Heute vor 54 Jahren: Strahlende Gesichter beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart

Aus Borussias traditionsreicher Historie: Heinz Simmet (2) und Günter Kuntz schießen den Aufsteiger in der Endabrechnung auf Platz 10 der Bundesliga! / Bärenstarker Willi Ertz hält den Sieg fest

Unser Bild: Wo ist der Ball? Einer der wenigen Momente, in denen Torhüter Willi Ertz (1) und Verteidiger Hennes Schreier (3) bei einem Stuttgarter Angriff die Orientierung verloren zu haben scheinen. (Foto: 90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga)

Saisonfinale im Ellenfeld! Der letzte Spieltag der Spielzeit 1964/65 in der Bundesliga wurde für die Borussia ein regelrechter Festtag. Die Mannschaft von Trainer Horst Buhtz hatte durch die vorangegangenen Spiele (4:0 gegen Eintracht Frankfurt und jeweils 1:1 bei Hannover 96 und Hertha BSC) den Klassenerhalt bereits in der Tasche, als der VfB Stuttgart seine Visitenkarte im Ellenfeld-Stadion abgab. Das Hinspiel im Neckarstadion hatte die Borussia mit 2:3 verloren, also gab es noch etwas gutzumachen. Ansonsten aber herrschte nicht nur am Himmel über Neunkirchen eitel Sonnenschein, hatte doch der Aufsteiger eine unerwartet gute Rolle gespielt. „Eine lange Regionalligasaison, der eine strapaziöse Aufstiegsrunde gefolgt war, vor allem aber die Tatsache, dass man sich für die Bundesliga personell nicht verstärkt hatte, sprachen nach dem Aufstieg eher für ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang“, kann man im Bildband „90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga“ noch heute nachlesen.

Blumen für Borussias-Bundesliga-Helden – Rang 10 bedeutet die beste Platzierung in der Bundesliga-Historie des Saarlandes! (Foto: 90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga)

Das Ellenfeld-Stadion war an jenem 15. Mai 1965 mit weit mehr als 20.000 Fans denn auch gut gefüllt, als Borussias Mannschaft nach dem Einlaufen vom eigenen Nachwuchs mit Blumen geehrt wurde. Eine Musikkapelle spielte zum krönenden Abschluss der Saison, und der Borussen-Leo zeigte seine Reimkunst auf einem Plakat, das er nun mit dem der Bedeutung des Tages angemessenen Stolz durch das Stadion trug: „Hurra, Hurra, Borussia bleibt in der Bundesliga!“ Klar, dass die Borussen sich nun auch mit einer ansprechenden Leistung von ihrem Publikum aus dieser so erfolgreich verlaufenen Saison verabschieden wollten. Und das gelang! Von Beginn an rollten unter der Regie von Achim Melcher mutige Angriffe Richtung Tor von Günther Sawitzki, der VfB-Torwart war schnell eingeschossen. Der Lohn der Bemühungen folgte nach 17 Minuten, als Günter Kuntz nach einer Kombination über Dieter Schock, Heinz Simmet und Günter Heiden mit einem Flugkopfball in seiner unnachahmlichen Art die Führung erzielte. Gut zehn Minuten später behielt der freigespielte Heinz Simmet allein vor Sawitzki die Nerven und hob den Ball über den VfB-Keeper hinweg zum 2:0 ins Tor – ein Treffer, der vom Berichterstatter der „Saarbrücker Zeitung“ (SZ) das Prädikat „eine Augenweide“ erhielt. Der grenzenlose Jubel war weit über das Ellenfeld hinaus in der ganzen Stadt zu hören.

Günter Kuntz Flugkopfball rauscht ins VfB-Netz (Bild oben), Torwart Sawitzki ist hier ebenso ohne Chance wie bei Heinz Simmets geschicktem Heber zum 2:0 (Bild unten). (Fotos: 90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga)

Stuttgarts Coach Rudi Gutendorf befreite nach dem Rückstand Böhringer und Huttary, die bis dahin den Borussen-Angreifern Günter Kuntz und Günter Heiden wie ein Schatten gefolgt waren, von ihren Defensivaufgaben, und sofort geriet Borussia in Verlegenheit. „Doch Ertz meisterte einfach alles, und dazwischen verpasste Kuntz sogar in aussichtsreicher Position das leicht mögliche 3:0“, berichtete die „Saarbrücker Zeitung“. Dennoch konzentrierten sich die Borussen nach dem 2:0 gegen jetzt offensivstarke und technisch beschlagene Schwaben auf das Verteidigen des Vorsprungs. Dabei zeichnete sich der Marpinger Erich Leist besonders aus: „In der Abwehr erwies er sich als der überragende Mann und war immer zur Stelle, auch dann, wenn einer seiner Nebenleute ausgespielt war“, so die „SZ“ in ihrer Spielnachlese. Die Stuttgarter leisteten sich aber auch den Luxus, zahlreiche gute Chancen zu vergeben, was Trainer Gutendorf fassungslos machte: „So viele ausgelassene Chancen habe ich noch nie gesehen!“ Daran war aber auch Borussen-Legende Willi Ertz nicht schuldlos, der im Brennpunkt des Geschehens einige Male prächtig reagierte und Mut und Entschlossenheit bewies. „Der lange Borusse hielt, was zu halten war, musste nur hinter sich greifen, als Hoffmann einen Strafstoß verwandelte, weil Schock mit der Hand auf der Linie gerettet hatte (68.)“, berichtet die website „fussballdaten.de“. Borussias Angriffe waren selten geworden, doch zwei Minuten vor dem Abpfiff erlöste Heinz Simmer mit dem 3:1 die Fans der Schwarz-Weißen.

Mit dem Sieg sprang Borussia am letzten Spieltag auf Rang 10 – die beste Platzierung, die eine saarländische Mannschaft jemals in der Bundesliga erreichte. Diesen beachtlichen Erfolg verdankten die Borussen vor allem ihrer Heimstärke. 21 der 27 Punkte wurden im heimischen Ellenfeld geholt, nur zwei Teams (Borussia Dortmund und dem 1. FC Kaiserslautern) war es in der Vorrunde gelungen, dort zu gewinnen.

Trainer Horst Buhtz hatte gegen den VfB Stuttgart zum Saisonausklang folgenden Spielern sein Vertrauen geschenkt: Willi Ertz – Erich Leist, Dieter Schock, Hans Schreier, Günter Schröder, Erwin Gold, Achim Melcher, Günter Heiden, Günter Kuntz, Elmar May. VfB-Coach Rudi Gutendorf hatte auf den Rasen geschickt: Günter Sawitzki – Hans Eisele, Klaus-Dieter Sieloff, S. Böhringer, Rudi Entenmann, Theodor Hoffmann, E. Pfisterer, Rolf Geiger, Helmut Huttary, Manfred Reinert, Erwin Waldner.

Stolz wie Oskar: Der Borussen-Leo bleibt ebenso wie die Mannschaft der Bundesliga ein weiteres Jahr erhalten! (Foto: 90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga)

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