Fußball ohne Winterschlaf (2)

Aus der traditionsreichen Historie der Borussia: Im Januar 1966 zwei Auftritte am Gladbacher Bökelberg und 1968 Hoffnung auf den Klassenerhalt durch zwei 2:1-Heimsiege gegen Kaiserslautern und Duisburg

Unser Bild: Günter gegen Günter – Borussias Günter Kuntz im Duell mit Gladbachs Mittelfeldregisseur Günter Netzer, dessen Stern in der Saison 1965/66 aufging. (Foto: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen Ferdi Hartung)

Ein Jahr später (1966) hatten die Borussen es im Januar gleich zweimal mit dem Kölner Erzrivalen aus Mönchengladbach zu tun. Im Hinspiel, der erste Auftritt der Gladbacher nach dem Aufstieg in die Bundesliga, hatten sich beide Teams im Ellenfeld 1:1 getrennt. Das Stadion am Bökelberg besaß in dieser Zeit noch keine überdachte Tribüne und ließ in seinem Aussehen noch die ursprüngliche Gestalt einer Kiesgrube mit dem Namen „de Kull“ erkennen. In der Anfangsphase gab es trotz eines energisch verteidigenden Berti Vogts noch einige Chancen für die Mannschaft aus dem Ellenfeld: Elmar May sprintete in eine Rückgabe, wurde von Gladbachs Torhüter Orzessek sehr hart attackiert; als beide noch am Boden lagen, hatte Heinz Simmet die Führung auf dem Fuß, schoss aber unkonzentriert den auf der Linie postierten Herbert Wimmer an. Nach 30 Minuten wendete sich das Blatt, die Elf vom Niederrhein bekam dank Regisseur Günter Netzer das Spiel mehr und mehr in den Griff und ging durch Rudi Pöggeler kurz vor der Halbzeit in Führung. Bernd Rupp legte nach 49 Minuten nach, ehe Günter Heiden postwendend (50.) den Anschlusstreffer schaffte. Doch nachdem Netzer und erneut Rupp binnen drei Minuten (65. / 68.) auf 4:1 erhöht hatten, war für den saarländischen Bundesligavertreter „de Käs gess“.

Szenen vom alten Bökelberg: Elmar May kommt gegen Gladbachs Keeper Manfred Orzessek (li.) zu spät, rechts am Bildrand ist der junge Berti Vogts zu sehen (oben). „Schäumche“ Schöder (weißes Trikot) hatte es mit Gladbachs Bernd Rupp zu tun (unten). (Fotos: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen Ferdi Hartung)

Spiel ohne Ball: Horst Kirsch (li.) beim Sprung nach dem (unsichtbaren) Leder, im Hintergrund beobachtet der junge Jupp Heynckes den Borussen-Torwart. (Foto: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen Ferdi Hartung)

Doch zwei Wochen später gelang die Revanche. Im DFB-Pokal gelang der Borussia mit 1:0 am Bökelberg der einzige Sieg während der gemeinsamen Bundesligazeit mit dem Namensvetter aus Mönchengladbach. Allerdings war dazu neben einem bärenstarken Willi Ertz zwischen den Pfosten zugegebenermaßen eine gehörige Portion „Dusel“ notwendig. Nach 90 Minuten waren vor nur 8000 Fans noch keine Treffer gefallen, erst drei Minuten vor dem Ende der Verlängerung (117.) „kegelte“ Elmar May mit seinem „goldenen Tor“ auf Platzverhältnissen, bei denen heute wohl kein Profispiel mehr angepfiffen würde, die Jungs von Hennes Weisweiler aus dem Pokalrennen. Aber schon in der nächsten Runde ereilte auch die Borussen beim 0:4 im Volksparkstadion gegen den Hamburger SV der K.o. Die Pokalträume der Borussen waren ausgeträumt.

