Auch in diesem Jahr: Teamfoto am Gasometer

Der Gasometer ist zweifellos eines der wenigen noch verbliebenen Wahrzeichen der Industriegeschichte in Neunkirchen und hat eine bewegte Geschichte. Der rund 70 Meter hohe Gasbehälter mit der weithin sichtbaten Aufschrift „Neunkircher Stahl“ wurde 1970 gebaut, nachdem 1933 der damalige Gasometer des Neunkircher Eisenwerks explodiert war. Durch die Detonation am „schwarzen Freitag“, dem 10. Februar, kurz nach 18 Uhr wurden 68 Menschen getötet und 199 verletzt. Die Detonation hatte weite Teile des Hüttenareals und der Innenstadt verwüstet.

Im Juni kam es heraus: Der Abriss des Gebäudes ist – laut Stadtverwaltung und Stahl-Holding-Saar, die den Gasbehälter betreibt – beschlossene Sache. Auf dem Gelände soll auf 7.800 Quadratmetern der Globus-Markt am Hüttenpark entstehen – ein großes Warenhaus mit Parkplätzen, Tankstelle und Waschstraße. Wann genau der Abriss erfolgt, ist noch unklar. Der Gasometer ist noch in Betrieb, Saarstahl plant eine neue Ersatzanlage auf dem Neunkircher Werksgelände. Der Baubeginn für den neuen Globus ist für den Sommer 2020 vorgesehen, er soll Ende 2021 eröffnen. Im August stellten Saarstahl und Globus ihr Konzept auf einer Bürgerversammlung vor. „Auch wenn manch einer das Verschwinden des Wahrzeichens bedauert, so darf doch nicht vergessen werden, dass die Stadt durch den neuen Markt eine enorme Aufwertung erhält: Neue Arbeitsplätze werden geschaffen, die Infrastruktur wird gestärkt und dank der Firmengruppe unter Führung von Thomas Bruch wird, wie in St. Wendel geschehen, sicher manches soziale Projekt unterstützt. Insofern darf man den Globus-Markt als einen Glücksfall für Neunkirchen bezeichnen“, ist Borussias Sportvorstand Gunther Persch überzeugt.

Die Borussia und der Gasometer – das ist eine Beziehung, die weit in die Vergangenheit hinein reicht. Denn nach dem Explosionsunglück im Februar 1933 organisierten die Borussen am 13. April ein Benefizspiel für die Hinterbliebenen der Opfer. 5000 Zuschauer kamen damals ins Ellenfeld, um die internationale Partie gegen die Admira Wien zu sehen. Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen, denn Borussia trotzte den Österreichern, die damals als „Wundermannschaft“ galten, das knappste Resultat ihrer Europa-Tournee ab und verlor das Spiel erst kurz vor Schluss mit 1:2. Dass die generierten Einnahmen in voller Höhe den vom Unglück Geschädigten zugute kamen, tröstete über die sportliche Niederlage hinweg.

Bereits in den 80er Jahren diente der Gasometer als beliebtes Motiv für das Mannschaftsfoto der Borussia. Diese Tradition lebte zuletzt wieder auf. Bereits im letzten Jahr wurde ein Bild des Teams vor dem Gasometer „geschossen“. So auch vor etwas mehr als zwei Wochen vor dem Heimspiel der Borussen gegen den FV Eppelborn – wahrscheinlich zum letzten Mal. Borussia bringt mit diesem Foto ihre Verbundenheit zur Stadt und ihrer industriellen Historie zum Ausdruck. Nicht zuletzt Hütte und Eisenwerk waren nämlich entscheidend daran beteiligt, dass die Borussia durch den Aufstieg in die Bundesliga als Club aus der kleinsten Stadt der Liga bundesweit für Aufsehen sorgte und am Ende der Saison 1964/65 als Neuling mit Rang 10 die beste Platzierung eines saarländischen Vereins in der `bel etage´ des deutschen Fußballs erreichte. Mancher Spieler der Borussia war auf der Hütte und im Eisenwerk beschäftigt und kam erst kurz vor dem Spiel von der Arbeit ins Stadion, hin und wieder sogar zu Fuß! Vollprofitum war in diesen Jahren noch die große Ausnahme.

Unsere Bilder dokumentieren das Foto-Shooting am Gasometer. Das Mannschaftsfoto wird vor Weihnachten auch als Poster (in signierter und unsignierter Form) im Fan-Ball und in der Geschäftsstelle der Borussia erhältlich sein. (-jf-)

Alles ist vorbereitet – Warten auf die Mannschaft (oben), die nach und nach am Gasometer eintrifft (unten) …
Startklar zum Teamfoto 2019/20 am Gasometer!

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