100 Freikarten für Ford Saarlouis

Solidaritätsaktion: Borussia hat interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Saarlouiser Werkes zum Heimspiel gegen den FV Bischmisheim (Samstag, 16.00 Uhr) ins Ellenfeld eingeladen.

Unser Bild: Daumen hoch! Kai Sarg (li.), stellvertretender Vorsitzender der Vertrauensleute im Werk Saarlouis, freut sich über die Freikarten, die von Co-Trainer Özal Acar (re.) übergeben wurden. (Fotos: privat / -jf-)

Bangen, schlaflose Nächte, Sorgenfalten: schlimme Wochen und Monate liegen hinter der Belegschaft von Ford in Saarlouis. Im Juni kam sie, die schlechte Nachrichten aus Spanien. Das Ford-Werk in Valencia bekommt den Zuschlag für den Bau zweier E-Automodelle. Mit Ford kam die Autoindustrie ins Saarland. Der Fahrzeugbau ist die wichtigste Branche im Land. Deshalb ist die Entscheidung gegen den Standort Saarlouis ein Schock für die Beschäftigten und das Land. Obwohl in Saarlouis die Angst vor dieser Entscheidung seit Jahren umging, ist die endgütige Klarheit erschütternd. Jobverlust, Sorge ums Eigenheim, um die Familie – für rund 6000 Menschen und ihre Familien geht es ans Eingemachte.

Das betrifft auch Özal Acar, den Co-Trainer der Borussia. Der gelernte Industriemechaniker arbeitet seit 11 Jahren im Saarlouiser Werk, war dabei 6 Jahre lang Jugendvertreter für über 200 Auszubildende und ist derzeit als Koordinator für Instandhaltung Rohbau und Presswerk tätig. Darüber hinaus engagiert er sich gewerkschaftlich in der IG Metall. „Die Menschen sind mental down und haben enorme Zukunfts- und Existenzängste. Verständlich, denn die Autoproduktion ist – Stand jetzt – nur bis 2025 gesichert. Was wird danach?“ fragt sich Özal Acar. Zwar sprechen Wirtschaftsminister Jürgen Barke und Ministerpräsidentin Anke Rehlinger von einem großen Interesse an dem Werk in Saarlouis, doch die fast schon demonstrativ zur Schau gestellte Zuversicht stößt lange nicht bei allen Beschäftigten auf Vertrauen. Der FORD-Betriebsratsvorsitzende Markus Thal hat die Euphorie gebremst und die Belegschaft auf einen harten Kampf vorbereitet.

Die Sorgen der FORD-Mitarbeiter stoßen in Neunkirchen auf Verständnis und Anteilnahme. Industrie, Hütte, Stahl und Eisen spielte in der Historie der Borussia immer eine große Rolle. Hüttenarbeiter und Mitarbeiter der Neunkircher Eisenwerke waren dem Verein als Mitglieder, Spieler und Fans stets sehr verbunden. Auch sie unterlagen einem schwierigen Strukturwandel mit erheblichen Auswirkungen auch auf die Borussia und das Ellenfeld. Deshalb können alle Borussen die Sorgen der Ford-Beschäftigten nur zu gut nachvollziehen und werden den Kampf um den Standort Saarlouis unterstützen. Die Solidarität soll sich aber nicht nur in Worten und Gedanken zeigen. Deshalb hat die Borussia für das Heimspiel am kommenden Samstag gegen den FV Bischmisheim (Anstoß: 16.00 Uhr) 100 Freikarten für fußballinteressierte Ford-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereitgestellt und an Kai Sarg, den stellvertretenden Vorsitzenden der Vertrauensleute im Werk, übergeben. Die Reaktion: Daumen hoch!

„So groß die Trauer ist, es bleibt wenig Zeit, um den Kopf in den Sand zu stecken. Die Kompetenz in der Industrieproduktion, in der Metallverarbeitung, die Bereitschaft zum Schichtdienst, können in Zeiten des Fachkräftemangels für andere Unternehmen interessant sein. Auch wenn es heute vielen vermutlich nicht gelingt: Nie war es wichtiger als heute, nach vorne zu schauen“, schreibt SR-Redakteurin Karin Mayer in einem Kommentar. Beim Nachvorne-Schauen gibt sich Özal Acar kämpferisch: „Ford war immer ein großer Familienbetrieb. Anscheinend sieht Ford Europa das Werk in Saarlouis nicht mehr als Teil dieser Familie. Aber in einem Punkt können sie sich sicher sein: Das Werk Ford Saarlouis – das ist eine Familie! Egal, was passiert: Die Belegschaft in Saarlouis wird immer zusammenhalten“.

“You´ll never walk alone – wir sind bei Euch!” Ganz in diesem Sinne begrüßt die Borussia die Ford-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz herzlich im Ellenfeld: Vergesst für ein paar Stunden alle Sorgen und habt ein spannendes Fußballerlebnis an einem entspannten Nachmittag – herzlich willkommen! (-jf-)

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