Verpatzte Schlussphase: (Stein)Wende dank Anton Artemov

Unser Bild: Einer gegen alle – Nico Christmann, Nico Purket und Michael Müller (v.l.) versuchen, Anton Artemov in den Griff zu bekommen. Steinwendens wendiger Spielmacher war mit seinen Vorlagen entscheidend an der Wende der Partie in der Schlussphase beteiligt. Im Sommer streift er das Borussen-Trikot über. (Foto: -jf-)

Testspiele sind angewandte Trainingseinheiten. Quasi eine Übungseinheit, die zusätzlich auch noch Erkenntnisse über die Wettkampftauglichkeit der Mannschaft liefert. Dass der sportliche Erfolg dabei angestrebt wird, ist verständlich, doch die Frage nach Sieg oder Niederlage ist lediglich sekundär. Welche Erkenntnisse hat Christian Schübelin aus der gestrigen Partie am gestrigen Samstag in der Ferraro-Sportarena, bei der die Borussia nach dem 2:2 in Marpingen und dem 3:1 gegen den SV Hermesberg erstmals in der Wintervorbereitung verlor, gewonnen? „Dass Laufarbeit und Laufbereitschaft sowie Zweikampfstärke entscheidende Faktoren sind“, bilanziert der Borussen-Trainer, „das war heute das Ding gewesen, auch wenn wir das in der zweiten Halbzeit besser gemacht haben. Aber vor der Pause, das muss man klar sagen, hat uns der Gegner in den Zweikämpfen den Schneid abgekauft.“ Zudem monierte der Coach im Mannschaftskreis nach dem Spiel, „dass wir unsere großen Chancen nicht genutzt und uns am Ende noch die Butter ganz vom Brot nehmen ließen. Und das ausgerechnet in einer Phase, in der wir drauf und dran waren, die Sache zu drehen. Das darf – Testspiel hin, Testspiel her – nicht passieren, daraus müssen wir lernen“, so Christian Schübelin, für den dabei gewisse Parallelen zum letzten Heimspiel vor der Winterpause (1:3 gegen den SC Reisbach) erkennbar waren.

In der Tat: Als Dominik Cullmann, der sich nach seiner Einwechslung als sehr belebendes Element im Offensivspiel erwies, nach 73 Minuten das 1:1 erzielt hatte, schien alles darauf hinzudeuten, dass das Spiel hinten raus in Richtung Borussia laufen würde. Der Ausgleich war eine Co-Produktion von Cullmann & Cullmann, Resultat eines gelungenen Angriffszuges über die linke Seite: Die Flanke von Tim Cullmann aus dem Halbfeld wurde immer länger, Steinwendens Abwehr inklusiv Torhüter Benjamin Klein hatte die Flugbahn des Leders offensichtlich falsch eingeschätzt, Dominik Cullmann, der die Situation blitzschnell erfasste, musste nur noch aus etwa 12 Metern einschieben. Der Treffer war der Lohn für unermüdliche Bemühungen der Borussen, die schon vorher mehrfach große Gelegenheiten ausgelassen hatten. Gleich der erste Angriff signalisierte neue Offensivlust: Tim Cullmann schickte Nico Purket auf dem linken Flügel „auf die Reise“, doch Louis Cupelli im Sturmzentrum kam nicht ganz an den Ball (47.). Borussias Zielspieler mit der Nummer 15 hatte anschließend gleich zweimal die große Chance auf sein Premierentor im weißen Trikot: Jedes Mal scheiterte er, von dem durchs Mittelfeld gestürmten Dominik Cullmann bestens in Position gebracht, in einer Eins-zu-eins-Situation an SVS-Keeper Klein (55. / 65.). „Hier wäre ein Querpass zum Mitspieler wohl die bessere Lösung gewesen“, konnte Christian Schübelin von außen beobachten – ohne jedoch seinem Stürmer einen Vorwurf zu machen: „Er hat es sicher gut gewollt, man muss aber auch dem gegnerischen Torwart ein Kompliment machen, der richtig stark reagiert hat.“

Großchancen für Borussia: Zunächst scheitert Louis Cupelli an SVS-Torwart Benjamin Klein (oben), dann zielt Lars-André Kaula nur ganz knapp am Tor vorbei (unten). (Fotos: -jf-)

Zwischendurch hatte auch Lars-André Kaula den Ausgleich auf dem Fuß: Nach einem Steckpass von Dominik Cullmann kam er zwar vor Torwart Klein an den Ball, zielte aber um Zentimeter am Tor vorbei (62.). Die Borussen waren jetzt gut im Spiel, bestimmten die Partie und ließen die Gäste kaum mehr über die Mittellinie kommen, ehe kleine Fehler das Spiel dann doch drehten – freilich in eine andere Richtung als aus Borussen-Sicht gewünscht: Zwei Konter über den flinken Anton Artemov, jeweils über die linke Abwehrseite Borussia, ließen Steinwenden wie aus dem Nichts mit 3:1 in Führung gehen. Zweifacher Torschütze: Nico Trapp, der zunächst aus spitzem Winkel flach einschoss (83.) und wenig später nach einem von Maximilian Strack parierten strammen Artemov-Schuss nur noch abstauben musste (86.). Zwar hatten die Borussen kurz vor Schluss noch die Chance zum Anschluss, aber Ralph Smiths Direktabnahme nach Hereingabe von Tim Cullmann sauste knapp über den Querbalken (88.). So blieb es beim Abpfiff von Schiedsrichter Julian Geid (Borussia Spiesen) beim 3:1 für die Gäste. Zu gerne hätte Borussen-Kapitän Marco Dahler das Geburtstagsbierchen, das er nach dem Spiel mit den Eltern Tine und Mitch genoss, mit dem Schaum eines Sieges gekrönt, aber unter dem Strich war das Resultat sicher nicht unverdient und sollte dem SV Steinwenden Auftrieb geben für den Kampf um den Klassenerhalt in der Südwest-Liga.

