Gegen ihn sahen viele Stürmer alt aus

Der frühere Zweitligaspieler der Borussia, Wolfgang Alt, feierte seinen 70. Geburtstag / Viele schöne Erinnerungen an die Zeit im Ellenfeld / Heute noch aktiv als erfolgreicher und anerkannter Jugendtrainer

Unser Bild: Gnadenlos kompromisslos – Wolfgang Alt (re.) schonte, wie in dieser Szene aus einem 2.Liga-Spiel gegen den FC Augsburg, weder sich noch den Gegner. (Foto: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen Hartung) 

Gegen Allan Simonsen hatte er so seine Schwierigkeiten. Der kleine und flinke dänische Wirbelwind spielte ihm in einem Testspiel einmal regelrecht Knoten in die Beine. Gegen solche Kontrahenten hatten es die Abwehrrecken der 70er-Jahre, von denen kaum einer die 1 Meter 90 unterschritt, echt schwer. Auch der 66er-Vizeweltmeister Helmut Haller vom FC Augsburg war ein richtig guter Gegenspieler. Daran erinnert er sich auch nach langen Jahren noch gut. Doch die meisten Gegenspieler ließ er – seinem Namen alle Ehre machend – im wahrsten Sinne des Wortes „alt“ aussehen. Am vergangenen Montag sind nun 25.550 Tagen verflogen, seit er geboren wurde: Der frühere Defensivspezialist der Borussia, Wolfgang Alt, feierte seinen 70. Geburtstag. Borussia gratuliert nachträglich, aber nicht weniger herzlich!

Den 23. November 1974 bezeichnet Wolfgang Alt rückblickend als den Höhepunkt seiner Karriere im schwarz-weißen Trikot. An diesem Tag siegte er mit seinen Borussen völlig unerwartet im Spiel der 2. Liga Süd beim damals noch als deutscher Rekordmeister geltenden 1. FC Nürnberg. 16.000 Zuschauer im städtischen Stadion rieben sich verwundert die Augen, war doch der „Glubb“ zuvor auf eigenem Platz anderthalb Jahre ungeschlagen geblieben: 4:1 für Borussia hieß es nach 90 Minuten dank der Tore von Jupp Johann (2), Hans-Werner Eichhorn und Horst Schauß, für die Gastgeber konnte Torjäger Hans Walitza zwischendurch lediglich auf 1:3 verkürzen. 24 Spiele machte Wolfgang Alt in der Spielzeit 1974/75 für die Borussia, für die er seit der D-Jugend alle Mannschaften durchlief, ehe er im zarten Alter von 20 Jahren gemeinsam mit Bernd Wilhelm zum Kader der ersten Mannschaft stieß. Richtig stolz war er, als Jungspund jetzt dazu zu gehören, schließlich hatte er als Jugendlicher die erfolgreiche Bundesliga-Zeit der Borussia live miterlebt: „Alle Heimspiele im Ellenfeld habe ich gesehen mit Spielern wie Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Wolfgang Overath, Jupp Heynckes oder Berti Vogts.“ Die Reihe könnte er munter fortsetzen. Der kürzlich verstorbene Franz Beckenbauer galt ihm dabei als großes Vorbild.

Doch unter Trainer Erwin Türk kam Wolfgang Alt nicht mehr so recht zum Zug. Der gebürtige Bielefelder, der 1973 vom VfL Osnabrück ins Ellenfeld gekommen war, galt als streng und schwer erreichbar. Ganz anders Türk-Nachfolger Stefan Abadijew, der allerdings den Abstieg aus der 2. Liga Süd nicht mehr verhindern konnte. „Für mich als jungen Spieler war der Abstieg sehr enttäuschend, denn statt gegen Nürnberg, Karlsruhe, Augsburg oder 1860 München mussten wir jetzt gegen Theley, Weiskirchen, Hülzweiler oder Oberkirchen spielen“, erinnert sich Wolfgang Alt, der unter dem neuen Trainer gesetzt war und souverän die Meisterschaft der ersten Amateurliga Saar gewann – nur ein einziges Saisonspiel (0:1 in Saarwellingen) ging dabei verloren. Mit großen Hoffnungen starteten die Borussen in die Aufstiegsrunde, wollten unbedingt in die 2. Liga zurückkehren. Doch am Ende scheiterten sie an Rheinlandmeister Eintracht Trier – im Moselstadion verlor Borussia mit Wolfgang Alt 0:3, im Rückspiel im Ellenfeld gab es ein dramatisches 4:4, zu wenig!