Nachdem die Borussia zur Saison 1967/68 in die Bundesliga zurückgekehrt war, standen auch wieder Derbys gegen den pfälzischen Nachbarn aus Kaiserslautern an. Das Hinspiel am Betzenberg hatten die Borussen zum Saisonauftakt knapp mit 1:2 verloren. Im Rückspiel am Dreikönigstag 1968 sollte die Revanche gelingen. 13.000 Fans waren dabei, als die Roten Teufel mit 2:1 geschlagen wurden. Ludwig Lang hatte die Borussia nach 10 Minuten in Führung gebracht. Als Helmut Kapitulski für die Gäste nach 73 Minuten ausglich, schwand die Hoffnung auf den im Abstiegskampf so dringend benötigten dritten Saisonsieg. Doch fünf Minuten vor dem Abpfiff von Schiedsrichter Hans Radermacher aus Siegburg wuchtete Günter Kuntz eine Vorlage von Wolfgang Gayer per Kopf in die Maschen des von Wolfgang Schnarr gehüteteten FCK-Tores. Mit nunmehr 11 Punkten hatten die Borussen auf Rang 17 wenigstens den Anschluss an die davor liegenden Mannschaften von Schalke 04 (14) und Hamburger SV (15) geschafft.

Aus der Partie gegen die roten Teufel: Günter Kuntz (oben) beim Kopfball, im Hintergrund beobachtet von Erich Hermesdorf, anschließend ist der Ball im Netz (unten), FCK-Keeper Wolfgang Schnarr und Verteidiger Herward Koppenhöfer (am Boden) sind konsterniert, Borussia gewinnt das umkämpfte Spiel mit 2:1. (Fotos: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen Ferdi Hartung)

Allerdings stand jetzt die Reise zum Tabellenführer 1. FC Nürnberg an, wo Max Merkel eine Mannschaft geformt hatte, die wenige Monate später sogar den achten (und allerdings bis heute letzten) Meistertitel gewinnen sollte. Im Hinspiel im Ellenfeld hatten sich die Borussen ein beachtliches 2:2 erkämpft. Schneebedeckter Boden und klirrende Kälte machten das Rückspiel sowohl für die Akteure als auch die 14.000 Fans im Städtischen Stadion sicher nicht zu einem spielerischen Leckerbissen. Lange Zeit konnten die Borussen dem favorisierten „Glubb“ Paroli bieten. Erst nach der Pause setzte sich dann die Klasse der Merkel-Männer durch, die nach 50 Minuten durch Franz Brungs in Führung gingen: Der Torjäger versenkte eine Flanke von Zvezdan Cebinac per Kopf im Netz. Nach Heinz Müllers 2:0 (65.) war Brungs erneut mit einem Kopfball (diesmal nach Vorlage von Georg Volkert) erfolgreich und setzte mit dem 3:0 eine Minute vor dem Ende den Schlusspunkt.

Ludwig Lang heißt der Matchwinner gegen den MSV Duisburg – Borussias Torschütze jubelt hier über einen seiner beiden Treffer, während Zebra-Keeper Manfred Manglitz geschlagen am Boden liegt. (Foto: Ellenfeld-Verein / Archiv Borussia Neunkirchen Ferdi Hartung)

Die auswärtsschwache Borussia stand jetzt vor dem Heimspiel gegen den als Tabellenvierten angereisten MSV Duisburg wieder unter Druck – und hielt stand! Vor 10.000 Fans war es wieder einmal Ludwig Lang, der – jeweils bedient von Günter Kuntz und Wolfgang Gayer – mit gleich zwei Treffern vor der Pause MSV-Keeper Manfred Manglitz überwand und einen scheinbar sicheren 2:0-Vorsprung herausschoss. Doch nach Hartmut Heidemanns Anschlusstreffer eine Viertelstunde vor Schluss begann das große Zittern, das erst Schiedsrichter Kurt Handwerker aus Ketsch mit seinem Schlusspfiff beendete. Borussia hatte jetzt 13 Punkte auf dem Konto, doch der Rückstand auf Schalke 04 (16), den 1. FC Kaiserslautern (17) und den HSV (18) war nicht kleiner geworden, die Tordifferenz war die schlechteste der Liga (-32). Die Borussen konnten zwar auch die beiden folgenden Heimspiele gegen Hannover 96 (3:1) und Borussia Dortmund (3:2) gewinnen, am Ende aber war die miserable Auswärtsbilanz (in der gesamten Runde gab es nur beim 0:0 im Hamburger Volksparkstadion einen Punktgewinn!) ein ausschlaggebender Punkt, dass sich die Schützlinge von Zeljko Cajkovski nach 1966 zum zweiten Mal aus der „bel etage“ des deutschen Fußballs verabschiedeten. Dass es ein Abschied auf immer werden sollte, konnte damals noch keiner ahnen. (-jf-)

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