Viel Aufregung und ein verdienter Punkt für die Borussia

Tiziano Pompa und Nico Christmann drehen Quierschieds Führung noch vor der Pause / Michael Müllers rote Karte dezimiert die Borussen / Partie bis zum Schlusspfiff völlig offen

Unser Bild: Abgeblockt wurde dieser Schuss von Tim Cullmann kurz vor Schluss – die Borussen zeigten Moral und hatten trotz Unterzahl Chancen, die drei Punkte aus dem Franzenhaus mitzunehmen. (-jf-)

Michael Müller war angesäuert. Als das Spiel der Borussia in Quierschied auf des Messers Schneide stand, musste er nach 73 Minuten vom Platz. Nach einem harten, aber nicht unfairen Zweikampf mit Luca Lambert gab es zwischen den Kontrahenten einen kleinen Wortwechsel. Schiedsrichter Maximilian Schommer hatte die Szene laufen lassen und den beiden Beteiligten bereits den Rücken zugewandt. Doch dem Unparteiische war offenbar eine Beleidigung in Form des „W“-Wortes ins Ohr gedrungen, jetzt hielt er Borussias Nummer 6 die rote Karte unter die Nase. „Wenn ich sowas wirklich gesagt hätte, hätte ich das auch zugegeben“, so Michael Müller, und wer den Charakter des Defensivspezialisten auch nur ein bisschen kennt, hegt daran überhaupt keinen Zweifel. Erst nach der Partie glätteten sich, auch mit der Unterstützung der Vereinsverantwortlichen, die Wogen. Faire Geste: Quierschieds Luca Lambert begleitete Michael Müller in die Schiedsrichter-Kabine, um die Sache klarzustellen: „Das W-Wort ist nicht gefallen.“ Maximilian Schommer wird die Sache in seinem Bericht womöglich neu bewerten, ehe die Spruchkammer des Saarländischen Fußballverbandes ihre Entscheidung fällt. Was nichts daran ändert, dass Borussia die letzten 17 Minuten plus 6 Minuten-Nachspielzeit in Unterzahl bestreiten musste.

Die Szene war insofern von Bedeutung, als die intensive und emotionale Saarlandliga-Begegnung im Franzenhaus just in diesem Moment in eine Phase ging, in der sich entscheiden konnte, in welche Richtung sich die Waagschale neigte. Denn Johannes Reichrath hatte die Gastgeber zehn Minuten zuvor wie aus dem Nichts mit dem 2:2 wieder ins Spiel gebracht, als er einen gelupften Ball von Lukas Mittermüller, der in aller Seelenruhe flanken konnte, per Kopf verwandelte – das Leder kullerte aufreizend langsam über die Torlinie der Borussen. Die hatten in der zweiten Halbzeit bis dahin die Partie eigentlich ganz gut im Griff. Doch jetzt bekamen die Gastgeber in Überzahl Oberwasser, witterten natürlich die Chance auf mehr als nur den einen Punkt. Matthias Krauß (75.), Johannes Reichrath (84.) und Marius Schwartz (90.+3) hatten auch dicke Gelegenheiten dazu, wobei sich Philippe Persch des öfteren als Turm in der Schlacht auszeichnen konnte. Dass es letztlich beim 2:2 blieb, war unter dem Strich mehr als verdient. Der eine Punkt – das vierte Remis in Folge – war für die Borussen der Lohn für eine tolle Moral.

Das sah auch Trainer Thorsten Lahm so, der seinen Jungs eine gute Mentalität bescheinigte, aber über die Anfangsphase regelrecht erschrocken war: „In den ersten 20, 25 Minuten habe ich gedacht, ich bin im falschen Film. Da haben wir so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, und sind voller Lethargie und ohne jedes Selbstvertrauen aufgetreten.“ In der Defensive taten sich Lücken auf, auch die Abstimmung stimmte nicht. So muss es nicht verwundern, dass die Gastgeber nach 15 Minuten zur Führung kamen: Torjäger Matthias Krauß, von Lukas Mittermüller in Szene gesetzt, umkurvte den herausstürzenden Philippe Persch und versenkte den Ball im Netz – schon sein 12. Saisontor! Kurz danach lag sogar das 2:0 in der Luft, doch ein Kopfball von Johannes Reichrath strich denkbar knapp am Kasten vorbei. Im Quierschieder Strafraum gab es dagegen lediglich bei ruhenden Bällen und langen Einwürfen einen Hauch von Gefahr, doch die Defensive der Gastgeber agierte sehr aufmerksam und konnte echte Torchancen verhindern. Erst nach mehr als 20 Minuten drohte der Sportvereinigung ein Gegentor, als eine Hereingabe von Nico Purket im letzten Moment vor dem einschussbereiten Tim Klein geklärt werden konnte.

