Gebrauchter Tag in Bübingen

Borussia blieb beim 2:2 weit unter Normalform / Björn Klos: „Hätten Sieg nicht verdient gehabt!“ / Kevin Saks erstmals ohne Pflichtspieltor / Mittwoch (17. 00 Uhr) wartet Pokalaufgabe bei Borussia Spiesen

Unser Bild: Der dynamische Antritt von Patrick Seidel, Torschütze zum 2:2, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Borussia viele Grundtugenden erfolgreichen Fußballs in Bübingen vermissen ließ. (Foto: Thomas Burgardt)

Von Jo Frisch

„Wir werden Spiele verlieren, einige wahrscheinlich sogar sehr hoch, aber wir werden auch für die eine oder andere Überraschung sorgen!“ Der erste Teil der Ansage, die Markus Schreiber vor Saisonbeginn tätigte, hatte sich nach drei Spielen bereits bestätigt. Bübingen hatte in Homburg und Rehlingen deftige Niederlagen kassiert. Doch dass der zweite Teil mit den Überraschungen schon so schnell Realität werden würde, hätte Bübingens Trainer wahrscheinlich selbst nicht erwartet. Das 2:2 gegen die Borussia war eine große Überraschung. Sehr zum Leidwesen von Borussen-Coach Björn Klos, der sichtlich angefressen war und mit der Leistung seiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden sein konnte, denn Borussia präsentierte ihr anderes Gesicht – eines, das man bisher in dieser Saison so noch nicht gesehen hatte.

„Ich habe die ganze Woche vor der Schwere der Aufgabe auf dem engen Bübinger Kunstrasenplatz gewarnt, da Bübingen trotz seiner jungen und unerfahrenen Mannschaft auf eigenem Gelände eine ganz andere Hausnummer ist als auswärts. Aber da kannst du dir den Mund fusselig reden und stößt offensichtlich auf taube Ohren“, war Borussias Übungsleiter mehr als verärgert über das, was seine Schützlinge 90 Minuten im Meerwald-Stadion auf den Platz gebracht hatten. Dabei spielte das frühe 1:0 durch Daniel Ruschmann (7.) den Vorgaben direkt in die Karten: „Wir wollten genau dieses frühe Tor, um dann gallig dran zu bleiben und möglichst in der ersten Halbzeit schon für klare Verhältnisse zu sorgen“, so Björn Klos, der stattdessen fast ungläubig mit ansehen musste, wie seine Jungs Konzentration und Kontrolle verloren, die Aggressivität und Bissigkeit in den Zweikämpfen vermissen ließen. Die Passgenauigkeit ging flöten, das Fußballspielen wurde eingestellt: „Nach zwei, drei Querpässen kam direkt der lange Ball, ohne dass ein Gegner in der Nähe war – ein Rückfall in alte Zeiten“, monierte Borussias Trainer. Wie es dann so geht: Der Gegner wittert Morgenluft und traute sich was zu! Und ehe sich Borussia versah, lag sie plötzlich 1:2 in Rückstand! Jan Dick mit einem Lupfer über Philippe Persch und der Franzose Farouk Slimani, einer der wenigen erfahrenen Spieler im Bübinger Trikot, mit einem Distanzschuss ins linke untere Eck hatten die Partie gedreht und die Verunsicherung im Borussen-Lager weiter erhöht. Daran änderte weder der frühe Wechsel (Tim Cullmann kam nach 35 Minuten für Kamil Czeremurzynski) noch der 2:2-Ausgleich durch das erste Saisontor von Patrick Seidel etwas. So war das Remis beim Pausenpfiff von Referee Jan Frevel absolut in Ordnung, „eher sogar noch glücklich für uns, da Bübingen noch zwei, drei gute Gelegenheiten hatte“, analysierte Björn Klos. In der Tat: Philippe Persch hielt zweimal (gegen Nasshan und Mutukanga) das Pausenresultat für Borussia fest!

In den zweiten 45 Minuten hatte Borussia, bei der jetzt auch Tom Fink für Mohammed Benghebrid im Spiel war, dann deutlich mehr vom Spiel. Der Druck wurde erhöht, aber ohne die Überlegenheit in Zählbares umzumünzen. Chancen waren vorhanden: Daniel Schlicker über das Tor (57.), Kopfball Patrick Seidel knapp vorbei (60.), Cullmann-Lupfer knapp über die Latte (84.), Tim Klein mit einer Gelegenheit kurz vor Schluss (87.). Selbst der sonst zu verlässige Goalgetter Kevin Saks traf alles, nur das Tor nicht: Distanzschuss knapp vorbei (34.), aus kurzer Entfernung über das Tor (74.), Freistoß an den Pfosten (81.), Lattenkreuz anvisiert (88.) – es war zum Haareraufen! Erstmals blieb Borussias Neuzugang (bislang 5 Tore) in einem Pflichtspiel ohne Torerfolg. Ins Gesamtbild eines gebrauchten Tages passte dann nach 54 Minuten der verschossene Elfmeter von Daniel Ruschmann, bei dem selbst der Nachschuss nicht den Weg ins Tor fand. „Da kommt dann alles zusammen“, sagt Björn Klos, der zugibt, „dass, wenn es ganz dumm läuft, wir am Ende die Partie sogar noch verlieren können.“ Stimmt, denn bei einem Konter in der Schlussminute trudelte der von Dominic Nasshan über Philippe Persch gehobene Ball gegen den Pfosten und ließ Borussia wenigstens den einen Punkt, der letztlich sogar die Tabellenführung bedeutete. Zudem bleiben die Klos-Schützlinge nach der Niederlage des SV Auersmacher als einziges Team der Liga ungeschlagen.