Denn die von Spielertrainer Daniel Meisenheimer gut auf- und eingestellten Pfälzer konnte die erste Halbzeit trotz guter Anfangsphase der Borussia für sich verbuchen. Laufstark und robust in den Zweikämpfen machte man es den Borussen äußerst schwer, torgefährliche Situation zu kreieren, zumal die beim letzten Pass oft die Präzision vermissen ließen. Symptomatisch: Bei der einzigen echten Torchance vor dem Seitenwechsel profitierte Neuzugang Niki Backes von einem Missverständnis in der Abwehr der Roten, sprintete in einen verunglückten Rückpass, verfehlte aber das Ziel rechts unten nur denkbar knapp (24.). Die Gäste hätten nach einer knappen halben Stunde schon in Führung gehen können: Nach einer sehenswerten Kombination über die linke Angriffsseite hatte Dominik Jost im Borussen-Tor aufgepasst, war abgetaucht und konnte den Einschlag verhindern (28.). Machtlos war der Keeper jedoch kurz darauf, als Steinwendens Torjäger David Höft nach einem Steckpass von Elias Schulze in die defensive Schnittstelle allein vor dem Borussen-Tor auftauchte und den Ball cool im Netz versenkte (31.). Zur Pause war der SV Steinwenden um dieses eine Tor besser, bei den Borussen war zu diesem Zeitpunkt noch Luft nach oben.

Mit den Neuen Louis Cupelli (oben li.) und Niklas Backes (oben re.) zufrieden: Trainer Christian Schübelin. Was ihm nicht gefiel: „Dass wir am Ende noch ins Hintertreffen geraten, sollte nicht passieren“, so die Instruktion nach der Partie an seine Mannschaft (unten). (Fotos: -jf-)

Ihr besonderes Augenmerk hatten alle, die es mit der Borussia hielten, natürlich auf einen Mann ausgerichtet: Anton Artemov. Die Nummer 18 des SV Steinwenden wird bekanntlich im Sommer ins Ellenfeld wechseln. „Das war schon klasse, was der gezeigt hat – für mich der beste Mann auf dem Platz, der nicht umsonst die beiden entscheidenden Toren in der Schlussphase aufgelegt hat“, schwärmte Christian Schübelin nach den 90 Minuten. Und wirklich: Der Mittelfeldspieler des SVS war sehr agil, spulte in dem Bemühen, stets anspielbar zu sein, ein enormes Laufpensum ab, und wurde dabei von seinen Mannschaftskameraden überall gesucht und meist auch gefunden! Zudem geizte er nicht mit guten Zuspielen und beherzten Schüssen. Ohne vorab zu viel Lorbeeren zu verteilen oder den Steinwendener Sieg auf einen einzigen Akteur zu reduzieren darf man wohl sagen: ein Neuzugang, auf den sich die Borussen freuen können!

Aber auch mit den Neuen, die in der Winterpause ins Ellenfeld gekommen waren, durfte man zufrieden sein. „Niki Backes hat auf der rechten Außenbahn ansprechende Ansätze gezeigt. Louis Cupelli hat vorne ganz viel geackert“, zollte Christian Schübelin den beiden ein Kompliment. Für Niki Backes reichte es dabei zunächst nur für 45 Minuten, der 22jährige hatte zuletzt fast zehn Tage mit Grippe flachgelegen und ist noch nicht bei 100 Prozent. Gar nicht dabei, ebenfalls aufgrund eines grippalen Infektes, Stürmer Tim Klein und die beiden El Khadem-Brüder. Christian Schübelin hofft, dass die drei am kommenden Wochenende wieder im Kader stehen. Da steht für die Borussia (vor dem Heimspielauftakt in der Saarlandliga gegen Hasborn) gleich ein finaler Doppeltest an: Am Freitagabend geht es zunächst gegen den SC Idar-Oberstein (19.00 Uhr, Spielort noch offen), am Samstagnachmittag (15.00 Uhr) kommt der SC Blieskastel mit den beiden Ex-Borussen Daniel Ruschmann und Daniel Schlicker in die Ferraro-Sportarena. (-jf-)

Statistik: Borussia – SV Steinwenden 1:3 (0:1)

Borussia: Dominik Jost (ab 55. Maximilian Strack) – Marco Dahler (C), Nico Purket, Christoph Stemmler (ab 46. Dominik Cullmann, ab 86. Nico Christmann), Niklas Backes (ab 46. Tim Cullmann), Nico Christmann (ab 77. Alexander Velikov), Michael Müller, Dylan Sodji, Alexander Velikov (ab 46. Ralph Smith), Louis Cupelli, Lars-André Kaula. – Trainer: Christian Schübelin.

Tore: 0:1 (31.) David Höft, 1:1 (73.) Dominik Cullmann, 1:2 (83.) Nico Trapp, 1:3 (86.) Nico Trapp. – Schiedsrichter: Julian Geid (Borussia Spiesen). – Zuschauer: 100.

Unsere Bilder zeigen Eindrücke vom Testspiel der Borussia gegen den SV Steinwenden. (Alle Fotos: -jf-)

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