Ein Torwart mit Ausstrahlung hat Abschied genommen

Nachruf zum Tode von Borussen-Legende Horst Kirsch / Von Merchweiler ins Ellenfeld gekommen / Mitglied des erweiterten WM-Kaders 1962 / 56 Spiele für Borussia in der Bundesliga (Foto: Mythos Ellenfeld – Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Borussia).

Von Jo Frisch

Borussia trauert um ihren ehemaligen Bundesligatorhüter Horst Kirsch. Nur wenige Wochen nach seinem Mannschaftskameraden und Torwart-Kollegen Willi Ertz ist Horst Kirsch am 5. Oktober 2018 79jährig verstorben. Zwischen 1964 und 1968 absolvierte Horst Kirsch drei Jahre lang im Borussen-Trikot 56 Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse. Borussia dankt Horst Kirsch herzlich für seinen Einsatz und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

In seinem Heimatklub Preußen Merchweiler hatte der junge Horst Kirsch durch starke Leistungen auf Saar- und Südwest-Ebene auf sich aufmerksam gemacht, war in verschiedene Auswahlmannschaften berufen worden und und so auch in den Fokus der Borussia gerückt. Über die Zwischenstation Sportfreunde Saarbrücken landete der begabte und fangsichere Torhüter mit der imponierenden Größe von fast 1 Meter 90 zu Beginn der Saison 1960/61 im Ellenfeld, wo er von seinem erfahrenen Kollegen Ladislav Jirasek viel lernte. „Der Lado war ein guter Mensch, für mich ein Vorbild in jeder Hinsicht. Er hat mir viele Tipps gegeben“, sagte Horst Kirsch einmal voller Dankbarkeit. Von den Trainern Sepp Herberger, Helmut Schön, Dettmar Cramer und Georg Gawliczek wurde Horst Kirsch zu Lehrgängen in die Sportschulen Duisburg-Wedau und Karlsruhe-Schöneck eingeladen, gehörte 1962 gar zum 40er Kader für die WM in Chile und bestritt ein U23-Länderspiel gegen Frankreich. Einem Dankschreiben des DFB hatte Bundestrainer Herberger eine handschriftliche Fußnote hinzugefügt: „Bleiben Sie weiter dabei, Horst! Es wird schon werden. Ihr Sepp Herberger.“ Und in der vom Fachmagazin „Kicker“ erstellten deutschen Torhüter-Rangliste landete Horst Kirsch hinter den Nationalspielern Wolfgang Fahrian vom SSV Ulm und Hans Tilkowski (damals Westfalia Herne) auf dem dritten Platz – der verdiente Lohn für herausragende Auftritte des Borussen-Keepers in der Liga und den Endrundenspielen um die deutsche Meisterschaft von 1961 bis 1963.

Auch am Bundesliga-Aufstieg der Borussen im Sommer 1964 hatte Horst Kirsch seinen Anteil, hütete in zwei von sechs Spielen das Tor. In den entscheidenden Spielen beim FC Bayern (2:0), in St. Pauli (1:0) und beim finalen Triumph gegen Tasmania Berlin (1:0) vor über 40.000 Fans in Saarbrücken allerdings gehörte Kirsch nicht zum Aufgebot. Der Grund: Der Torhüter stand mitten im Techniker-Examen und hatte im harten Diskussionen Borussias damaligem Präsidenten Norbert Engel die Erlaubnis abgerungen, das Trainingslager zu verlassen und zuhause am Schreibtisch für seine Abschlussprüfungen zu büffeln. An die große Glocke hatte er das damals nicht gehängt, um keine Unruhe um Borussen-Umfeld aufkommen zu lassen. „Jetzt war der Willi Ertz als alleiniger Torwart ohne Konkurrenzdruck gefordert. Er konnte eine hervorragende Aufstiegsrunde spielen und ich meine Examina erfolgreich abschließen“, blickte Horst Kirsch später ohne Wehmut oder gar Neid auf die damalige Situation zurück. In der Bundesliga hatte er im ersten Jahr Willi Ertz gegenüber die Nase vorn, verzeichnete 20 Einsätze. Das Verhältnis zu seinem Mitstreiter um den Platz zwischen den Pfosten nannte er immer „einen sportlich fairen Konkurrenzkampf. Jeder von uns beiden wollte natürlich gerne spielen. Wer nicht durfte, der war sauer – das ist doch ganz normal!“