Fakten, die Björn Klos allerdings nicht den Blick vernebeln können. Im Gegenteil: „Das passt gar nicht zusammen, ist geradezu paradox. Denn das, was wir abgeliefert haben, war weder eines Spitzenreiters noch eines bislang ungeschlagenen Teams und erst recht nicht eines ambitionierten Vereins wie Borussia würdig“, wählte der Borussen-Coach deutliche Worte. Und legte nach: „Wir haben alles vermissen lassen, was erfolgreichen Fußball ausmacht und was wir in den ersten Spielen gezeigt haben. In unseren Reihen steckt im Vergleich zur jungen Bübinger Mannschaft, in der viele im letzten Jahr noch A-Jugend gekickt haben, einiges an Saarland-, ja sogar Oberliga-Erfahrung. Doch diesen Unterschied konnten wir in keiner Phase des Spiels auf den Platz bringen. Kaum einer meiner Jungs zeigte nur annähernd Normalform.“ Woran es lag? Björn Klos kann nicht in die Köpfe der Spieler hineinschauen, weiß aber als erfahrener Spieler und Trainer, dass gerade die auf dem Papier sogenannten `leichten Spiele´ am meisten Gefahrenpotential beinhalten. „Der eine oder andere ist nun mal empfänglich für das Gerede im Umfeld, wo vor der Partie manche Stimmen zu hören waren, die nur noch über die Höhe unseres Sieges diskutierten. Da ist Gift für das eigene Team und respektlos dem Gegner gegenüber“, echauffiert sich der Borussen-Coach, der auch den Ausfall von Marco Dahler und Yannick Bach nicht gelten lassen will: „Wir haben 14 Leute auf dem Platz gehabt mit genug Qualität, um so ein Spiel siegreich zu gestalten!“ Positiv dagegen, wie Attila Serr sich nach einer Schulterverletzung die letzten 15 Minuten reinhängte: „Er hat es mit seiner ehrgeizigen Einstellung gut gemacht, auch wenn er natürlich noch nicht bei hundert Prozent ist“, so Björn Klos, der auch für die junge Bübinger Truppe lobende Worte fand: „Ich ziehe den Hut davor, wie sie sich zerrissen und gekämpft haben, als ginge es um ihr Leben. So werden sie sicher noch einige Punkte sammeln können. Sie haben die Grundtugenden gezeigt, die wir haben vermissen lassen. Deshalb hätten wir einen Sieg auch nicht verdient gehabt.“

Borussias Team wird unter der Woche im Training einiges aufzuarbeiten haben, bevor dann drei Heimspiele in Folge gegen ungleich stärkeres Kaliber (Quierschied, Eppelborn, Elversberg) ansteht. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dennoch nicht. Denn schon übermorgen (am Feiertag Mariä Himmelfahrt, Mittwoch, 17.00 Uhr) steht die Pokalpartie beim Nachbarn und Namensvetter aus Spiesen an. „Von der Ausgangsposition her ein ganz ähnliches Spiel wie das in Bübingen. Weiterkommen ist Pflicht, ohne Wenn und Aber. Da gibt es keine Diskussion. Ich hoffe, die Jungs begreifen das“, sagt Björn Klos unmissverständlich. Denn eine weitere unliebsame Überraschung kann Borussia in der derzeit schwierigen Situation nun wahrlich nicht gebrauchen!

Unsere Bilder vermitteln Eindrücke vom Spiel im Bübinger Meerwald-Stadion. Die Fotos wurden zur Verfügung gestellt von Thomas Burgardt – vielen Dank!

Borussia in der Statistik

Unsere Mannschaft: Philippe Persch – Waldemar Schwab, Nino Kannengießer, Mohammed Benghebrid (46. Tom Fink), Kamil Czeremurzynski (35. Tim Cullmann), Patrick Seidel, Daniel Ruschmann, Furkan Erdogan (75. Attila Serr), Daniel Schlicker, Kevin Saks, Tim Klein. – Unser Trainer: Björn Klos.

Tore: 0:1 (7.) Daniel Ruschmann, 1:1 (16.) Jan Dick, 2:1 (35.) Farouk Slimani, 2:2 (39.) Patrick Seidel. – Zuschauer: 250. – Schiedsrichter: Jan Frevel (Heusweiler). – Gelbe Karten: Tim Cullmann (72.). – Besondere Vorkommnisse: Daniel Ruschmann verschießt Elfmeter (54.).

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