Mentalitätsstarke Borussen: Spiel wieder gedreht!

Das allerletzte Aufgebot besiegt FV Schwalbach mit 2:1 / Nino Kannengießer und Kamil Czeremurzynski die Torschützen / Janosch Scherer überzeugt im Mittelfeld

Unser Bild: Der Moment, mit dem sich das Blatt wendete – Nino Kannengießer zirkelt den von Kamil Czeremurzynski (links) aufgelegten Ball an Schwalbachs Jan von dem Broch (20) vorbei zum Ausgleich ins Net, Manuel Wollscheit (12) kann nicht eingreifen. (Foto:-jf-)

Von Jo Frisch

„Hut ab vor der Leistung unserer Mannschaft! Wie sie den Rückstand noch umgebogen haben, war ein Zeichen von Moral und Charakterstärke. Ich bin begeistert und stolz auf diese Truppe. Sie hat mit diesem Sieg nicht nur sportlich für einen guten Jahresabschluss im Ellenfeld, sondern auch für eine richtig gute Stimmung beim abschließenden Beisammensein im VIP-Raum gesorgt.“ Präsident Alex Kunz schwärmte auch einen Tag nach dem 2:1 gegen den FV Schwalbach in höchsten Tönen davon, wie sich Borussias Rumpfmannschaft in 90 kampfbetonten Minuten auf dem Rasen präsentiert hatte. Denn neben den Langzeitverletzten Jens Kirchen und Attila Serr, den muskulär angeschlagenen Kevin Saks, Tim Cullmann und dem gesperrten Waldemar Schwab waren auch noch der erkrankte Tim Klein und Furkan Erdgan, der immer noch an den Nachwirkungen seiner im Spiel gegen Primstal erlittenen Verletzung laboriert, ausgefallen. Auf der Bank saßen als Ergänzungsspieler mit Marcel Sommer und Philippe Persch, der zu seinem ersten Einsatz als Feldspieler kam, lediglich zwei Torhüter; zudem hatte sich Dennis Serr bereit erklärt, in die Bresche zu springen – und das, obwohl er seit geraumer Zeit weder Trainings- noch Spielpraxis besitzt. Respekt!

Auch Björn Klos, dem die Erleichterung über den Dreier im letzten Heimspiel des Jahres sichtlich anzusehen war, konnte in das Lob des Präsidenten nur einstimmen: „Was ihr heute reingehauen habt, war einfach klasse. Ich bin richtig stolz auf Euch! Genießt jetzt den Moment, das habt Ihr Euch redlich verdient“, hatte der Borussen-Coach unmittelbar nach der Partie seinen Schützlingen im Mannschaftskreis mit auf den Weg ins Wochenende gegeben. Dass sich in den Kreis auch die verletzten Spieler eingereiht hatten, war sichtbares Zeichen für den guten Teamgeist, der sich auch schon während des Spiels offenbart hatte. Denn die gesamte Borussen-Bank fieberte mit den Jungs auf dem Rasen, mischte auch am Ende bei der gemeinsamen Pogo vor den Fans kräftig mit, als sich die Anspannung löste und pure Freude herausbrach.

Eher am Rand, im Spiel aber mitten drin: Janosch Scherer, der erstmals 90 Minuten durchspielte, dabei ein riesiges Pensum abspulte und durch strategische Qualitäten ebenso auffiel wie durch seine geschickte Ballführung und das stete Bemühen, eine spielerische Linie auf den Platz zu bringen. Dass er sich nach der kräftezehrenden Partie in Form einer Tüte Chips eine eher weniger sportlergerechte Nahrungseinheit gönnte, hatte sich der 29jährige an diesem Nachmittag redlich verdient! „Janosch hat spätestens heute den Beweis angetreten, dass er dem Team nicht nur menschlich, sondern auch sportlich sehr gut tut“, sparte Trainer Björn Klos bei aller mannschaftlichen Geschlossenheit nicht mit Sonderlob für seinen Mittelfeldspieler, der zuletzt durch starke berufliche Beanspruchung nicht so intensiv wie gewünscht trainieren konnte.

