„Lazarett“ nicht gelichtet: Borussia fehlt derzeit eine komplette Mannschaft

Von Jo Frisch

Unser Bild: Da kann auch Physio Horst Martin (links) nichts machen. Nicolas Gil Rodriguez (rechts) im Pech, erneuter Bänderriss im rechten Fuß, Minimum zwei Wochen Pause!  (Foto: -jf-)

 Zu beneiden ist er angesichts der Personalsituation sicher nicht. Wenn Borussias Coach Björn Klos auflistet, wer beim Testspiel am vergangenen Samstag gegen Saar 05 fehlte, bekommt er fast eine komplette Mannschaft zusammen: Torhüter Philipp Persch, Tim Cullmann, Yannick Bach, Momo Diallo, Lionel Schmidt, Daniel Ruschmann, Marvin Gabriel, Jens Kirchen, Marco Dahler und Jodi Daoud standen nicht zur Verfügung. Zudem verletzte sich kurz nach der Pause Nicolas Gil Rodriguez, der nach einem Foul mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden ging und nicht mehr weiter spielen konnte. Der Verdacht auf einen erneuten Bänderriss im bereits im Herbst lädierten rechten Fuß bestätigte sich dann nach einer MRT-Untersuchung – Minimum zwei Wochen Pause! Doch damit nicht genug. Die nächste Hiobsbotschaft erreichte den Borussen-Coach am Rosenmontag: Bei Abwehrspieler Mo Benghebrid wurde ein Muselfaserriss diagnostiziert, auch der Ex-Köllerbacher wird die nächsten Wochen fehlen!

Aus diesem Grund kann Björn Klos auch die Frage nach dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung nicht uneingeschränkt positiv beantworten: „Es gibt Licht und Schatten. Ich bin zufrieden damit, wie die Mannschaft arbeitet, was sich auch in den Testspielen spiegelt, wo wir die Trainingsarbeit schon erfolgreich umsetzen konnten. Auf der anderen Seite hat sich die personelle Lage in der Winterpause nicht so entspannt, wie wir es uns gewünscht haben.“ Björn Klos wird da schon ein bisschen mulmig, wenn er an die Auftaktpartie gegen Köllerbach denkt: „Viel darf nicht mehr passieren!“ Dennoch: Björn Klos ist nicht der Typ, der jammert. Das Beste aus der Situation machen, auf Besserung hoffen – lautet sein Motto. Noch sind fast zehn Tage Zeit, bis das Leder im Ellenfeld wieder um Punkte rollt.

Zu denen, die länger ausfallen werden, gehört Lionel Schmidt. Der 1 Meter 95 große schlaksige Abwehrspieler war zu Saisonbeginn von der DJK Bildstock ins Ellenfeld gewechselt. Jetzt riss im Training das Syndesmose-Band, das das untere Schienenbein und Wadenbein zusammenhält und somit für Stabilität im Sprunggelenk sorgt. „Ich wollte einen Pass von Pino Vituzzi mit dem langen Bein abfangen und bin dabei ganz komisch mit den linken Fuß aufgekommen und weggerutscht“, beschreibt „Lio“, wie der 20jährige von Trainer und Team gerne gerufen wird, die Situation mit schmerzlichen Folgen: „Mir war sofort klar, dass da was kaputt war.“ Mittlerweile ist Schmidt operiert, zwei Schrauben im Gelenk dienen jetzt dazu, dass das Band wieder zusammenwachsen kann. „In sechs Wochen kommen die Schrauben wieder raus, dann beginne ich mit dem Aufbautraining. Wenn der Heilungsprozess günstig verläuft, könnte es mit einem Einsatz am Ende der Runde vielleicht noch klappen“, formuliert Lionel Schmidt vorsichtig-optimistisch. Es handelt sich um die erste schwerere Verletzung seiner Laufbahn, die auch aus einem anderen Grund zu einem ungünstigen Zeitpunkt kam: „Da ich großen Spaß hätte, bei der Polizei zu arbeiten, habe ich mich dort beworben, und hätte dort zwei Tage nach der Trainingsverletzung einen ärztlichen Termin gehabt. Den konnte ich jetzt natürlich nicht wahrnehmen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben“, hat er den Berufswunsch noch nicht ad acta gelegt. So hat „Lio“ in dieser Woche noch eine Klausur an der Uni Saarbrücken zu absolvieren, wo er mit Beginn des Wintersemesters das Studium der Betriebswirtschaftslehre aufgenommen hat.

Lionel Schmidt kann sein Team in den nächsten Wochen nur mental unterstützen. Doch das wird er mit ganzem Herzen tun. Schließlich besteht schon ganz lange eine enge familiäre Beziehung zur Borussia: Der gebürtige Göttelborner Heinz Simmet, bei Borussia in den 60er Jahren zum Bundesliga-Star gereift und später beim 1. FC Köln nicht nur „Wasserträger“ Wolfgang Overaths, sondern auch „Double-Gewinner“ (Meister und Pokalsieger) ist der Bruder seines Opas. Kein Wunder, dass Lionel Schmidt auf Anhieb schnell heimisch geworden ist im Ellenfeld. Seine sportlichen Aktivitäten aller Art – neben dem Fußball noch Krafttraining, Radfahren und bodyweight (Training mit dem eigenen Körpergewicht) – muss der in Hirzweiler 20 Minuten vom Ellenfeld beheimatete Modellathlet zunächst leider reduzieren. Geduld ist gefragt. Borussia wünscht „Lio“ Schmidt und all unseren Verletzten gute und baldige Genesung! (-jf-)

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