Preußens Gloria

Aus der traditionsreichen Geschichte der Borussia / Viele Berührungspunkte mit den Preußen aus Merchweiler / Samstag, 14.30 Uhr das Preußen-Duell in der Ferraro-Sportarena

Unser Bild: Er hat ihn fest unter sich begraben! Borussias Torwart aus Merchweiler, Horst Kirsch, gehörte beim 3:2-Sieg der Borussen gegen den Namensvetter aus Dortmund nicht nur in dieser brenzligen Situation zu den herausragenden Akteuren. Links beobachtet Erich Hermesdorf die Szene, während Peter Czernotzki und BVB-Stürmer Siegfried Held (Nr. 9) am Boden liegen. (Foto: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen)

Als 1871 nach dem Sieg Preußens und seiner Verbündeten über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg, der zur deutschen Reichsgründung führte, die zurückgekehrten Truppen in Frankfurt an der Oder aufmarschierten, wurde anlässlich der Siegesparade der von Johann Gottfried Piefke komponierte Marsch uraufgeführt. Preußen gibt es nicht mehr, doch der Name lebt im Fußball weiter. Preußen Merchweiler und Borussia Neunkirchen – gemeinsam haben sie nicht nur den Vereinsnamen, denn „Borussia“ ist nichts Anderes als die lateinische Version von „Preußen“. Gemeinsam haben beide Clubs die Vereinsfarben Schwarz und Weiß. Gemeinsam haben sie auch eine bewegte sportliche Vergangenheit mit vielen glorreichen Momenten. An dieser Stelle ein paar Reminiszenzen auf „Preußens Gloria“.

Merchweiler und Horst Kirsch. Wer sich mit der Historie der Borussia beschäftigt, für den sind diese zwei Namen untrennbar miteinander verbunden. Der legendäre Torwart, der zehn Jahre lang mit Willi Ertz in sportlich fairem Wettkampf im Kampf um die Nummer eins zwischen den Borussen-Pfosten stritt, war 1960 ins Ellenfeld gewechselt, wo er nicht nur fußballerisch eine auffällige Erscheinung war. Horst Kirsch war auch Ästhet, die Damenwelt wusste das zu schätzen. In Erinnerung geblieben ist ein Seufzer eines weiblichen Fans jener Tage: „Ach Gott, wenn ich ne siehn, werd´s ma ganz schwummrisch!“ Im Borussen-Tor wurde Horst Kirsch zum Panther: Gewandt, schnell, flink, sicher im Herauslaufen, souverän beim Fangen, zuverlässig. Nicht durch Zufall stand er 1962 in der Kicker-Rangliste hinter den Nationalspielern Wolfgang Fahrian (TSG Ulm) und Hans Tilkowski (Westfalia Herne, später Dortmund) auf Platz 3. Die Berufung in verschiedene Auswahlteams und in die deutsche Juniorennationalmannschaft war die Folge. Dass er, obwohl Mitglied des erweiterten WM-Kaders von 1962, nicht Nationaltorwart wurde, lag wohl schlicht und einfach daran, dass Fahrian und Tilkowski die bessere Lobby besaßen. Sein größter Erfolg: Der Aufstieg in die Bundesliga mit der Borussia. Daran hatte Horst Kirsch einen wesentlichen Anteil. Der am 5. Oktober 2018 in seinem Geburtsort Merchweiler verstorbene Torwart wird für immer einen Ehrenplatz in der Borussen-Historie haben.

Sportliche Begegnungen zwischen den Merchweiler Preußen und den Neunkircher Borussen gab es in der Vergangenheit lediglich in unteren Spielklassen. Nach dem Krieg trafen beide Vereine in der neu eingerichteten Ehrenliga Saar 1948/49 aufeinander: Borussia konnte beide Partien für sich entscheiden, 3:1 im Ellenfeld, 5:1 in Merchweiler, und wurde am Ende Meister. Ein Jahr später war Borussia erneut in beiden Spielen (6:1 zuhause, 6:2 auf dem Merchweiler Haldy) siegreich und errang hinter den Sportfreunden Saarbrücken die Vizemeisterschaft. Im Januar 1951 kamen die Preußen als Tabellenführer der Ehrenliga Saar ins Ellenfeld. Herbert Schank, ehemaliger Lizenzspieler der Borussia, hatte in Merchweiler das Amt des Spielertrainers übernommen. Die Preußen siegten gegen Borussias Amateurteam, damals noch unter dem Namen VfB, mit 2:0. Vor der prächtigen Kulisse 1.500 Zuschauern (!) sorgten Erich Zenner (25.) und Herbert Dorn (33.) mit einem allerdings umstrittenen Foulelfmeter für die frühe Entscheidung. Herbert Dorn war der überragende Spieler, der 1943 noch im Trikot des FV Saarbrücken (Vorläufer des 1. FCS) im Finale um die Deutsche Meisterschaft (0:3 gegen den Dresdner SC mit dem späteren Bundestrainer Helmut Schön) mitgewirkt hatte, ehe er 1947 zum Wechsel nach Merchweiler motiviert werden konnte.

