Zu einfache Tore für Hertha Wiesbach

Borussia verabschiedet sich aus dem Saarlandpokal / Björn Klos: „Haben uns die Tore quasi selbst eingeschenkt!“ / Oberligist Wiesbach cleverer und abgezockter

Pünktlich zum Anpfiff der Partie der Borussia im Saarlandpokal gestern Abend in Wiesbach öffnet der Himmel seine Schleusen. Unübersehbar kündigen sich Sturmtief „Ignaz“ und mit ihm stürmische 90 Pokalminuten an. Dass die Borussen anschließend vom Oberligisten Hertha mit 1:6 aus dem Wettbewerb gefegt werden und am Ende wie begossene Pudel dastehen, hat allerdings mehr mit eigenen Fehlern zu tun. „Die Niederlage tut weh, weil wir uns die Tore quasi selbst eingeschenkt haben. Der Gegner musste eigentlich nicht viel mehr machen, als auf unsere Fehler warten“, fasst ein sichtlich enttäuschter Björn Klos seine Eindrücke zusammen. Borussias Trainer konnte zwar sehen, dass sein Team phasenweise gut mithielt und sich in der ersten Halbzeit auch einige Torgelegenheiten erarbeitete, doch „zum Schluss steht ein Ergebnis da, das jeder sieht und liest, und das ist für uns sehr bitter.“

Die Borussen machten es in der Tat dem Gegner zu leicht, zu Toren zu kommen. Das begann schon nach vier Minuten, als die Gastgeber einen missglückten Abschlag von Torhüter Dominik Jost dankbar annahmen und Sven Sellentin die frühe Führung markierte (4.). Das verlieh Herthas Spiel Sicherheit, während die Borussia ein paar Minuten brauchte, um sich neu zu sortieren. Nachdem sich Dominik Jost bei einem Schuss von Oliver Hinkelmann auf dem Poste zeigte (11.), kamen die Borussen besser ins Spiel und zeigten sich dem höherklassigen Gegner durchaus ebenbürtig. Nachdem Daniel Schlickers Direktabnahme noch über das Tor strich (20.), musste sich Wiesbachs Keeper Joshua Blankenburg ganz schön strecken, um einen Schuss von Vincenzo Accursio mit den Fingerspitzen über die Latte zu lenken. Auch nach der anschließenden Ecke lag bei einer Kopfball-Stafette im Hertha-Strafraum der Ausgleich in der Luft, doch das Leder ging am Tor vorbei. Wenig später vergab Vincenzo Accursio die bis dahin sicher größte Chance zum 1:1, als er aus aussichtsreicher Position am Fünf-Meter-Raum den Ball nicht im Tor unterbrachte (29.). „Da kann man Tore draus machen“, so Björn Klos, der auf der anderen Seite mit ansehen musste, wie Ruddy M´Passi nicht lange fackelte und eine Flanke von Sven Sellentin so eiskalt wie entschlossen zum 2:0 unter die Latte nagelte (37.). Wiesbach setzte jetzt nach, und Pascal Piontek hätte beinahe noch vor der Pause die Entscheidung herbeigeführt, doch sein strammer Schuss traf nur die Latte (43.). Als Daniel Schlicker kurz vor dem Pausenpfiff nach einer Ecke per Kopf der Anschlusstreffer gelang, keimte im Borussen-Lager wieder Hoffnung auf.

Im strömenden Regen gut gekämpft, aber zu uneffektiv: Auch der schnelle Nyger Hunter konnte in Wiesbach dem Borussen-Spiel leider nicht die entscheidenden Impulse geben. (Foto: -jf-)

Doch die erhielt unmittelbar nach Wiederanpfiff gleich einen Dämpfer. Kaum zwei Minuten waren gespielt, als Dominik Jost das glitschige Leder nach einem Abschluss nicht kontrollieren konnte – Pascal Piontek nahm die Vorlage dankend an und stellte auf 3:1 (47.). „Dann kommt eine Viertelstunde, mit der ich nullkommanull einverstanden bin. Das war gefühlt Pirmasens 2.0 aus der Vorbereitung“, hatte Björn Klos ein regelrechtes Déjà-vu-Erlebnis an das Testspiel im Juli, als die Borussen zwischen der 22. und 50. Minute gleich acht Gegentore kassierten. „Auch diesmal ist alles auseinandergebrochen, das darf unserer Mannschaft nicht passieren“, konnte der Borussentrainer einen gewissen Frust nicht verheimlichen. Was er konkret damit meinte: Binnen 16 Minuten erhöhte Wiesbach durch Treffer von Giovanni Runco (56.) und zweimal Sven Sellentin (61./63.), der damit einen Dreierpack schnürte, auf 6:1. Damit war die Messe gelesen.

