Große Trauer um „Mister Borussia“

Matthias Woll im Alter von 88 Jahren verstorben / Seit 1948 Mitglied der Borussia / Großer Fan und verlässlicher Unterstützer zugleich, der auch im Vorstand Verantwortung übernahm

Ein großzügiges Herz hat aufgehört zu schlagen. Gestern ist das Lebenslicht von Matthias Woll, nur wenige Monate nach seinem 88. Geburtstag, den er im Juli feierte, erloschen. Mit ihm verliert die Borussia eine herausragende Persönlichkeit, der aber über den Verein hinaus auch die Stadt Neunkirchen geprägt hat.

„Der größte Borusse aller Zeiten, der zurecht den Titel Mister Borussia trägt!“ Mit dieser Meinung stehen Uli Horbach und Borussias Sportvorstand Gunther Persch beileibe nicht alleine. Denn Matthias Woll, Neunkircher Urgestein, Unternehmer und seit 1948 Borussen-Mitglied war, hat seinen Herzensclub in schwierigen Zeiten und finanziellen Sorgen nie im Stich gelassen. Schon sein Großvater hat die Borussia unterstützt. Doch in seiner Bescheidenheit wollte Matthias Woll das Sponsoring nicht an die große Glocke gehängt wissen: „Wenn man ein echter Borusse ist, ergibt sich das automatisch“, hat er lapidar in „Mythos Ellenfeld“, der Festschrift des Vereins zum 100jährigen Bestehen, festgestellt. Selbst Fußball gespielt hat er nur in der Jugend, zusammen mit Horst Meurer und Armin Fries unter Jugendleiter Kurt Gluding und Trainer Erich Leibenguth. Dann gab der Großhandelskaufmann und Unternehmer aus beruflichen Gründen das Kicken auf, brachte sich aber in der Gremienarbeit des Vereins als Ältestenrats- und Aufsichtsratsmitglied ein, gründete den Förderverein und wurde 1997 zum Vorsitzenden der Borussia bestellt. Die Frage sei durchaus erlaubt: Was wäre aus Borussia geworden, wenn es Matthias Woll nicht gäbe? „Wenn wir de Matz nit hädde, könnt ma scho lange dicht machen“, so ein nahezu geflügeltes Wort.

Die Erinnerung an die alten Zeiten war dabei bis zum Schluss immer in ihm lebendig. „Nach dem Krieg, als wieder Fußball gespielt wurde, fuhren wir mit dem Lkw, auf dessen Ladefläche Obst- und Bananenkisten als Sitzgelegenheiten für etwa 20 Fans dienten, zu Spielen nach Pirmasens oder Saarbrücken. Das hat uns als Kinder geprägt, ja uns regelrecht mit dem Borussen-Virus infiziert“, wußte „de Matze“, wie ihn seine Freunde nennen, zu erzählen. Fans der Borussia sind sie alle, die ganze Familie mit all ihren Verästelungen seit fünf Generationen. Kein Wunder, denn „im Elternhaus wurde montags und dienstags ein Thema immer besonders gepflegt: Das zurückliegende Spiel der Borussia. Ab Mittwoch verhackstückten wir dann schon die kommende Partie“, berichtet Matthias Wolls Bruder Dieter, der seit 1954 Vereinsmitglied ist, zweiter Vorsitzender war und von 1997 bis 2003 dem Aufsichtsrat vorstand. Unvergesslich und gleichzeitig symptomatisch die Episode, als Dieter Woll für den Abschlussball in der Tanzschule Geld bekam und es kurz entschlossen für eine Reise im Sonderzug nach Düsseldorf verwendete, wo die Borussen 1961 als Südwest-Vizemeister in der damals noch durchgeführten Qualifikationsrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft gegen Werder Bremen antreten musste.

„Eine Familie steht geschlossen hinter der Borussia“. So steht es in der Festschrift „Mythos Borussia“ zum 100jährigen Vereinsjubiläum – wahre Worte, die Matthias Woll (2. v. re.) mit seinen Geschwistern Dieter (li.), Annemarie (2. V. li.) und Hansl (re.) stets mit Leben füllte. (Foto: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen)

