich.“ Kevin Saks ist sehr gespannt auf den neuen Belag im Ellenfeld: „Ein neuer, ebener Rasen ist, gepaart mit der einzigartigen Atmosphäre des Stadions dann wieder ein echter Heimvorteil für uns.“ Klar, dass er diesen Heimvorteil in der kommenden Saison am liebsten in der Oberliga auskosten will!

Wieder da: Sebastian Cullmann (li.) und Simon Schreibeisen (re.). (Fotos: -jf-)

Einsatzfähig meldet sich auch Kevin Saks´ Stürmerkollege Simon Schreibeisen. Der 21jährige hatte nicht nur mit Rückenproblemen zu kämpfen, sondern sich auch einen Bänderriss zugezogen, der konservativ (ohne OP) behandelt wurde. Beim Laufen verspürt er keinerlei Schmerzen mehr,  und da Teamarzt Dr. Sebastian Richter inzwischen grünes Licht gab, steht einem Wiedereinstieg des offensiven Mittelfeldspielers nichts mehr im Wege. Das gilt ebenfalls für Sebastian Cullmann. Der schnelle Kreativ- und  Umschaltspieler, der dank seiner herausragenden Technik immer für eine überraschende Aktion – hier ein Haken, dort eine Körpertäuschung – gut ist, plagte sich lange mit muskulären Problemen herum und hat viel im „Gym“ gearbeitet: „Das hat mir sehr gut getan. Ich habe ein Top-Gefühl, gerade auch an den Problemzonen“, berichtet der 23jährige, der der Restrunde optimistisch entgegenblickt („Mit der Rückkehr einiger Stammspieler sind wir viel flexibler!“) und aufmerksam beobachtet hat, „dass mit der Freiheit und der Eigenverantwortung, die uns Thorsten Lahm innerhalb des Spielsystems gegeben hat, die Spielfreude wieder da ist.“

Wieder da: Borussen-Urgestein Tim Cullmann. (Foto: -jf-)

Die Muskulatur (im Oberschenkel) hatte auch Tim Cullmann zuletzt zum Bank-Dasein verdonnert. „Davon merke ich jetzt nichts mehr“, berichtet das Borussen-Urgestein, der zwischen den Feiertagen lediglich wegen einer Erkältung „ein bisschen in den Seilen gehangen hat“. Doch die ist jetzt abgeklungen, und so ist auch beim dienstältesten Borussen die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Teamkollegen und die weitere Runde riesig. Was ihn optimistisch stimmt: „Das 4:1 gegen Mettlach war die richtige Reaktion auf das Spiel in Brebach und vor der langen Winterpause ganz wichtig für den Kopf. Wir sind gut im Rennen, alles ist drin.“

Wieder da: Christoph Stemmler (li.) und Dylan Sodji. (Fotos: -jf-)

Das sehen auch die beiden Freunde Dylan Sodji und Christoph Stemmler so. „Stemmi“ ging nach einem Muskelfaserriss womöglich zu früh wieder ins Risiko, als er beim 3:4 in Brebach auflief. Die Verletzung brach wieder auf, gegen Mettlach hieß es deshalb zuschauen. Die Pause hat der 27jährige zur Regeneration genutzt, zudem einen Urlaub mit seiner Freundin in Barcelona genossen und darüber hinaus fleißig die Übungs- und Laufpläne, die jeder Spieler von Trainer Thorsten Lahm erhalten hat, abgearbeitet. Jetzt will Christoph Stemmler wieder angreifen, die Außenbahn beackern und seinen 341 Spielminuten (bei 8 Einsätzen) noch möglichst viele hinzufügen. Auf doppelt so viele Einsatzminuten (699) war Dylan Sodji gekommen, ehe ihn ein Adduktorenabriss vor fast vier Monaten beim 0:1 in Herrensohr außer Gefecht setzte. Gerade einem emotionalen Spielertyp wie ihm, den man getrost als eine Art „Mentalitätsmonster“ bezeichnen kann, fiel das Zuschauen extrem schwer, wie bei einigen Spielen deutlich zu beobachten war. Dabei ließ es sich der 27jährige nicht nehmen, die Kameraden von außen anzufeuern und gelegentlich auch mit den Leistungen von Schieds- oder Linienrichter zu hadern. Dank intensiver Arbeit mit einem Athletiktrainer in Pirmasens soll diese Zeit jetzt aber vorbei sein. „Es ist alles ausgeheilt, ich habe schon viel Lauftraining gemacht und will jetzt zum Trainingsstart schauen, wie weit ich in der Ballarbeit gehen kann“, berichtet Dylan Sodji, der die freie Zeit genutzt hat, die Eltern in Genf und seine Schwester in Zürich zu besuchen. Was ihm für die Restrunde auch zugute kommt: 14 Wochen lang hat er einen beruflichen Lehrgang weit weg von Neunkirchen absolviert und konnte deshalb nur wenig am Mannschaftstraining teilnehmen. Das ist jetzt abgeschlossen, seine Dienststelle ist jetzt wieder in Bexbach. Auch von der Seite her steht einem Neubeginn nichts mehr im Wege. „Es wird höchste Zeit, dass ich wieder auf dem Platz erscheine“, gibt sich Dylan Sodji kämpferisch und gut gelaunt.

Borussia wünscht allen Rekonvaleszenten nach langer Wettkampfpause einen gelungenen Wiedereinstieg und freut sich, dass sie bald wieder im Borussentrikot einsatzbereit sind! (-jf-)

3 Kommentare

    • Hallo , wünsche den Spielern und allen Beteiligten des Vereins ein gutes neues Jahr.
      Das Lazaret lichtet sich und das ist gut so. Vielleicht schaffen wir es verletzungsfrei die restlichen Spiele zu bleiben. Dann wäre alles möglich.
      Also die Fans stehen hinter der Mannschaft und ist einfach nur heiß.

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