1969 verließ Horst Kirsch das Ellenfeld, heuerte (bis 1971) bei Röchling Völklingen, später noch bei Eintracht Bad Kreuznach (1972 bis 1975) an. Zwischendurch amtierte er ein Jahr als Trainer beim SC Heiligenwald (1971/72), gab später als Coach den Spielern des SV Oberthal, des SC Hülzweiler und des SC Friedrichsthal Wertvolles aus seinem reichen Erfahrungsschatz weiter. „Bei allen Vereinen hatte ich schöne Zeiten und schöne Begegnungen, die ich nicht missen möchte“, stellte Horst Kirsch immer wieder heraus. Abstand vom Fußball und Ruhe fand der zuletzt sehr zurückgezogen lebende Torwart stets im lauschigen Gartenwinkel seines Hauses in der Merchweiler Waldstraße, wo er als Hobbygärtner wirkte und werkelte. Zumindest „ein leises Herzpochen für die Borussia“ habe Horst Kirsch noch immer in seinem Innern verspürt, so berichtet Wilfried Burr in der Borussen-Festschrift zum 100jährigen Vereinsjubiläum. „Der Klub ist nicht ganz aus meinem Denken verschwunden“, hat Horst Kirsch festgestellt, auch wenn die Besuche im Ellenfeld seltener wurden. „Meine Einladungen zu den Spielen hat er höflich und traurig abgelehnt, war immer sehr höflich, respektvoll und liebenswürdig“, erinnert sich Borussias Vereinsarchivar und Stadionbeauftragter Dr. Jens Kelm an den Umgang mit dem Torhüter.

Kritisch ging Horst Kirsch mit dem Spitzenfußball der Gegenwart ins Gericht: „Ich gönne zwar den Spielern das Geld, das sie bekommen. Aber wenn das die Hauptrolle spielt, dann gute Nacht! Die Spieler haben heute zu viel Macht. Sie können sich doch alles erlauben. Wer Millionär ist, der lässt sich doch nichts mehr sagen. Die Autorität der Trainer wird mit diesen veränderten Machtstrukturen  untergraben“, hat Horst Kirsch einmal seine persönliche Ansicht dargelegt. Dass er noch andere Zeiten im Fußball erlebt hat, das wird zwischen diesen Zeilen deutlich, hat er sehr wohl zu schätzen gewusst! An nostalgischen Plaudereien mit einstigen Mannschaftskameraden wie Karl Ringel oder frühere Vorstandsmännern der Borussia hat sich Horst Kirsch jedenfalls noch lange gerne beteiligt. Auch bei den Fans war der Keeper hoch angesehen, hatte aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes viele weibliche Fans. Das mundartliche Kompliment einer Verehrerin aus jenen Tagen ist jedenfalls, so Wilfried Burr in seinem Beitrag über Horst Kirsch in „Mythos Ellenfeld“, schriftlich festgehalten: „Ach Gott, wenn ich `ne seh, wird´s ma ganz schwummrich!“

Nun ist Horst Kirsch von uns gegangen. Man wird seiner Persönlichkeit, seiner Leistung sicher gerecht, wenn man auch ihn – ebenso wie seinen Kollegen Willi Ertz – als Torwart-Legende der Borussia bezeichnet. Zwischen den himmlischen Pfosten werden die beiden – jetzt vereint – ganz sicher ein unschlagbares Duo bilden. Danke, Horst Kirsch, für alles, und: Ruhe in Frieden!

5 Kommentare

  1. R.i.P. Horst Kirsch !
    Als junger Bub war ich Mal Aktiv in der D und C Jugend und es gab nichts größeres als zum Bundesligaspiel im Ellenfeld meine große Borussen-Fahne zu schwenken !
    Es waren schöne Stunden mit großen Kulissen und einer unbeschreiblichen Stimmung im Ellenfeld !
    Die Stadt war berühmt und der Sport war wichtiger als Geld !
    Heutzutage sieht man ja wohin die Richtung geht…
    Macht es gut da oben Ihr Hüter des Eckigen !
    Demaddinnausnk

  2. Hallo Horst,
    Ich als Merchweiler Bub und dein Nachbar und Freund sage dir auf diesem Weg “ Good bye“ und machet juut.ich werde die Waldläufe mit dir bei der Borussia und in Merchweiler vermissen.
    Ich bin sehr stolz dich kennengelernt zu haben und werde die Zeit mit dir müssen.
    Dirk Buchborn

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