Alle Neune gegen Neunkirchen

Aus der traditionsreichen Historie der Borussia / Heute vor 56 Jahren: 1:9 gegen 1860 München / Borussias höchste Bundesliga-Heimniederlage, höchster Auswärtssieg der Löwen

Sie gehört sicher zu den bittersten Niederlagen, die die Borussia in ihrer traditionsreichen Geschichte einstecken musste. Heute vor 56 Jahren war der spätere deutsche Meister 1860 München im Ellenfeld zu Gast. Die ambitionierte Mannschaft von Trainer Max Merkel, mit Nationalspielern gespickt, tat sich anfangs schwer, trumpfte aber mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr auf. Am Ende eines alles andere als alltäglichen Bundesligaspiels mussten die Schützlinge von Coach Horst Buhtz die Überlegenheit der Löwen neidlos anerkennen, die einen auf dem Weg zum Titel wichtigen Sieg errangen und in Neunkirchen – in der Keglersprache gesprochen – auf der Ellenfeld-Bahn alle Neune trafen.

In seiner gestrigen Donnerstag-Ausgabe (vom 14.4.2022) blickt der „Kicker“ auf der vorletzten Seite in seiner Rubrik „Geschichte und Geschichten“ auf die Partie am 16. April 1966 zurück. „Wer nach 30 Minuten auf ein 1:9 getippt hätte“, ist in der Rückschau des Sportmagazins zu lesen, „wäre nur mitleidig angeschaut worden. Neunkirchen spielte im ersten Drittel prächtig auf, lieferte eines seiner schwungvollsten Spiele. (…) Aber blitzartige Löwen-Treffer nach kleinen Unachtsamkeiten warfen die Borussen aus der Bahn.“

Da staunen die Löwen: Hennes Küppers, Zeljko Perusic, Otto Luttrop und Bernd Patzke (v.l.) lassen Heinz Simmet (dunkles Trikot) reichlich Platz für seine kleine akrobatische Showeinlage – kleiner Lichtblick an einem ansonsten für die Borussen eher gebrauchten Bundesliga-Samstag. (Foto: Archiv Borussia Neunkirchen / Ellenfeld e.V.)

Der Knackpunkt des Spiels war sicherlich der Doppelschlag der 60er in der 34. Minute, als Alfred „Fredi“ Heiß nach Timo Konietzkas 0:2 direkt vom Anstoß weg das 0:3 nachlegte und damit Peter Grossers Führungstreffer (17.) vorentscheidend ausbaute. Von diesem Schock erholten sich die Borussen nicht mehr. Erst recht nicht, nachdem erneut Heiß unmittelbar vor der Pause das Ergebnis auf 0:4 stellte. Da konnte auch der Anschlusstreffer von Günter Kuntz zum 1:5 nach knapp einer Stunde keine Wende mehr bewirken. Hans Küppers, der 7 Jahre zuvor mit Schwarz-Weiß Essen im DFB-Pokalfinale den Borussen beim 5:2 schon einmal „eingeschenkt“ hatte, Hans Rebele und erneut Peter Grosser trafen für die die Löwen, ehe Mittelstürmer Alfred Heiß an diesem Nachmittag seinem Namen alle Ehre machte und – offensichtlich „heiß wie Frittenfett“ mit den beiden letzten Toren nach 77 Minuten das muntere Scheibenschießen beendete.

Mutiger Willi: Borussias Keeper Willi Ertz, der sich hier entschlossen dem Münchener Torjäger Timo Konietzka entgegen wirft, verhinderte weitere Treffer der Löwen. (Foto: Archiv Borussia Neunkirchen / Ellenfeld e.V.)

Die Borussen hätten im Laufe des Spiels dem Gegner zu viel Spielraum im Mittelfeld gelassen, kritisierte die „Saarbrücker Zeitung“ (SZ), die Löwencoach Max Merkel auch einen taktischen Glücksgriff attestierte: „Der setzte Neunkirchens Mittelstürmer Görts den kleinen Jugoslawen Perusic vor die Nase und schon war die Borussia nur noch die Hälfte wert.“ Kapitän Günter Kuntz konnte die Hoffnungen, die man im Ellenfeld auf ihn setzte, nicht erfüllen und fand seinen Meister in Nationalverteidiger Bernd Patzke. Zudem kam Heinz Simmets Einsatz nach Verletzungspause noch zu früh. Aus der Borussen-Elf, die – so die SZ – dem Gegner technisch unterlegen war, seien Torwart Willi Ertz und Stopper Günter Heiden hervorzuheben: „Ertz verhinderte eine noch höhere Niederlage, Heiden störte entschlossen Konietzkas Kreise.“ Dass der „Kicker“ seinen Beitrag überschrieb: „Das 1:9 sagt nicht die Wahrheit“, konnte die Borussen wahrlich nicht trösten!

So sanken nach dem Abpfiff die Aktien auf einen Klassenerhalt erheblich, wiewohl die Borussia in den beiden nächsten Spielen durch überraschende Siege bei Eintracht Frankfurt (2:1) und gegen Braunschweig (1:0) im Ellenfeld noch einmal ein paar Hoffnungsfünkchen glimmen ließ. Doch spätestens nach dem 0:2 in der Schalker Glückauf-Kampfbahn am 32. Spieltag stand die Rückkehr in die Regionalliga Südwest fest. Die Löwen dagegen gingen im Saisonfinale den umgekehrten Weg: Die Spielzeit 1965/66 fand für die Blauen aus Giesing ein meisterliches Ende! (-jf-)

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