Borussia kommt ins Rollen

Fundstücke (11): Jahrbuch des Fußballs / Kleine Serie: Borussia in der Regionalliga Südwest 1966-67 / Teil 2: Zwei Siege gegen den alten Rivalen und Titelkonkurrenten 1. FC Saarbrücken

Bis zum Ende der Vorrunde gaben die Schützlinge von Zeljko Cajkovski keinen einzigen Punkt mehr ab. Das 5:2 gegen Wormatia Worms vor 5.000 begeisterten Anhängern und das 2:1 beim FSV Mainz 05 sorgten ausgerechnet vor dem mit viel Spannung erwarteten Derby gegen den Titelfavoriten und Erzrivalen 1. FC Saarbrücken, der selbst mit einem überzeugenden 4:1-Heimsieg gegen TuS Neuendorf das Derby-Fieber befeuert hatte, für einen enormen Schub an Selbstvertrauen. 25.000 Fans füllten das Ellenfeld und feierten am Ende einen hochverdienten 2:0-Sieg. Die beiden Treffer von Hans Linsenmaier erinnerten den Boss des 1. FC Köln, Franz Kremer, daran, dass die ehemalige Landauer Schusskanone zu Saisonbeginn eigentlich in Müngersdorf aufgestellt werden sollte, doch mit dem Trainerwechsel beim „Eff-Zeh“ platzte der Plan – und der unorthodoxe Linksaußen, der sich am Saisonende mit 17 Treffern als bester Schütze der Borussen erweisen sollte, wechselte ins Ellenfeld. Zum Glück für Borussia! Die hatte weiter die „grüne Welle“. 4:0 in Bellheim, 1:0 bei Südwest Ludwigshafen, 3:0 gegen den pfälzischen Emporkömmling SV Alsenborn vor 13.000 Zuschauern im Ellenfeld – nach dem 14. Spieltag grüßten die Borussen erstmals von der Tabellenspitze, die sie auch zum Vorrundenabschluss auf dem Kieselhumes mit einem 1:0 bei Saar 05 verteidigten.

Das 3:0 gegen den SV Alsenborn ließ die Borussen erstmals in der Saison den Spitzenplatz erklimmen – die Freude beim Anhang und dem Torschützen zum 2:0, Jürgen Pontes (Nr. 11), war riesig! (Foto: 90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga)

Die zweite Serie begann wie die erste: Mit einem 2:2 gegen erneut unbequeme Weisenauer, diesmal in Rheinhessen. „Es folgte in einem Paradebeispiel vor 14.000 ein 2:1 über Pirmasens, das so recht den Kampfgeist Neunkirchens unterstrich und für den `Spätstarter´ symptomatisch war. Die Pausenführung des FKP wurde in rhythmischen Angriffswellen binnen weniger Minuten in einen Sieg umgemünzt. FKP-Trainer Sommerlatt zog damals vor der Borussia den Hut: `In diesen Borussen steckt eine umwerfende Dynamik. Die Elf hat das Kaliber, auch in der Aufstiegsrunde zu bestehen´“, schreibt der Chronist im „Jahrbuch des Fußballs“. Borussia bestätigte eine Woche später diese Einschätzung eindrucksvoll mit einem 6:0 auf dem Koblenzer Oberwerth gegen TuS Neuendorf, leistete sich anschließend aber drei Remis in Folge: Zunächst stemmten sich tapfere Homburger mit aller Macht im Ellenfeld dagegen, erst Erich Hermesdorf belohnte die arg strapazierte Geduld der 7.000 mit seinem Ausgleichstreffer (65.) zum 1:1-Endstand. In Frankenthal und gegen Völklingen gelang Borussia beim 0:0 kein Tor, doch nach einem 2:1 in Trier stillten die Borussen gegen Metternich nach dem 7:1 im Hinspiel jetzt mit 8:0 ihren Torhunger. Wolfgang Gayer traf viermal, sogar Abwehrrecke Peter Czernotzky trug sich in die Torschützenliste ein. Unbeschadet überstand Borussia auch die schwere Auswärtshürde in Worms (0:0), ehe das 2:1 gegen Mainz 05 im Ellenfeld eine gelungene Generalprobe für das große Derby im Ludwigspark darstellte.

Debysieger: Gleich zweimal schlug Borussia den großen Rivalen und Titelkonkurrenten aus der Landeshauptstadt (Statistik, oben). Im Heimspiel avancierte der zweifache Torschütze Hans Linsenmaier, der hier im Hechtsprung zum Flugkopfball ansetzt, im proppenvollen Ellenfeld zum „Held des Tages“. (Statistik: Fußballjahrbuch 1966-1967 / Foto: 90 Minuten – mit Ferdi Hartung in die Bundesliga)

Der war mit Hochspannung geladen. Zwei Saarvereine an der Tabellenspitze – das zog die Massen an wie ein paar Jahre zuvor Borussias Aufstiegsspiele gegen Bayern München und Tasmania Berlin: „Über 40.000 im Stadion, Tausende auf den Zäunen und den dahinter liegenden Wiesen und Abhängen. Sie erlebten einen verdienten 1:0-Erfolg der taktisch klügeren, beweglicheren, technisch ausgefeilteren, homogeneren Borussen, die nun endgültig das Tor zur Meisterschaft aufgestoßen hatten. Kuntz und Gayer dirigierten, wie so oft, im Mittelfeld, Wingert spielte souverän den Part des zurückgezogenen Stürmers, den nach seinem späteren Fußknochenbruch Hermesdorf mit Riesenaktionsradius übernahm. Leist, der im letzten Bundesliga-Drittel in der Versenkung verschwunden war, unterstrich sein gelungenes Comeback mit einer reifen Leistung als Libero“, so die messerscharfe Analyse der 90 Minuten im „Jahrbuch des Fußballs“, dem dabei nicht entgangen war, „dass die pfeilschnellen Flügel Linsenmaier und Pontes wie von Sehnen geschnellt in die gewiß solide Saarbrücker Abwehr flogen. Der objektive FC-Anhang anerkannte den verdienten Sieg. Präsident Keller unterstrich vorbehaltlos: `Neunkirchen war um das eine Tor besser, war als Mannschaft stärker, im Angriff gefährlicher.´“ Dieses eine Tor eine Viertelstunde vor Schluss ging auf das Konto von Wolfgang Gayer. (-jf-/Fortsetzung folgt)

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