„Trage die Borussia immer im Herzen!“

Florian Stopp will sich beim FC Monnerich in Luxembourgs erster Liga durchsetzen / Nur gute Erinnerungen ans Ellenfeld / Am Wochenende gegen Jeunesse Esch erstmals im Kader

Unser Bild: So haben die Borussen ihn in bester Erinnerung – in 29 Spielen durfte Florian Stopp (wie hier mit seinen Freunden Christoph Stemmler und Simon Schreibeisen) über vier Treffer jubeln. (Archivfoto: -jf-)

Der Abschied aus dem Ellenfeld ist ihm nicht leicht gefallen. „Die Borussia ist ein großer Traditionsverein. Das spürt man überall. Die Atmosphäre in diesem Stadion ist etwas ganz Besonderes. Wenn man aus dem Tunnel auf den Rasen kommt und die große Tribüne sieht, dann geht einem das Fußball-Herz auf“, sagt Florian Stopp in einem Beitrag in der Schülerzeitung „Schelle“ des Neunkircher Gymnasiums am Steinwald. Im Sommer hat der 19jährige, der sich in der vergangenen Saison im Borussen-Trikot immer mehr in den Vordergrund gespielt hatte, nach bestandenem Abitur am Helmholtz-Gymnasium in Zweibrücken in Luxembourg einen Studienplatz (Betriebswirtschaftslehre und Medizin) bekommen und ist deshalb, wie er selbst zugibt, „schweren Herzens“ zum FC Monnerich in die erste Liga des Großherzogtums gewechselt.

Monnerich (oder Monnercange), eine Gemeinde im Kanton Esch-Alzette im Süden Luxembourgs, 965 n. Chr. erstmals in offiziellen Quellen erwähnt, gehört zu den ältesten Städten im „Ländchen“. 1989 entdeckte Überreste einer riesigen römischen „Villa rustica“ weisen auf eine noch ältere Besiedlung hin. Der Fußballclub wurde in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts gegründet, stieg nach langen Jahren der Zugehörigkeit zur Ehrendivision 2011 ab. Nach elf Jahren Abstinenz sind die Schwarz-Roten im Sommer 2022 in die „bel etage“ des luxemburgischen Fußballs, die derzeit nach ihrem Hauptsponsor Banque General du Luxembourg BGL-Ligue genannt wird,zurückgekehrt – „gekommen, um zu bleiben“, wie das „Luxemburger Tageblatt“ nach dem Aufstieg titelte. Im ersten Jahr hat das auch funktioniert, doch musste der FCM nach gelungenem Start lange zittern, ehe der Klassenerhalt unter Dach und Fach war.

Im neuen schwarz-roten Outfit: Florian Stopp (li. obere Reihe Mitte) stand gegen Jeunesse Esch erstmals im Kader der BGL-Mannschaft (Fotos: fupa.net)

Auch in diesem Jahr legte man einen tollen Auftakt hin. Mit 12 Punkten aus 5 Spielen liegt die Truppe von Trainer Samy Smail derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz. Sogar Ex-Meister F91 Düdelingen wurde geschlagen. Zuletzt gelang vor fast 2000 Zuschauern ein 1:0 beim Traditionsclub Jeunesse Esch. Für Florian Stopp ein besonderes Erlebnis: Erstmals stand der Mittelfeldspieler im Kader. „In der Vorbereitung habe ich in den Testspielen gegen die französischen Clubs Troyes und Nancy viele Einsatzzeiten bekommen, doch dann kamen einige zuvor verletzte Stammspieler zurück, ähnliche Spielertypen wie ich, und so musste ich leider auf der Bank Platz nehmen“, erzählt „Stoppi“, der sich dadurch aber nicht unterkriegen lassen will: „Der Kader ist mit mehr als 30 Akteuren sehr groß. Da sind unheimlich gute Kicker dabei. Deshalb ist es alles andere als leicht, einen der Startplätze zu ergattern. Ich werde im Training alles, was in meiner Macht steht, raushauen, um mich über Leistung anzubieten“, so seine Einstellung. Präsentieren kann er sich darüber hinaus in der Reserveklasse, in der all diejenigen, die am Spieltag nicht im Kader stehen, Spielpraxis bekommen und sich zeigen dürfen. So will sich Florian Stopp auf jeden Fall durchbeißen und mit Geduld auf seine Chance warten: Ähnlich war es ja auch bei der Borussia, wo er sich nach Anlaufschwierigkeiten immer besser reingearbeitet hat und am Ende aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken war.

