Borussia in der Warteschleife

Bedingungen und Auflagen für einen Trainingsstart verantwortungsbewusst derzeit noch nicht zu erfüllen / Außerordentlicher Verbandstag am 9. Juni: Entscheidung über Abbruch oder Fortsetzung der Saison

Unser Bild: Geduld bewahren und die Füße still halten – Borussen-Trainer Björn Klos befindet sich derzeit mit der Mannschaft noch im Wartestand. (Foto: -jf-)

Zurück auf den Trainingsplatz? Rollen darf er offiziell wieder, der Ball. Denn mit der Entscheidung, die die saarländische Landesregierung in der vergangenen Woche mit der Übernahme eines Beschlusses der Sportministerkonferenz getroffen hat, ist die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes in Corona-Zeiten gestattet. Aber nicht bei allen gehen gleich die Tore auf. Denn die Kommunen als Eigentümer der Platzanlagen geben grünes Licht.

Dabei hat der DFB unter dem Motto „Zurück auf den Platz“ einen länderübergreifenden Leitfaden präsentiert, der den Vereinen beim Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb behilflich sein soll. Auch der Saarländische Fußballverband (SFV) präsentiert auf seiner Website neben einer Checkliste für Spielerinnen und Spieler Rahmenbedingungen für ein „Training unter Auflagen“. Dabei hat der Schutz der Gesundheit Vorrang vor allem, an ihm muss sich der Sport, muss sich jeder Verein streng orientieren. Dies hat bedeutende Einschränkungen zur Folge, die den Vorstand der Borussia dazu veranlassen, zunächst noch mit dem Trainingsbeginn abzuwarten. „Wir sind geschlossen der Meinung, dass es für einen Verein wie die Borussia unmöglich ist, die derzeit noch geforderten Regeln und Hygiene-Vorschriften, die notwendig sind, um einen sicheren Trainingsablauf zu gewährleisten, zu erfüllen“, heißt es in einer Stellungnahme auf der facebook-Seite der Borussia, wo ausdrücklich hervorgehoben wird, dass „wir unserer Verantwortung und unserer Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitgliedern bewusst sind. Die Gesundheit der Kinder, Spieler, Trainer und Betreuer steht für uns an erster Stelle.“ Der Borussen-Vorstand macht keinen Hehl daraus, dass er „dem Startschuss, dass es endlich wieder losgeht, genauso entgegenfiebert wie alle Fußballfans“, vermisst aber klare Aussagen darüber, „wer für eine eventuelle Infizierung bzw. Krankheit haftet oder haftbar gemacht werden kann.“

Das sieht auch Björn Klos so: „Wir haben gar nicht die Mittel oder die Manpower, um Kosten oder Personal für die notwendigen Maßnahmen zu stemmen. Und was ist, wenn sich einer unserer Spieler infiziert und den Infekt am nächsten Tag mit in die Arbeitsstelle hineinträgt?“ Borussias Trainer, der  Kontakt zu seinen Jungs hat, versteht den Wunsch, möglichst bald wieder Gas zu geben und gibt ehrlich zu, selbst mit den Hufen zu scharren: „Wir vermissen alle unser großes Hobby, den Fußball. Ich schreibe ja auch alle zwei Tage Trainingspläne ohne zu wissen, wann ich sie umsetzen kann. Das gehört einfach zu meinem Fußballer-Leben dazu. Aber wir können – bei allem Ehrgeiz – die Bedingungen, unter denen die Profis jetzt ihren Betrieb wieder aufnehmen, einfach nicht mit dem Amateurlager vergleichen. Bei den Profis wird ja auch laufend getestet, allein das geht bei uns nicht.“ Da das Verantwortungsbewusstsein für die Problematik aber wohl unterschiedlich ausfallen wird, sind Wettbewerbsverzerrungen nicht gänzlich auszuschließen, falls es dann doch wieder losgehen sollte. Das Prinzip der Gleichheit scheint nicht gewährleistet zu sein.

Ob die Saison allerdings zu Ende gespielt wird, ist derzeit völlig offen und eher unwahrscheinlich. An einer Meinungsumfrage des SFV im April haben sich 275 von 370 Vereinen beteiligt. Das Resultat: 80 Clubs (29 Prozent) sprachen sich für den Abbruch der Saison nur mit Aufsteigern aus, 69 Vereine (25 Prozent) befürworten eine Fortsetzung der Spielzeit. 61 Clubs (22 Prozent) votierten für eine Annulierung der laufenden Saison, 53 Clubs sind für einen Abbruch mit Wertung der Vorrunden- oder jetzigen Tabelle mit Auf- und Absteigern. 12 Vereine (5 Prozent) trafen zum Zeitpunkt der Umfrage keine Aussage. Eine verbindliche Entscheidung soll jetzt auf einem auf den 9. Juni terminierten außerordentlichen Verbandstag fallen, der ab 18.00 Uhr in virtueller Form stattfinden wird. Doch die Zeichen stehen auf Abbruch. 

Stattfinden werden dagegen die restlichen 7 Spiele des Saarlandpokals. Sie sollen nach jetzigem Stand der Dinge bis spätestens Ende September ausgetragen werden. Diesen Vorschlag unterbreitete der SFV den noch im Wettbewerb vertretenen Clubs. Der FV Diefflen, der 1. FCS, der SC Halberg-Brebach, die SV Elversberg, der TuS Herrensohr, der FC Homburg, der SV Auersmacher und die Borussia stimmten dem Vorschlag des Verbandes zu. An welchen Terminen die Spiele ausgetragen werden, steht noch nicht fest. Ziel ist es, dass auch der saarländische Fußball am „Finaltag der Amateure“ vertreten ist. Die Wechselfrist bleibt erhalten, das bedeutet: „Spieler, deren Vertrag am 30. Juni ausläuft und die am 1. Juli sich einem neuen Verein anschließen, werden im Pokal, so er denn im September stattfindet, auch schon für ihren neuen Club auflaufen“, erklärt Björn Klos, der dies an einem die Borussia betreffenden Beispiel erläutert: „Jan Luca Rebmann wird uns ja Richtung Auersmacher verlassen. Das bedeutet, dass er im Pokalspiel unser Gegner sein wird.“ (-jf-)

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