Erinnerungen

Worte zum 4. Advent: Raimund Eichs beliebte Kolumne

Wehmut beschleicht mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich mit meinem vierbeinigen Weggefährten Charly über den Mantes-la-Ville-Platz in Richtung Altseiterstal spaziere. Dort, wo sich heute ein großer Lebensmittelmarkt befindet, stand es, das alte Hallenbad mit seiner geschwungenen Dachkonstruktion. Ein imposantes Bauwerk mit einem zehn Meter hohen Sprungturm, einer Beckentiefe von viereinhalb Metern und mit so gut wie nie gefüllten Zuschauerrängen. Doch das Bad ist bereits über ein Jahrzehnt Geschichte. Trotzdem, selbst heute noch steckt mir der typische Chlorgeruch im Hallenbad in der Nase, noch heute verspüre ich den heftigen Druck auf den Ohren beim endlos erscheinenden Hinabtauchen auf den Beckengrund und das Glücksgefühl, endlich den Boden mit meinen Händen berühren und so schnell es geht, wieder nach oben tauchen zu können.

      Charly und ich nähern uns dem Kopfbau des Ellenfeldstadions. Während meine Zeitreise in die Vergangenheit weitergeht, pinkelt Charly dem imposanten Denkmal des Fußballers ungeniert ans Bein, wofür ich mich bei dem Herrn in Schwarz in aller Form entschuldige, der uns beide jedoch keines Blickes würdigt. Als wir uns der Spieser Kurve nähern, tauchen sie plötzlich wieder auf, die Bilder aus einst glorreichen Tagen der Borussia. Erinnerungen an glanzvolle Siege und ein Stadion, das oft aus allen Nähten zu platzen drohte. Ich glaube, noch heute könnte ich die zu Bundesligazeiten übliche Mannschaftsaufstellung im Schlaf aufsagen. In der schon lange verwaisten Spieser Kurve war er, unser Stammplatz. Bei Heimspielen versammelte sich unsere kleine Fangruppe samstags gleich nach der Schule dort, und zwar immer so rechtzeitig, dass wir bei Regenwetter schon vor dem Anpfiff oft klatschnass oder im Winter blau verfroren waren, was unsere Fußball-Leidenschaft jedoch nicht im Geringsten beeinträchtigte. Dafür sorgten alleine schon die Hammertore von Elmar May oder die Glanzparaden von Willi Ertz.

      Mächtig genagt hat er ja seitdem, der Zahn der Zeit, nicht nur am geliebten Ellenfeld, sondern auch am Kolumnisten, der jetzt hinter seinem Vierbeiner die Wiese hinter der Gegengeraden hinaufschnauft. Auf der haben sich damals nicht selten schwarz-weiß gefleckte Kühe, ideal passend zu den Vereinsfarben der Borussia, mit Tausenden von Zuschauern getummelt, die keinen Platz mehr im Stadion fanden. Nur zur Klarstellung, Kühe im Ellenfeld waren auch damals natürlich nicht erlaubt, jedenfalls keine vierbeinigen.

      Oben angekommen werfe ich noch einmal einen Blick zurück auf die historische Arena aus den Anfangszeiten der Bundesliga. Ein ebenso beeindruckender wie einzigartiger Anblick, der Gänsehautgefühle bei mir auslöst, wenn ich sie noch einmal vor meinem geistigen Auge über den Rasen laufen sehe, meine Fußballhelden aus der Vergangenheit.

Ein heftiger Ruck an der Hundeleine reißt mich schlagartig aus meinen nostalgischen Erinnerungen. Charly zeigt leider wenig Verständnis für derartige Sentimentalitäten und will endlich weitergehen.

Jammerschade, dass man die Zeit nicht einfach anhalten kann, denke ich mir, während das Ellenfeld langsam aus meinen Augen verschwindet.

In diesem Sinne:

   Go Borussia, zusammen steh’n und Siege seh’n,
   Go Borussia, wir lassen 1.000 Fahnen weh’n…

2 Kommentare

  1. Raimund, Du bist ein echter Nostalgiker, der den Aufgeschlossesten, den Modernsten, kurzum den ältesten und jüngsten Borussenfans Jahre des Spitzenfußballs im Ellenfeld um die Ohren schlägt. Die Zeit, sagtest Du, sie sei vorbei, aber gibt es nicht zahlreiche Beispiele von Fußballvereinen, die nach Jahren des Herummurksens in den Tiefen der Ligen aufgestanden sind wie Phoenix aus der Asche? Glauben wir daran, Du und ich und ganz Neunkirchen. Allez hopp, Borussia!

  2. Ja, ich gebe zu, ich bin ein Nostalgiker, aber um die Ohren schlagen möchte ich mit derartigen Kolumnen keinem Borussenfan etwas. Ich will vielmehr den Älteren ab und zu etwas Schönes wieder ins Gedächtnis rufen und die Jüngeren ein kleines bisschen darüber informieren, was einmal war, mehr nicht. Dass die Jahre der Erstklassigkeit schon lange Geschichte sind, macht sie ja nicht ungeschehen, und ohne diese Zeit gäbe es das Ellenfeldstadion in seiner jetzigen Form als historische Bundesliga-Arena überhaupt nicht.
    Und die Go Borussia-Kolumnen schreibe ich deshalb, weil mir dieser Verein „noch immer“ so sehr am Herzen liegt. Doch wegen der fußballlosen Corona-Zeit fehlt es leider schon viel zu lange an aktuellen Themen und Ereignissen rund ums Ellenfeld.
    Auch ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass die Borussia eines Tages wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen wird. Was dazu leider fehlt, ist jedem hinlänglich bekannt, nämlich das nötige Kleingeld. Verdammt viel Kleingeld sogar! Wir haben leider nicht annähernd die finanzielle Unterstützung wie unsere saarländischen Nachbarn aus Saarbrücken, Elversberg oder Homburg, denen ich das von ganzem Herzen gönne. Nur, in welcher Liga diese Drei ohne das nötige Sponsoren-Kleingeld spielen würden, kann sich jeder sicherlich denken.
    Ich kann und will es einfach nicht glauben, dass es in unserer Region und darüber hinaus nur drei potente Großsponsoren gibt, die einem noch immer bundesweit bekannten Traditionsverein wie Borussia Neunkirchen zur Wiederauferstehung verhelfen könnten. Und nicht zuletzt aus diesem Grund hoffe ich sehnsüchtig, mit der einen oder anderen Nostalgiekolumne vielleicht einen entsprechend renommierten und potenten Sponsor auf unseren Verein aufmerksam machen zu können, der weitaus mehr in seinem Geldbeutel hat, als wir alle zusammen. Auch diesbezüglich gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt!
    Nun ist aus diesem Kommentar fast schon wieder eine Kolumne geworden. Sei´s drum!

    In diesem Sinne:
    Go Borussia, zusammen steh’n und Siege seh’n,
    Go Borussia, wir lassen 1.000 Fahnen weh’n…

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