Auch wenn in der ersten Halbzeit zunächst die klaren, zwingenden Gelegenheiten noch fehlten, so setzten die Borussen die Vorgaben von Björn Klos dennoch ganz ordentlich um. Immer wieder inszenierten Tom Fink und Patrick Feller auf der rechten und Nino Kannengießer und Mo Benghebrid auf der linken Seite gelungene Kombinationen, lediglich der letzte, entscheidende Pass ging allzu oft ins Leere. Symptomatisch dafür die Szene nach gut einer halben Stunde, als sich  Tom Fink auf der rechten Flanke dynamisch durchgetankt hatte, seine Hereingabe, geschickt in den Rücken der Schwalbacher Abwehr platziert, im Zentrum aber keinen Abnehmer fand. Hier machte sich das Fehlen eines echten Stürmers Marke Kevin Saks in der Box dann doch bemerkbar. Daniel Ruschmann konnte diese Lücke nicht füllen. Was aber nicht verwunderlich war, denn „er ist nun mal kein Stürmer, hat aber im Dienste der Mannschaft einen guten Job gemacht“, lobte Björn Klos Borussias „DR7“ – der beste Vorbereiter der Liga (13 Vorlagen!) war auch diesmal an beiden Borussen-Toren entscheidend mitbeteiligt. Auch wenn sich Schwalbach um offensive Akzente bemühte und bei zwei Abschlüssen von Felix Martin nicht ungefährlich wirkte: Borussia hatte ein Chancenplus zu verzeichnen. Kurz vor dem Pausenpfiff des souverän leitenden Unparteiischen Jörg Probst lag die Führung gleich mehrfach in der Luft. So besaß Tom Finks Direktabnahme zu wenig Power (42.), Daniel Ruschmann zielte aus spitzem Winkel nach Vorarbeit von Mo Benghebrid an Torwart Marlon Beckinger, aber auch am langen Eck knapp vorbei und Marco Dahler setzte nach Ruschmann-Ecke das Leder per Kopf knapp über den Kasten vor der Spieser Kurve.

Insofern war der 0:1-Rückstand, als der Ball nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld, von Yannick Bachs Schienbein unglücklich getroffen, den entscheidenden Drive ins Tor bekam (57.), ein Schock, von dem sich die Borussen aber schnell erholten. „Ich hatte schon vor der Partie eine Ahnung, dass wir das Spiel durch Standards gewinnen“, so Björn Klos. Und der Borussen-Trainer sollte Recht behalten. Der nach vorn geeilte Kamil Czeremurzynski erwies sich dabei gleich zweimal als regelrechte „Waffe“. Zunächst legte er nach einem Freistoß von Daniel Ruschmann das Leder für Nino Kannengießer auf, der blitzschnell „schaltete“ und im Fallen mit dem linken Fuss Torwart Beckinger zum Ausgleich überwand (64.). Nur vier Minuten später schraubte sich der baumlange Innenverteidiger nach einer in den Strafraum gezirkelten Ecke von Daniel Ruschmann am höchsten und wuchtete den Ball unter die Latte – Borussia hatte die Partie wieder, wie schon vor Wochenfrist in Auersmacher, gedreht und in einer spannenden Schlussphase nur noch eine kritische Situation zu überstehen, als Samed Karatas ziemlich freistehend den Pfosten anvisierte (70.). Auf der Gegenseite bot sich Daniel Ruschmann noch zweimal die Gelegenheit, die Entscheidung herbeizuführen: Zunächst lenkte Torwart Beckinger seinen Freistoß mit letzter Kraft an die Oberkante der Latte (73.), dann strich sein strammer Schuss nach Vorarbeit des fleißigen Dennis Serr knapp am langen Eck vorbei (83.).

Kompliment aber auch an die Schwalbacher Gäste, die nicht aufgaben und nach dem Rückstand alles in die Waagschale warfen, um wenigstens einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. „Verteidigt mal nach vorne, ihr geht immer tiefer“, monierte Björn Klos in dieser Phase. Am Ende stand ein aufgrund der Spielanteile und Chancen verdienter Arbeitssieg der Borussia, bei der „alle trotz aufgebrauchter Kraftreserven bereit waren, bis an die Schmerzgrenze zu gehen, und sich für ihre bemerkenswerte Mentalität belohnt haben“, so Björn Klos, dem anschließend das von Borussias Getränkesponsor PARKBRÄU gestiftete Freibier sichtlich ebenso schmeckte wie den Fans, die in großer Zahl den Weg in den VIP-Raum gefunden hatten. Zurecht, denn seit vier Pflichtspielen ist Borussia ungeschlagen, holte aus den letzten sieben Spielen 17 Punkte und hat wieder engeren Kontakt zu den führenden Teams. Das Jahr 2018 endete im Ellenfeld genauso rund wie es begonnen hatte: Mit einem 2:0 gegen die Sportfreunde Köllerbach hatten die Borussen am 24. Februar einen guten Anfang und jetzt mit dem 2:1 gegen Schwalbach einen guten Abschluss gemacht.

Unsere Bilder vermitteln Einblicke in die Partie der Borussia gegen Schwalbach (Fotos: -jf-).

Borussia in der Statistik:

Unsere Mannschaft: Jonas Merhej – Marco Dahler, Tom Fink, Nino Kannengießer (90. Philippe Persch), Kamil Czeremurzynski, Yannick Bach, Daniel Ruschmann, Janosch Scherer, Daniel Schlicker, Patrick Feller (78. Dennis Serr). – Unser Trainer: Björn Klos. – Tore: 0:1 (58.) Yannick Bach (Eigentor), 1:1 (64.) Nino Kannengießer, 2:1 (68.) Kamil Czeremurzynski. – Schiedsrichter: Jörg Probst (Kleinblittersdorf). – Zuschauer: 300. – Gelbe Karten Borussia: Kamil Czeremurzynski (61.).

 

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