Für Björn Klos, der natürlich die Erfahrung der verletzungsbedingt ausgefallenen Marco Dahler, Tim Cullmann und Philippe Persch vermisste („Die hätte uns in diesem Spiel sicher gutgetan!“), stellten sich am Ende zwei Fragen: „War Wiesbach fünf Tore besser? Sind wir in der Lage, auch mal 90 Minuten auf konstantem Niveau zu spielen? Und ich glaube, beide Fragen müssen wir mit einem klaren `Nein´ beantworten“, so der Coach, der dem Team seine Kollegen Michael Petry bescheinigte, „dass sie einfach cleverer, abgezockter und damit viel effektiver waren als wir und deshalb unter dem Strich natürlich völlig verdient gewonnen haben, während wir uns zum wiederholten Male fragen müssen, warum trotz eingehender Fehleranalyse eine Entwicklung nicht stattgefunden hat.“ Gunther Persch sieht es ganz ähnlich: „Die Hertha hat gezeigt, was Effektivität und Schnelligkeit ausmachen. Ich hoffe, dass einige unserer Spieler jetzt erkannt haben, dass sie durch glückliche Umstände auf Platz 3 in der Liga stehen. Zwei, drei gute Spiele und viel Dusel reichen nicht aus. Erstaunlich finde ich, dass manche Spieler während des Spiels keinen Zweikampf gewinnen und auch wenig Impulse und Akzente setzen, aber mit Hacke, Spitze eins zwei drei aufwarten. Vielleicht ist dem einen oder anderen jetzt klar geworden, dass der Fokus mehr auf das Training gelegt werde sollte“, will Borussias Sportvorstand durch die Niederlage einen gewissen „Aufrüttelungsprozess“ initiiert sehen.

Positives kann derweil Niklas Allenfort vermelden, der im Heimspiel gegen RW Hasborn verletzt ausgewechselt werden musste. Der zunächst befürchtete Abriss des Syndesmose-Bandes hat sich nicht bestätigt: „Ich kann trainieren und spielen“, zeigt sich der 19jährige Linksfuß erleichtert. Und noch was Erfreuliches: Trotz des miserablen Wetters war eine große Anzahl von Borussen-Fans in Wiesbach dabei. Nicht nur das: Trotz der großen Entfernung wurde unsere Mannschaft im Prowin-Stadion auch von Anhängern des luxemburgischen BGL-Ligisten Swift Hesperange, die mit einigen Fans der Borussia eine Freundschaft pflegen, unterstützt – dafür Respekt und einen herzlichen Dank! (-jf-)

Statistik Saarlandpokal: FC Hertha Wiesbach – Borussia Neunkirchen 6:1 (2:1)

Borussia: Dominik Jost – Tim Braun, Daniel Schlicker, Nyger Hunter, Vincenzo Accursio (ab 66. Alexander Jochum), Kamil Czeremurzynski, Niklas Allenfort, Christoph Stemmler (ab 66. Joshua Penth), Julian Flammann (ab 55. Joey Perryman), Quincy Henderson, Dylan Sodji. – Trainer: Björn Klos.

Tore: 1:0 (4.) Sven Sellentin, 2:0 (37.) Ruddy M´Passi, 2:1 (45.) Daniel Schlicker, 3:1 (47.) Pascal Piontek, 4:1 (56.) Giovanni Runco, 5:1 (61.) Sven Sellentin, 6:1 (63.) Sven Sellentin. – Schiedsrichter: Christoph Busch. – Zuschauer: 300.

3 Kommentare

  1. Egal, Mund abputzen und weiter…
    Im Saarlandpokal wären wir eh nicht bis ins Finale gekommen….
    Finanziell also überhaupt nicht interessant.
    Die Liga zählt und da haben sie ja die letzte Zeit gezeigt, was sie im Stande sind zu leisten…

  2. Ob wir das Spiel im Ellenfeld gewonnen hätten bleibt Spekulation.

    Fakt ist, dass die Abgabe des Heimrechtes nach Wiesbach letztendlich auf die nicht vorhandene Flutlichtanlage im Elenfeld-Stadion zurückzuführen ist.

    Fakt ist, dass der damalige 1. Vorsitzende der Borussia im Jahr 2018 zusammen mit der Stadiongesellschaft sich um die Baulasteintragung für eine Flutlichtanlage bei der Karlsberg-Brauerei bemüht hat, für deren Zusage wir sehr dankbar waren.

    Fakt ist auch, dass die Universität Luxemburg Rammsondierungen zur Ermittlung der Bodenqualität durchgeführt hat.

    Fakt ist auch, dass Borussia Neunkirchen im Jahr 2018 einen Bauantrag für eine Flutlichtanlage gestellt hat, der vom ehemaligen Bürgermeister und Sportdezernenten der Stadt Neunkirchen unterstützt wurde.

    Fakt ist auch, dass der Bauantrag von der Unteren Bauaufsicht genehmigt wurde.

    Und Fakt ist, dass der Innenminister des Saarlandes bei seinem Besuch am 09.04.2019 im Ellenfeld-Stadion für die Maßnahme „Flutlichtanlage Ellenfeld-Stadion“ die Mittel zugesagt hatte.

    Die Frage muss erlaubt sein, warum ist bis dato in diese Richtung nichts geschehen?

    Selbst bei der enttäuschend geringen Zahl von 300 Zuschauern in Wiesbach (ins Ellenfeld wären, ich spekuliere jetzt, wohl mehr Zuschauer gekommen), wäre das Spiel, trotz Stromkosten, sowie Wartungs- und Überprüfungskosten auf 10 Jahre berechnet, für die noch in 2018 von allen gewollte 800-Luxanlage, kein Verlustgeschäft geworden, das ist Fakt.

    Prof. Dr. Jens Kelm
    Stadiongesellschaft Ellenfeld, Mitglied im Ältestenrat der Borussia

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