Der Ausgleich: Tiziano Poma hat abgezogen, wie an einer Schnur gezogen rauscht der Ball links unten ins Toreck (oben), der Torschütze schreit seine Freude über sein drittes Saisontor förmlich hinaus (unten). (Fotos: -jf-)

Die Borussen wurden jetzt wacher und mutiger – und belohnten sich gleich doppelt! Zunächst hatte Tiziano Pompa den Mut, einen von den Gastgebern nur unzureichend abgewehrten Ball direkt zu nehmen und durch Freund und Feind hindurch flach ins linke untere Eck zu hämmern – Benedikt Schmitt im Quierschieder Tor sah den Ball zu spät und streckte sich vergebens (35.). Nur knapp zwei Zeigerumdrehungen konnte Quierschied das Leder erneut nicht aus der Gefahrenzone befördern, das nach mehreren Kopfbällen bei Nico Christmann landete, der aus kurzer Distanz trocken einnetzte. Die Borussen hatten die Partie unerwartet schnell gedreht – und hätten noch vor der Pause auf 3:1 erhöhen können, ja müssen. Florian Stopp stand nach Vorlage von Tim Klein urplötzlich Keeper Benedikt Schmitt Auge in Auge gegenüber, aber statt direkt in die rechte untere freie Ecke abzuschließen, drehte er sich nochmal und beförderte den Ball mit dem linken Fuß am Tor vorbei. „Ein 3:1 hätte uns womöglich im weiteren Verlauf des Spiels mehr Räume gegeben, denn dann hätte Quierschied aufmachen müssen“, bedauerte Thorsten Lahm die ungenutzt gebliebene Situation.

Die Führung: Nico Christmann (Nr. 19) reagiert blitzschnell und befördert den ungeklärten Ball ins Quierschieder Netz. (Foto: -jf-)

Nach der Pause hatte Tim Cullmann die erste Gelegenheit, doch Benedikt Schmitt war beim Geschoss des Borussen-Urgesteins zur Stelle, der Nachschuss von Florian Stopp wurde abgeblockt. Die Borussen standen jetzt gut und ließen kaum ein konstruktives Aufbauspiel der Platzherren zu. Bis zur jener 63. Minute und dem 2:2, das Quierschied natürlich Auftrieb gab. Nach wie vor aber setzte Borussia Nadelstiche – den bedrohlichsten nach 82 Minuten, als Tim Klein sich auf der linken Seite durchgetankt hatte und auf Benedikt Schmitt zusteuerte. Quierschieds Keeper pflückte dem Borussen-Stürmer das Leder regelrecht vom Fuß, ehe Tim Klein über den Torhüter stürzte.

Rettungstat in höchster Not: Quierschieds Keeper Benedikt Schmitt verhindert gegen Tim Klein kurz vor Schluss Borussias „lucky punch“. (Foto: -jf-)

Nicht nur mit Blick auf diese Szene bilanzierte Thorsten Lahm, „dass durchaus mehr drin war in einem Spiel, in dem bis zum Schlusspfiff die Frage nach dem Sieger völlig offen war.“ Borussias Coach bedauerte auch die Hinausstellung von Michael Müller, „denn mit einem Mann weniger war es natürlich gegen so eine starke Mannschaft mit ihren schnellen Leuten schwierig. Da musst du immer auf der Hut sein, darfst nicht zu viele riskieren, sonst fährst du mit gänzlich leeren Händen nach Hause.“ So kritisch der Trainer die ersten 20, 25 Minuten seiner Jungs gesehen hatte, so ehrlich lobte er sie für den Rest des Spiels: „Da haben wir gut dagegengehalten und hatten selbst in Unterzahl noch die Gelegenheit, die Partie zu unseren Gunsten zu entscheiden.“

Wie dem auch sei, Thorsten Lahm gibt für die heute beginnende Trainingswoche die Losung aus: „Wir müssen uns spielerisch und taktisch weiterentwickeln. Arbeiten, fleißig üben, lernen – nur so geht es!“ Und am kommenden Samstag (16.00 Uhr) gegen die U23 des FC Homburg hoffentlich mit einem starken Michael Müller (Thosten Lahm: „Der ist kaum zu ersetzen!“) – Borussias Nummer 6 brennt förmlich auf seinen Einsatz gegen seine früheren Mannschaftskameraden aus dem Waldstadion! (-jf-)

Statistik: Spvgg Quierschied – Borussia 2:2 (1:2)

Borussia: Philippe Persch – Tim Cullmann (ab 90. Malte Dennert), Kamil Czeremurzynski, Marco Dahler, Tiziano Pompa, Nico Purket, Niklas Allenfort, Nico Christmann (ab 46. Tim Braun), Michael Müller, Florian Stopp (ab 69. Daniel Schlicker), Tim Klein (ab 87. Roman Torres). – Trainer. Thorsten Lahm.

Tore: 1:0 (15.) Matthias Krauß, 1:1 (35.) Tiziano Pompa, 1:2 (36.) Nico Christmann, 2:2 (63.) Johannes Reichrath. – Schiedsrichter: Maximilian Schommer (SG Haupersweiler-Reitscheid). – Zuschauer: 300. – Gelbe Karten Borussia: Kamil Czeremurzynski (17.), Tiziano Pompa (90.+2), Niklas Allenfort (90.+5). – Rote Karte Borussia: Michael Müller (73.).

Unsere Bilder zeige Eindrücke vom hart umkämpften Spiel am Quierschieder Franzenhaus. (Fotos: -jf-)

2 Kommentare

  1. Eine Frage an Persch und Konsorten:

    Was ist mit dem guten Peter Rubeck vorgefallen, dass der nach dem Rücktritt aus angeblich gesundheitlichen Gründen bereits 14 Tage später in Besseringen anheuert????

    Das wirft ein ganz schlechtes Licht auf Borussia, insbesondere in der Kombination mit dem Rücktritt des Co trainers!!!

    Schade, dass hier nie Ruhe einkehrt!!!

    Der Verein ist weiter entfernt von sportlichen Erfolgen als die Erde vom Mond.

    Bitte abmelden, das wird nix mehr!!!

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