Fundstücke (9): Wie gemalt – Borussia und das Ellenfeld

„Die zentrale Aufgabe des Saarländischen Sportarchivs ist die Sicherung, Erschließung und dauerhafte Aufbewahrung sportgeschichtlich relevanter Quellen des Saarlandes, um sie vor Verfall und unachtsamer Vernichtung zu bewahren und sie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ So steht auf der Website der in Saarbrücken-Scheidt ansässigen Institution zu lesen. Im Rahmen dieser Aufgabe sichert das Sportarchiv auch Unterlagen, Akten und Dokumente der saarländischen Vereine, da sie die Organisation des Sports vor Ort abbilden und seine Entwicklung veranschaulichen. Die Archivalia der Borussia sind so auch zum großen Teil bereits im saarländischen Sportarchiv untergebracht. Dennoch birgt auch der kleine Archivraum im Keller der Sporthalle am Ellenfeld-Stadion noch so manches interessante Stück. Dazu gehören zwei Gemälde aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, einer Zeit des sportlichen Aufschwungs in ungeahnte Höhen. Borussia wie gemalt – im wahrsten Sinne des Wortes!

1952 war für die Borussia ein besonderes Jahr, in dem der Traditionsverein zurecht auf 40 Jahre ununterbrochene Zugehörigkeit zur ersten Liga stolz sein konnte. Für die Schloss-Brauerei, einen der wichtigen wirtschaftlichen Partner des Clubs, eine willkommene Gelegenheit, der Borussia als Anerkennung der großartigen Leistungen ein Geschenk zu machen und damit die enge Verbindung zwischen Unternehmen und Verein zu dokumentieren. Beim Neunkircher Künstler Karl Hock wurde ein Gemälde in Auftrag gegeben, das eine Stadionansicht aus südlicher Richtung darstellt. Im Vordergrund ist die 1930 errichtete Tribüne zu sehen – nach außen als zweigeschossiger Bau mit ihren auf der linken und rechten Seite hervorspringenden niedrigeren Nebenbauten. Sie duckt sich geradezu in den Schatten der übermächtigen Schlossbrauerei, die oberhalb der von Bäumen umsäumten Gegengeraden regelrecht über dem Ellenfeld thront. Über der Gegengeraden die große blecherne Werbetafel der Schlossbrauerei – Teile dieser Werbetafel lagern noch heute im Bauch der heutigen Tribüne. Auf der rechten Seite zu erkennen die Formation der hoch aufgeschossenen Pappeln, die bis zum Bau der Sporthalle die östliche Begrenzung des Ellenfelds darstellten.

Drei Jahre später widmete der Kunstmaler H. Morsch der Borussia ein Gemälde, das einen Fußballer im traditionellen Borussen-Look der damaligen Zeit zeigt. Im schwarz-weißen Dress mit dem signifikanten Brustring und der Schnürung im Brustbereich symbolisiert der Spieler mit all seine Dynamik und Entschlossenheit beim Torschuss die aufstrebende Entwicklung der Borussen, die gerade in diesen Jahren die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte einläuten. Eine stetige Verbesserung in der Abschlusstabelle der Oberliga (1955/56: 6. Platz / 1956/57: 5. Platz / 1957/58:3. Platz) führt in den Folgejahren dreimal zum Gewinn der Vizemeisterschaft und zur Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. 1959 qualifiziert sich Borussia für das DFB-Pokalendspiel (2:5 gegen Schwarz-Weiß Essen), um 1962 erstmals gegen die starke Konkurrenz aus Pirmasens, Saarbrücken und Kaiserslautern den Südwest-Titel zu gewinnen. Parallel zum sportlichen Aufstieg wird die Sporthalle im Ellenfeld errichtet. Bis zum 50jährigen Vereinsjubiläum 1955 wird der erste Bauabschnitt (der Unterbau der heutigen Sporthalle mit verschiedenen Funktonsräumen und betonierten Stehrängen hinter dem Tor) fertiggestellt. Mit seinem Entwurf für den zweiten Bauabschnitt (Sporthalle) knüpft Architekt Felix Schaan an das neue Bauen der Nachkriegsmoderne an, indem er die Halle zum Innenraum des Stadions mit einer Glasfassade öffnet und mit einem geschwungenen Dach versieht. „Die Sporthalle korrespondiert in ihrer Formensprache mit der spektakulären Architektur des Neunkircher Stadtbades von Josef Wilhelm Stockhausen“, stellt Jens Kelm und Tobias Fuchs in ihrem Buch „100 Jahre Ellenfeld“ fest. Das Morsch-Gemälde greift auf diesen Hallenentwurf im Hintergrund zurück und unterstützt damit die schwungvolle Bewegung des Borussen-Stürmers, der bei seinem mit muskelbepackten Oberschenkeln vollzogenen Torschuss in seiner Wucht durch nichts aufzuhalten scheint.

Vor einigen Jahren restauriert und sorgsam mit Leintüchern abgedeckt schlummern die beiden Gemälde, die an die große Tradition der Borussia erinnern, derzeit tief unten im Keller der Ellenfeld-Sporthalle. Dass sie eines Tages (nach Sanierung des Stadions) wieder „das Licht der Welt erblicken“ und einen festen Platz in den Räumlichkeiten der Borussia finden – das wäre sehr zu wünschen. Die beiden Gemälde wären es auf jeden Fall wert! (-jf-)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*