Die ganze Familie Woll war in ihren Vereinsämtern immer mit Leidenschaft tätig, aber genauso mit scharfem Blick für die Realitäten und das Machbare. „Die Situation im wirtschaftlichen Umfeld war und ist schwierig. Wir müssen uns an den zur Verfügung stehenden Mitteln orientieren. Mit mir werden keine Drahtseilakte mit doppeltem Boden, aber ohne Netz gemacht“, verkündete Matthias Woll bei seinem damaligen Amtsantritt als Präsident. Sportvorstand Gunther Persch zieht, stellvertretend für das Vorstandsteam, den Hut vor dem, was Matthias Woll für die Borussia getan hat: „Matthias Woll war Borussia! Er stand bis zuletzt hinter dem Verein, war nicht nur ein väterlicher Ratgeber, sondern auch ein Freund, der zuhört und ein offenes Ohr für unsere Anliegen hatte, immer hilfsbereit, immer loyal. Auf sein Wort war Verlass: Ein Mann der Tat, der geholfen, angepackt und Verantwortung übernommen hat. Und dazu ein stets positiv denkender Mensch. Dafür gilt ihm großer Dank und die Hochachtung aller Borussen. Ein wahrhaft großzügiger Gönner, der Borussia alles ermöglicht hat, ist von uns gegangen. Wir werden ihn vermissen.“

Nicht nur in der Borussen-Familie, auch in der Stadt Neunkirchen wird Matthias Woll fehlen. Das bringt Oberbürgermeister Jörg Aumann zum Ausdruck, wenn er auf seiner facebook-Seite schreibt: „Der Tod von Matthias Woll macht mich sehr traurig. Er war ein erfolgreicher Unternehmer, ein stolzer Neinkejier und außerdem ein ganz feiner Kerl. Aber am allermeisten bekannt war er als leidenschaftlicher und über die Maßen großzügiger Unterstützer, Verantwortlicher und Fan von Borussia Neunkirchen.“ 2018 war Matthias Woll anlässlich des Fests der Meister in der neuen Gebläsehalle für sein Engagement zugunsten des heimischen Sports mit dem Ehrenpreis des Neunkircher Sportverbandes (NSV) „als bester Botschafter für unsere Stadt“, so der damalige Oberbürgermeister Jürgen Fried, ausgezeichnet worden. Darüber hinaus wurde Matthias Woll mit dem Ehrenring des Vereins bedacht und im Mai 2016 durch den DFB für besondere Verdienste im Ehrenamt ausgezeichnet.

Matthias Woll hinterlässt in den Reihen der Borussia eine kaum zu schließende Lücke. Er wird über sein Ableben hinaus immer ein Teil der Borussen-Familie bleiben und seinen festen Platz in der Vereinshistorie haben – ganz im Sinne Albert Schweitzers: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen.“ Ganz in diesem Sinne dankt die Borussia Matthias Woll für seine nicht in Worte zu fassende Unterstützung. Der Familie sei an dieser Stelle das Mitgefühl aller Borussen zum Ausdruck gebracht und viel Kraft gewünscht. Alles Gute, „Matz“, auf Deiner letzten Reise – wir sehen uns wieder, denn hinter dem Horizont geht´s weiter. Ruhe in Frieden! (-jf-)

Wir erinnern in einigen Bildern an „Mister Borussia“ Matthias Woll. (Fotos: Thomas Burgardt, vielen Dank! / Ellenfeld-Verein, Archiv Borussia Neunkirchen / Susi Welter / -jf-)

Mit Bruder Hansl (li.) im Austausch über seine Borussia.

Immer aufmerksamer und konstruktiv-kritischer Beobachter der Borussen-Spiele.

Die Borussia sorgte oft für Sorgenfalten auf seiner Stirn (oben), doch er ließ seinen Verein nie im Stich und setzte alle Hebel in Bewegung, um zu helfen (unten).

Als Präsident im Jubiläumsjahr 2005 mit seinen Vorstandskollegen (v.l.) Eberhard Görlinger (Geschäftsstellenleiter), Uwe Peisch (Öffentlichkeitsarbeit), Martin Bach (Spielausschuss), Joachim Weber (Jugendleiter) und Wolfgang Specht (Schatzmeister).

Beim Neujahrsempfang 2020 mit (v.l.) Ex-Präsident Dr. Hans Bauer, Sportvorstand Gunther Persch und Alexander Kuntz (1. Vorsitzender).

Standing Ovations für den Gründer des Fördervereins (li., mit Bruder Dieter) anlässlich der Mitgliederversammlung im November 2022.

5 Kommentare

  1. Er hat uns für immer verlassen.
    Mister Borussia ( dieser Begriff sagt alles) und im besten Sinne ein ‚Menschenfreund‘ Jeder der ihn kannte , weiß was ich damit sagen will.
    Ruhe in Frieden, Mats

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