Spielszene aus der Begegnung im Ellenfeld von 1951 mit (v.l.) Rümmler, Bildt (beide Borussia), sowie Merchweilers Keeper Busse und seinen Abwehrkollegen Platte und Koch (li.). Die Nachlese zum Spiel präsentierte das „Saarbrücker Sportecho“. (Fotos: Chronik SV Preußen Merchweiler)

Das Saarbrücker „Sportecho“ bescheinigte in seiner Ausgabe vom 23. 1. 1951 den Amateuren des VfB Neunkirchen zwar, in der Anfangsphase und vor allem in der zweiten Halbzeit „über weite Strecken am Drücker gewesen zu sein“, die Abwehrreihe der Gäste aus Merchweiler habe zeitweise bedenklich gewackelt. Torwart Edgar Busse habe „durch prächtige Paraden erheblichen Anteil am Erfolg“ gehabt. Auf der anderen Seite hätten die Angreifer Neunkirchens „zu unentschlossen, bisweilen sogar kopflos“ agiert. Auch VfB-Keeper Ullrich sei zum Schluss weit mit aufgerückt, doch „Erfolg war trotz aller Anstrengungen nicht mehr zu verzeichnen.“ So stand unter dem Strich ein glücklicher Sieg der abgezockten Preußen aus Merchweiler, die, da Konkurrent Saar 05 verloren hatte, als „Gewinner des Tages“ bezeichnet wurden und ihren Vorsprung in der Tabelle ausbauen konnten.

Während die Borussen die Saison im Tabellenmittelfeld beendeten, landeten die Preußen aus Merchweiler hinter der zweiten Mannschaft des 1. FC Saarbrücken auf dem zweiten Tabellenplatz und hatten sich für die Aufstiegsrunde zur Oberliga qualifiziert. Hier scheiterte man jedoch am späteren Aufsteiger VfR Frankenthal. „Es gibt in Merchweiler verschiedene Meinungen darüber, ob es die “beste Mannschaft” war. Ganz bestimmt hat sie sportlich den weitesten Schritt aller bisherigen Teams getan. Als Vertreter des Saarlands stand sie 1951 in den Aufstiegsspielen zur Oberliga, der damals höchsten Spielklasse in Deutschland. Heute kaum vorstellbar, aber diese Mannschaft hat überregional für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Haldy wurde guter und erfolgreicher Fußball geboten, 1.000 Zuschauer und mehr bei den Punktspielen waren keine Seltenheit. Borussia Neunkirchen nahm mit seinen “Profis” am Internationalen Saarlandpokal teil und stellte eine 2. Mannschaft für die Ehrenliga“, ist in der Chronik auf der Homepage des SV Preußen Merchweiler nachzulesen.

Für die Borussen liefen im Ellenfeld damals auf: Ulrich, Simon, Kaliene, Roth, Keller, Lauck, Schmelzer, Lengert, Bild, Rummler, Halberstadt. Preußen Merchweiler spielte mit: Edgar Busse, Kurt Platte, Günther Kleer, Fritz Koch, Heinz Hammer, Erich Zenner, Reinhold Schank, Herbert Dorn, Hermann Scherer, Alfred Pfeiffer, Benno Koch. Die Partie stand unter der Leitung von Schiedsrichter Heinrich aus Burbach.

Preußens Gloria oder: Neunkirchen gegen Merchweiler – auch diesmal dürfen sich die hoffentlich zahlreichen Zuschauer im Ellenfeld wieder auf eine spannende Partie zweier traditionsreicher Mannschaften des Saarfußballs freuen! Ob sie so torreich wird wie im Januar 1958, als sich Borussia und die Preußen im Achtelfinale des Saarlandpokals begegneten? In einem spannenden Spiel behielten die Borussen damals auf dem Haldy mit 5:4 die Oberhand! (-jf-)

1 Kommentar

  1. Lieber Jo, liebe Borussia! „Borussia Neunkirchen“ hat auf unserem Haldy bis zum heutigen Tag einen besonderen Klang. Auch hatten die Fans der „Neinkerjer“ immer die Hoheit über den Merchweiler Stammtischen. Ein Tag der besonderen Freude in der Fußballgemeinde war der 28. Juni 1964. Als die Borussia den Aufstieg in die Bundesliga gegen Tasmania Berlin klarmachte, wurde die Preußen B-Jugend Saarlandmeister in Altenwald gegen die Sportfreunde Saarbrücken. Ich selbst fand es als Bub ganz praktisch, dass ich den von meiner Mutti gestrickten schwarz-weißen Schal auf unserem Haldy, aber auch im Ellenfeld anziehen konnte! Daher wünsche ich uns am Samstag ein faires und schönes Spiel, bei dem der bessere gewinnen möge.

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