Same procedure as last weeks

Auch beim 1:3 in Primstal zu wenig Aufbäumen gegen die Niederlage / 22. Saisontor von Kevin Saks zu wenig / Slapstick-Gegentore regen Björn Klos mächtig auf

Unser Bild: Borussias Kapitän Daniel Schlicker wehrte sich trotz Verletzung nach Kräften und gehörte in einer insgesamt enttäuschenden Mannschaft zu den Aktivposten. (Archivfoto: -jf-)

„Same procedure as last weeks“ – mit leicht abgewandelten Worten, die der englische Komiker Freddie Frinton alias Butler James in seinem weltberühmten Sketch „Dinner for one“ an seine Partnerin May Warden (Miss Sophie) richtet, lässt sich Borussia Auftritt bei der 1:3-Niederlage in Primstal ganz gut beschreiben. Wie schon in den vergangenen Wochen legten die Borussen insgesamt einen enttäuschenden Auftritt hin. Noch lange nach den 90 Minuten saßen Trainer Björn Klos und Sportvorstand Gunther Persch im Allerswaldstadion auf der Bank. Frustriert, enttäuscht, desillusioniert. Dabei hatte Björn Klos nach dem Pokalspiel gegen Elversberg nochmals einen flammenden Appell an seine Schützlinge gerichtet, nochmals ein Ziel für die letzten vier Spiele ausgegeben, das da lautete: „Die Saison mit Anstand zu Ende bringen und möglichst kein Spiel mehr zu verlieren“ – ein Ziel, das angesichts des im Team vorhandenen Potentials keineswegs „vom Mond“, doch mit Blick auf die Einstellung einiger Akteure immer noch zu hoch gegriffen zu sein scheint.

Denn schon der frühe Rückstand nach drei Minuten stand ganz sicher nicht im Matchplan, als Primstals Tobias Scherer an fünf Gegner vorbei regelrecht in den Strafraum spazieren durfte. Dass Kevin Saks dann recht schnell nach einem Zuspiel von Jens Kirchen den Ausgleich schaffte (12.), ließ auf Borussen-Seite Hoffnungen auf eine Kehrtwende aufkeimen. Doch weit gefehlt! Der 22. Saisontreffer des Borussen-Torjägers war in der ersten Halbzeit neben einem Kopfball von Daniel Ruschmann, der am Tor vorbeiflog (33.), so ziemlich die einzige ernsthafte Torgelegenheit. Insofern darf man dem Halbzeitstand von 1:1 durchaus das Prädikat „schmeichelhaft“ zuerteilen, auch wenn sich die Borussen, was die Chancenverwertung angeht, äußerst effektiv erwiesen hatten. Aber Borussia gestattete dem Gastgeber gleich mehrere Möglichkeiten, erneut in Führung zu gehen: Philippe Persch war bei einem Distanzschuss von Jonas Caryot auf dem Posten (27.), hätte aber wohl kaum eine Chance gehabt, als VfL-Torjäger Tim Roob den Ball knapp am Kasten vorbeisetzte (30.). Nach 38 Minuten eine weitere gute Gelegenheit für Primstal, als der Ball an Freund und Feind gefährlich nah am Tor vorbeirauschte und der Nachschuss abgeblockt werden konnte. Schließlich verpasste Julian Scheid das Leder nach Flanke von Jonas Breil nur um Haaresbreite (42.).

Nach der Pause agierte Borussia (jetzt mit Furkan Erdogan für den verletzten Nino Kannengießer) etwas offensiver, konnte das Spielgeschehen mehr Richtung VfL-Tor verlagern ohne aber richtig zwingend zu wirken. Kevin Saks scheiterte an Torwart Simon Holz (52.), Furkan Erdogan zielte knapp vorbei (54.), Jens Kirchen konnte in aussichtsreiche Position den Ball vor dem gegnerischen Tor nicht unter Kontrolle bringen (55.), ehe Tim Roob sich an der Seitenlinie gegen Waldemar Schwab durchsetzte, im Strafraum querlegte und Julian Scheid die Lederkugel zur 2:1-Führung der Gastgeber unter die Latte hämmerte. Björn Klos brachte mit Alexander Teigermer (für Jens Kirchen, 69.) und kurz vor Schluss mit Tim Klein (für Loic Matukanga, 83.) noch einmal frische Offensivkräfte, doch außer einer guten Chance für Tim Klein (87.) und einer Torannäherung bei einem Kopfball von Daniel-Ruschmann (90.) sprang nicht mehr viel dabei raus. Besser machte es der VfL in der Nachspielzeit, als Julian Scheid mit dem 3:1 den Deckel draufmachte (90. +2)– ein Tor, das in seiner Entstehung symptomatisch für die derzeitige Situation Borussias war: Ein eigentlich missglückter Abschlag von Torhüter Simon Holz flog flach durch die Mitte des Spielfeldes ungehindert an einigen Borussen vorbei auf Julian Scheid, der das Leder nochmal „klatschen“ ließ und es – von Vorlagengeber Tobias Scherer in den Lauf gespielt – nur noch einschieben muss. „Geradezu Slapstick“, war Björn Klos richtig sauer, der insgesamt „Geschenke an den Gegner, zu viele Ballverluste, mangelhaftes Zweikampfverhalten und zu wenig Gegenwehr“ bemängelte. Ausdrücklich ausnehmen von seiner Kritik will Borussias Coach, dem echte personelle Alternativen fehlen, dabei seinen Kapitän Daniel Schlicker: „Er plagt sich schon seit Wochen mit Fersenproblemen herum, konnte kaum trainieren. Jeder Meter tut ihm weh. Dennoch beißt er sich durch, zeigt einen starken Willen und stellt sich in den Dienst der Mannschaft“, zollt Björn Klos seiner Nummer fünf ein großes Lob. Mehr Schlickers im Team – und um Borussia wäre es besser bestellt!

So kassierten die Borussen die achte Rückrundenniederlage, holte aus den letzten sechs Spielen nur beim 1:1 in Rastpfuhl was Zählbares. Wenn Freddie Frinton im oben genannten Sketch dem Fernsehzuschauer abschließend verspricht: „Well, I do my very best“, so kann das in Primstal leider nicht für alle Borussen gelten. Noch ein Unterschied zum „Dinner for one“: Für Diener James geht es zum Finale mit seiner Miss Sophie die Treppe hinauf, bei Borussia abwärts. Leider!

Borussia in der Statistik:

Unsere Mannschaft: Philippe Persch, Waldemar Schwab, Kamil Czermurzynski, Loic Matukanga (ab 83. Tim Klein), Tim Cullmann, Nino Kannengießer (ab 46. Furkan Erdogan), Yannick Bach, Daniel Ruschmann, Daniel Schlicker, Jens Kirchen (ab 69. Alexander Teigermer), Kevin Saks – Unser Trainer: Björn Klos.
Tore: 1:0 Tobias Scherer (3.), 1:1 Kevin Saks (12.), 2:1 Julian Scheid (57.), 3:1 Julian Scheid (90. +2). – Schiedsrichter: Niklas Kunzler (Wadgassen). – Zuschauer: 200. – Gelbe Karten Borussia: Kamil Czeremurzynski (45.), Daniel Schlicker (60.)

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