„Streik ist der falsche Weg!“

Borussias Sportvorstand Gunther Persch zum Ausstand der Schiedsrichter an diesem Wochenende

Unsere Bilder: Gunther Persch strahlt meist die Ruhe in Person aus (li.), kann aber auch anders (re.) – schließlich „ist Fußball auch Emotion“, sagt Borussias Sportvorstand. (Fotos: -jf-)

Auf den ersten Blick wirkt Gunther Persch wie der ruhende Pol. Einem unerschütterlichen, in sich ruhenden Buddha ähnlich sitzt er am Spielfeldrand auf seinem weißen Stuhl und beobachtet intensiv und mit kritischem Auge das Geschehen auf dem grünen Rasen. Doch zuweilen platzt es dann aus Gunther Persch heraus. Sieht er unverständliche Fehlpässe seiner Spieler, vermisst er die notwendige Mentalität auf dem Platz oder trifft ein Schiedsrichter eine falsche oder nicht nachvollziehbare Entscheidung – dann kommt der Emotionsausbruch von Borussias Sportvorstand auch schon mal der Eruption eines Vulkans mindestens mittlerer Stärke gleich. Aber einen Unparteiischen beleidigen, gar körperlich angehen? „Ein absolutes No go“, darüber ist sich Gunther Persch (GP) mit allen Verantwortlichen der Borussia einig. Warum er dennoch dem viel und kontrovers diskutierten Schiedsrichterstreik an diesem Wochenende skeptisch gegenübersteht und warum alle Beteiligten sich mal an einen Tisch setzen sollten – seine persönliche Meinung bringt er in gewohnt offenen Worten im folgenden Gespräch zum Ausdruck.

Gunther Persch, in Merzig ist Ende August bei einem C-Jugendspiel Schiedsrichter Sascha Dickmann attackiert und krankenhausreif geschlagen worden. Wie Volkmar Fischer, Vorsitzender des saarländischen Verbandsschiedsrichterausschusses meint, kein Einzelfall. Ein Vorfall, der bedenklich stimmt, oder? 

GP: Es ist ein absolutes No go, einen Schiedsrichter körperlich anzugehen Da darf es keine zwei Meinungen geben, keine Frage. Fußball ist Emotion, Fußball ist Anspannung, aber es ist und bleibt ein Spiel! Ein Spiel, für das man Trainer, Spieler, Mannschaften und Schiedsrichter braucht. Dabei sollten sich alle sollten auf Augenhöhe begegnen.

Dennoch ist es in manchen Situationen nicht so ganz einfach, als Beobachter draußen ruhig zu bleiben. Das weiß doch sicher auch Borussias Sportvorstand.

GP: Ja, aus eigener Erfahrung muss ich zugeben, mich auch mal zu Emotionen an der Außenlinie hinreißen zu lassen, aber ich beleidige niemanden oder drohe Gewalt an. Und nach jedem Spiel gehe ich zu den Unparteiischen hin und gebe ihnen, wie es Anstand und Respekt verlangen, die Hand, ganz unabhängig von der Leistung. 

Kein Unparteiischer ist ja auf dem Platz unfehlbar, genau wie Trainer und Spieler. Wie ist denn die Reaktion auf Kritik an der Leistung eines Schiedsrichters?

GP: Traut man sich wirklich mal, etwas Kritisches zu sagen, kommt häufig die gleiche Reaktion darauf: Unverständnis. Nein, das ist nicht gewollt. Jeder denkt: Klar, schau lieber, was deine eigene Mannschaft abgeliefert hat. Es gibt in der Saarlandliga hervorragende Unparteiische: Souverän, kommunikativ, auf Augenhöhe. Es gibt aber auch leider solche, die sich so positionieren, dass sie im Ernst glauben, unfehlbar zu sein. Mir ist jetzt mehrfach aufgefallen, dass zum Beispiel einige Schiedsrichter völlig dicht machen und kein einziges Wort mit den Verantwortlichen an den Seitenlinien wechseln. Mal Ruhe reinbringen oder einfach mal über was hinweghören, was aus der Emotion heraus gesagt, aber meist gar nicht so gemeint ist. Denn wie gesagt: Fußball ist nun mal ein Spiel mit großen Emotionen.

Welche Wirkung erzielt denn jetzt ein solcher Streik?

GP: Meiner Meinung nach keine. Einfach zu entscheiden: Heute wird nicht gespielt – das ist für mich der falsche Weg. Wurden die Vereine vom Verband gefragt: Seid ihr damit einverstanden? Nein, es wurde entschieden. Es wurde auch festgelegt, wann die ausgefallenen Spiele nachgeholt werden. Auch hier wurden die Vereine nicht gefragt. Was ist mit den finanziellen Aspekten der Clubs? An einem Wochenende, mit sonnigem Altweiber-Wetter wie jetzt, gegen den Oberligaabsteiger FSV Jägersburg zu spielen oder während der Woche abends – das macht einen riesigen Unterschied aus. Vor allem bei den Einnahmen! Aber auch für die Spieler, die keine Profis sind und alle arbeiten gehen und durch den Pokal ohnehin viele englische Wochen haben. Hat der Verband danach gefragt? Bei welchen Entscheidungen des Verbandes werden die Vereine involviert? Beiträge, Gebühren, Strafen – alles wird eingezogen, aber nach seiner Meinung zu Entscheidungen wird man als Verein nur selten befragt.

Was sollte man denn nun im Sinne einer Problemlösung tun?

GP: Ich glaube, man sollte sich auf Verbandsebene mal mehr Gedanken darüber machen, was die getroffenen und oft nicht nachvollziehbaren Maßnahmen bringen und welche Auswirkungen sie haben. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, mal über Veränderungen beim Verband nachzudenken. Auch über den Umgang miteinander. Alle – Verbandsvertreter, Vereine, Schiedsrichter, Spieler, Trainer – sollten mal an einen Tisch und das Thema vernünftig und sachbezogen diskutieren.

Gunther Persch, vielen Dank für das Gespräch und die offenen Worte!

2 Kommentare

  1. Den Aussagen von Herrn Persch ist nichts hinzuzufügen. Probleme wurden durch den Streik nicht gelöst sondern nur welche gemacht zumindest bei den Vereinen die nicht mit dem Ausraster zu tun haben

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