Die Umstellung von der Saarlandliga auf die erste Liga Luxembourg hat Florian Stopp schon deutlich gespürt. „Vor allem spielerisch! Da habe ich gleich in den ersten Übungseinheiten von unseren Nationalspielern ein paar Beinschüsse bekommen“, erzählt er schmunzelnd. Die Trainingsintensität ist hoch, trainiert wird jeden Tag außer Freitag, darüber hinaus stehen eigene Einheiten inklusive Kraft- und Laufeinheiten mit dem Fitness-Coach an, der die Jungs zuweilen schon an die Grenzen bringt. Gesprochen wird überwiegend französisch: 80 Prozent des Kaders sind Franzosen und Luxemburger, dazu stehen noch Belgier und Portugiesen im Kader. „Aber die Luxemburger sprechen alle deutsch, das erleichtert mir die Sache“, so Florian Stopp, der in der Nähe des Universitätsstandorts in Belval ein Studentenappartment bezogen hat. Dies erleichtert den Alltag erheblich: „Mit dem Fahrrad bin ich in wenigen Minuten an der Uni. Auch zu Training und den Spielen ist es nicht weit, hier liegt alles ziemlich dicht beeinander“, berichtet er. Erstmals in seinem jungen Leben ist Florian Stopp jetzt auf sich alleine gestellt, muss die Alltagsgeschäfte wie Wäschemachen und Einkaufen in Eigenregie organisieren: „Ein wichtiger Schritt und eine Erfahrung, die einen in der persönlichen Entwicklung weiter bringt“, hat er schon festgestellt.

Bemerkenswerter Beitrag in „Schelle“, dem Schüler-Magazin des Neunkircher Steinwald-Gymnasiums: Florian Stopp stand Lehrer Albert Stoll Rede und Antwort.

Geholfen hat ihm dabei der Sport. „Der Fußball erfordert eine große Selbstdisziplin. Diese Disziplin dann auch für die Schule, das Lernen und alles im Leben aufzubringen, fällt leichter. Fußball ist eben mehr als nur auf dem Platz zu stehen und zu kicken. Im Sport wichtige Werte wie Zusammenhalt, Kameradschaft und Toleranz haben bei mir auch im privaten Leben einen hohen Stellenwert“, gewährt Floria Stopp einen kleinen Einblick in seine Innenleben. Den Weg der Borussia verfolgt er natürlich weiter, kommt auch immer, wenn er kann, die Spiele anschauen, zumal die Kontakte zu ehemaligen Mitspielern wie zum Beispiel Simon Schreibeisen, Christoph Stemmler und Dylan Sodji nicht abgerissen sind. Der gute Start verwundert ihn nicht: „Auch wenn manch einer meint, der Kader habe an Qualität verloren: Man spürt den Teamgeist und die Leidenschaft, und das sind ganz entscheidende Faktoren, mit denen man im Mannschaftssport viel erreichen kann. Erst recht, wenn bald der neue Rasen fertig ist: Mit ihm und den tollen Fans holen die Jungs noch ein paar Prozent mehr raus“, ist er sich ziemlich sicher.

Für Florian Stopp selbst gilt: Egal, wie das Abenteuer Luxemburg ausgeht – er bucht es als wichtige Erfahrung auf seinem noch jungen Lebenskonto: „Ich bin dankbar, im Zusammenhang mit dem Studienplatz diese sportliche Chance bekommen zu haben, und werde alles geben, sie zu nutzen. Aber verrückt mache ich mich nicht: Sollte es nicht klappen, habe ich mit Blick auf meine Entwicklung als Sportler und Mensch auf jeden Fall meinen Horizont erweitert.“ Vielleicht sieht man den talentierten jungen Fußballer ja auch irgendwann wieder im Borussia-Trikot. „Ich trage die Borussia im Herzen, hier geht einem das Fußballherz auf. Hier habe ich mich sehr wohlgefühlt und Freundschaften geschlossen, wie man sie nur selten findet“, macht er zum Schluss aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Alle Borussen wünschen Florian Stopp viel Glück und Erfolg auf seinem weiteren Lebensweg: Be un-stopp-able, Stoppi! Dabei soll er wissen: Im Ellenfeld ist er immer herzlich willkommen, die Türen stehen stets offen! (-jf-)

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