“Old school, aber nicht out!”

High noon im Ellenfeld. Unbarmherzig brennt die Sonne vom Himmel hinunter. Der Mann auf den steilen Betonstufen hat sich zum Schutz eine Kappe aufgesetzt. Auf den Knien rutschend kämpft er gegen das Unkraut, das sich einen Weg durch die schmalen Fugen zwischen den Steinen gesucht hat – die Folgen eines Erdstadions, in dem sich die Natur immer wieder ihre Räume zurückerobern will. Schweißtropfen rollen von seiner Stirn hinab, gelegentlich zieht er die Brille aus, wischt sich die feuchten Perlen aus dem Gesicht. Er setzt die Wasserflasche an und trinkt sie fast in einem Zug aus. Bei einer kleinen Stärkung auf den harten Steinen kommen sie dann: Bilder, Gedanken, Erinnerungen. Wer hat hier auf diesem satten Grün nicht schon alles gespielt? Uwe Seeler vom HSV, die Bayern Sepp Maier, Gerd Müller und der kürzlich verstorbene Franz Beckenbauer (Gott hab´ ihn selig!). Dann die beiden Kölner Wolfgangs, Weber und Overath. Nicht zu vergessen die Dortmunder Hans Tilkowski, Lothar Emmerich und Rudi Assauer, der Schalker Friedel Rausch. Die Namen, die ihm in flimmernder Sommerhitze durch den Kopf schießen, klingen wie ein „Who is who“ des deutschen Fußballs. Auf diese Vergangenheit darf man stolz sein. Auch wenn die Gegenwart Saarlandliga heißt. Diese Vergangenheit ist Motivation genug, sich für das Ellenfeld einzusetzen. Ideell, materiell, aber auch mit körperlicher Arbeit. Und wenn sie heute nur daraus besteht, das Unkraut aus den Fugen zu kratzen.

Damals (Foto oben) wie heute (Foto unten) ein Problem: Das sprießende Unkraut zwischen den Fugen der Betonstufen, typische Zeichen eines Erdstadions. (Fotos: Ellenfeld-Verein – Archiv Borussia Neunkirchen / -jf-)

Mehr als einmal, mehr als nur ein paar Stunden hat Wolfgang Rausch mit solchen Tätigkeiten im Ellenfeld zugebracht. Auf ihn ist Verlass. „Ja, Wolfgang Rausch ist die Inkarnation der Zuverlässigkeit, Bescheidenheit und Konstanz“, schreibt Dr. Jens Kelm in einem Leserbrief zu einem Artikel in der „Saarbrücker Zeitung“. Der war erschienen, als der Gewürdigte nach 48 Jahren Tätigkeit bei ein und demselben Unternehmen, Bau-Glas & Holz-Design Gropp, wo er als Groß- und Einzelhandelskaufmann, Handlungsbevollmächtigter und Prokurist wirkte, gerade seine letzte Schicht beendet hat. „Eine treue Seele“ wird Wolfgang Rausch in der Überschrift bezeichnet – und das beschreibt auch exakt sein Verhältnis zur Borussia und zum Ellenfeld. Das Stadion ist sein zweites Wohnzimmer, in dem er jeden Stein, jede Schraube kennt. „Old school, aber nicht out“ sagt sein Freund Jens Kelm. Die beiden kennen sich seit über 30 Jahren. Sie eint die Liebe zum Ellenfeld und zur Borussia. Nur zwei Tage nach Jens Kelm feiert jetzt auch Wolfgang Rausch Geburtstag – die Borussia gratuliert herzlich!

„Ziemlich beste Freunde“: Wolfgang Rausch und Jens Kelm (Foto oben/Thomas Burgardt) kennen und schätzen sich. Bei Stadionführungen bilden sie ein eingespieltes Team, das die Besucher nicht nur mit allen Fakten zum historischen Stadion füttert, sondern auch manche Anekdoten zu berichten weiß (Foto unten).

Wer etwas über das historische Stadion wissen will, wer ein Foto aus vergangenen Zeiten benötigt, einen Zeitungsausschnitt oder eine Information zu einem ehemaligen Spieler – der ist bei Wolfgang Rausch genau richtig. Mit der Präzision eines Uhrwerks liefert er das Gewünschte. Das „Geburtstagskind“ hat eine umfangreiche Sammlung aufgebaut, bei der er aus dem Vollen schöpfen kann. Er kümmert sich ums Borussen-Archiv, um Nachlässe verstorbener Vereinsmitglieder, steht Jens Kelm bei Stadionführungen zur Seite, führt selbst Gruppen durch die Arena und pflegt die Kontakte zu ehemaligen Borussen-Spielern. Dass er sich als aktives Mitglied in die Stadiongesellschaft und den Ellenfeld-Verein einbringt, versteht sich ebenso von selbst wie die Tatsache, dass er sich kaum ein Spiel seiner Borussia entgehen lässt. Stets zeichnet ihn dabei Bodenständigkeit aus, Wolfgang Rausch verkörpert eine heute selten gewordene Tugend: Demut! Was ein durchaus berechtigtes Selbstbewusstsein nicht ausschließt, heißt doch Selbstbewusstsein, sich seiner selbst, seiner Stärken, aber auch seiner Fehler und Grenzen bewusst zu sein und den Mut zu haben, dazu zu stehen: Nicht umsonst steckt im Wort „De-mut“ der Mut drin! Wolfgang Rausch ist ein gutes Beispiel dafür: Nie geht es ihm um die eigene Person, stets ist es sein Bestreben, einem übergeordneten Großen zu dienen: Seiner Familie, seinem Arbeitgeber, seiner Borussia!