Der Mann mit der Mütze, Trainer Stefan Abadjiew (obere Reihe 2.v.re., daneben Präsident Kurt Gluding), setzte auf Wolfgang Alt (obere Reihe, 3.v.re.). Mit Coach Dietmar Schwager kam der Abwehrspieler (Mitte, 2. v.re.) nicht klar und verließ das Ellenfeld (unten). (Fotos: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)

Für Wolfgang Alt folgte noch eine Saison in der Amateurliga Saar, doch als Dietmar Schwager, vom 1. FC Kaiserslautern gekommen, das Szepter auf der Trainerbank schwang, hieß es Abschied nehmen. „Mit Dietmar Schwager kam ich nicht klar“, so die simple Erklärung des „großen Blonden“, der zum ASC Dudweiler wechselte und dort noch einige Jahre in der Oberliga spielte. Anschließend machte er seinen Trainerschein, wirkte als Spielertrainer in Aschbach, Hüttersdorf, Tholey, Schmelz und Hasborn. Im Waldstadion ist er dann auch gelandet: Seit mehr als 30 Jahren coacht er sehr erfolgreich die A-Jugend der Rot-Weißen und der JFG Schaumberg-Prims und findet dabei nicht nur einen guten Draht zu seinen Schützlingen, sondern vermittelt ihnen auch viel von seinen Erfahrungen. Kein Wunder, dass Wolfgang Alt als Jugendtrainer einen hervorragenden Ruf genießt. Trainer einer Aktivenmannschaft zu werden kam für ihn nie mehr in Frage.

Erfolgreicher Jugendtrainer in Hasborn und bei der JFG Schaumberg-Prims: Wolfgang Alt (zusammen mit Ex-Borusse Adetunji Adeyemi. (Foto: Thomas Burgardt, vielen Dank!)

Was bleibt aus seiner Zeit im Ellenfeld? „Darauf, dass ich meinen Beitrag dazu geleistet habe, viel Positives mit geschaffen zu haben, blicke ich nicht ohne Stolz zurück“, hat er einmal in einem Interview im Blog „Stahlwerk Neunkirchen“ gesagt. Heute jedoch erregt es bei ihm viel Wehmut, „zu sehen, in welcher Liga die Borussia spielt und wie wenig Zuschauer das noch verfolgen.“ Ganz anders zu seiner Zeit: „Wenn man vor dem Einlaufen am Marathontor stand und die Stimmung unter oft zehntausend und mehr Zuschauern hin diesem einmaligen Stadion hörte, das war einfach Gänsehaut pur!“ Diese Momente haben sich bis heute bei Wolfgang Alt regelrecht eingebrannt. Ob sie noch einmal wiederkommen werden? Das Pokalspiel gegen den 1. FC Saarbrücken – die „Mutter aller Saarderbys“ – könnte noch einmal Erinnerungen daran wecken …

Die Borussia gratuliert ihrem jung gebliebenen ehemaligen Zweitligaspieler – verbunden mit herzlichem Dank für all das, was er im schwarz-weißen Trikot geleistet hat – zum runden Geburtstag und wünscht für das neue Lebensjahrzehnt alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und Zuversicht. Ad multos annos, Wolfgang Alt! (-jf-)

Ein kleiner Blick ins Vereinsalbum zeigt Wolfgang Alt im Einsatz für die Borussia. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)

Gemeinsam mit Reiner Brinsa (Mitte) gegen 1860 München: Wolfgang Alt (re.).

Auch Nürnbergs Kapitän Dieter Nüssing (re.) hatte es schwer gegen Wolfgang Alt (li.).

Kommt er noch an den Ball? Wolfgang Alt (Nr. 6) in höchster Not bei einem Spiel bei Wormatia Worms.

Immer an der Seite von Willi Ertz: Auf Wolfgang Alt konnte sich Borussias Torwartlegende stets verlassen (oben und unten).

Szenen aus einem 2.Liga-Spiel gegen den FC Augsburg (oben und unten).

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