Große Liebe zur Borussia und zum Ellenfeld: Wolfgang Rausch mit einer Luftaufnahme, die anlässlich des Pokalspiels gegen Bayern München 2003 entstand. Zu dieser Partie hat Wolfgang Rausch im Jubiläumsbuch „Mythos Ellenfeld“ einen Beitrag mit durchaus kritischen Untertönen geschrieben. (Foto: Thomas Burgardt)

Seine Treue wird dadurch dokumentiert, dass Wolfgang Rausch seit 45 Jahren mit seiner „Herzdame“ Elisabeth verheiratet, seit 56 Jahren der Borussia eng verbunden ist und seit 64 Jahren im gleichen Ort, in Heiligenwald, wohnt. Zu gerne hätte er in jungen Jahren beruflich etwas mit Sport gemacht. „Aber da ich mit 16 Jahren bereits drei Knie-Operationen hinter mir hatte, wurde leider nichts daraus“, erzählt er in besagtem SZ-Artikel. Deshalb heuert er nach Praktikum und kaufmännischer Lehre bei Marianne und Klaus Gropp an. Da er sich selbst im handwerklichen Bereich eher „weniger geeignet“, bezeichnet, obliegt ihm die Arbeit im Büro, bei der er sich viel Wissen in verschiedenen Bereichen aneignet und Großprojekte betreut. Offene Kommunikation und das gemeinsame Suchen nach Lösungen sind ihm dabei besonders wichtig – das lebt er beruflich, privat und auch bei seinem Engagement bei der Borussia vor.

Für die hat er im (Un)Ruhestand mehr Zeit als vorher. Langeweile ist ohnehin ein Fremdwort für Wolfgang Rausch: Neben der Arbeit am Borussen-Archiv in Saarbrücken-Scheidt, der Arbeit im Stadion oder den Fan-Führungen stehen Wanderungen und Schwimmen sowie die beiden Enkel Younis und Nuri im Zentrum seines Lebens. Dass er an all diesen Aktivitäten noch möglichst lange bei bester Gesundheit viel Freude hat – das wünschen ihm, verbunden mit herzlichem Dank für das vielfältige große Engagement, alle Borussen von Herzen. Alles Liebe und Gute, Wolfgang Rausch! (-jf-)

Vielen Dank an Thomas Burgardt für die zur Verfügung gestellten Fotos!

7 Kommentare

    • Lieber Herr Theobald,
      wir, insbesondere Wolfgang Rausch wusste/n das. W. Rausch hat sich sehr bemüht, leider war er nicht erfolgreich. Warum auch immer?
      Hoch lebe Eisen, unser ehemaliger Spieler Jürgen Wingert und Unser Ellenfeld, mehr als nur ein Stadion ⚒🏟⚒
      JK

  1. Lieber Wolfgang!

    Auch von meiner Seite aus nur die allerbesten Wünsche zum Geburtstag. Schön, dass wir in letzter Zeit ein wenig miteinander in Kontakt gekommen sind, warum eigentlich nicht schon viel früher. Aber wie heißt es so schön, besser spät als nie!
    Treffen wir uns einfach häufiger im Borussen-Archiv oder natürlich in unserem geliebten Ellenfeld-Stadion. Da gibt es ja in wenigen Wochen schon ein größeres Spiel, auf das wir uns schon alle sehr freuen. Vielleicht werden wir ja auch der Besieger des Bayern-Besiegers, und dies beim Comeback im Ellenfeld. Kann ja auch sein, dass der neue Rasen Wunder bewirkt.
    Sehr schön im übrigen Deine Idee, unsere unvergessene Meistermannschaft von 1991 noch einmal soweit wie möglich zusammenzutrommeln.
    Machen wir doch eine Initiative für ein Legenden-Spiel!
    Es war eine tolle Saison, in der ich persönlich fast alle Spiele sehen konnte, ob zu Hause oder auswärts. Werde ich niemals vergessen, im besonderen im Wasgau-Stadion in Hauenstein beim „Jahrhundertregen“ oder auch das Spiel im Fritz-Walter-Stadion zu Kaiserslautern. Ich fuhr damals zusammen mit unserem Vater und unserem Cousin dorthin und saß eine Reihe über Karlheinz Feldkamp, dem Trainer-Magier vom Betzenberg. Natürlich hat diese, unsere Mannschaft auch diese Spiele erfolgreich bestritten. Vor allem im Pirmasenser Vorort Hauenstein erlebten wir zahlreiche Eskapaden, Du weißt ja auch, welche.
    Sehr schöne Fotos, auch zusammen mit Jens Kelm, zu dem Du immer ein stetes und sehr gutes Verhältnis gepflegt hast, unsere beiden Koryphäen rund um unser Ellenfeld-Stadion.
    Viele weitere Jahre in Gesundheit, Glück und Zufriedenheit wünscht Dir Craig-Maikel Kunz
    Craig-Maikel Kunz( ehemaliger Redakteur „Blick ins Ellenfeld“, „Treffpunkt Ellenfeld“, „Borussia-Online“ sowie Mitarbeiter Archivgruppe Borussia

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