Ein „kleiner Heher Bub“ eroberte die Fußballwelt

Borussia trauert um Heinz Simmet – ein Nachruf

Große Trauer hier, Freude dort. Während die Fußballfreunde in Köln, Essen und Neunkirchen trauern, darf der Himmel sich freuen. Willi Ertz, Günter Schröder, Paul Pidancet, Elmar May und alle anderen werden ihren ehemaligen Mannschaftskameraden bei seiner Ankunft drüben herzlich begrüßt haben, ist er doch ab sofort eine enorme Verstärkung für die Fußballmannschaft auf der anderen Seite des Lebens. Borussias früherer Stürmer Heinz Simmet hat am vergangenen Dienstag im Alter von 79 Jahren seinen Vertrag auf Erden aufgelöst und ist heimgekehrt. Die Borussen trauern um ihn mit seinen Angehörigen, Freunden und früheren Vereinen und werden ihrem spielstarken Offensivakteur und vorbildlichem Kämpfer in der Vereinshistorie ein bleibendes Andenken bewahren. Denn wer – wie er – Erinnerungen hinterlassen und die Seele berührt hat, wird weder vergessen werden noch verloren gehen!

Wer auf das Leben und die Karriere des Heimgegangenen zurückschaut, bekommt einen Einblick in eine ganz andere, aber sehr erfolgreiche Zeit der Borussia. Angefangen hat alles in der Jugend des SV Göttelborn. Im Ortsteil der Gemeinde Quierschied wurden schon früh die besonderen Talente des kleinen Heinz sichtbar. Mit der A-Jugend seines Heimatvereins wurde er 1961 Vizemeister des Saarlandes. Ein Jahr später schlüpfte der nun dem Jugendbereich entwachsene Heinz Simmet nach Heusweiler ins Trikot des SV Holz, mit dem er in einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken zu überzeugen wusste. „Der FC wollte mich dann sofort verpflichten“, erinnerte er sich in einem Interview, „doch als mein damaliger Vereinsvorsitzender davon erfuhr, brachte er mich mit Norbert Engel, dem damaligen Chef der Borussia in Kontakt. Hier fand ich den menschlichen Umgang einfach interessanter und unterschrieb dann auch ganz schnell.“ Eine Unterschrift, die der talentierte Stümer nicht zu bereuen brauchte.

Denn im Ellenfeld startete der damals 19jährige so richtig durch! Am 11. August 1963 debütierte er beim 5:1-Auswärtssieg der Borussia beim BSC Oppau, erzielte auf der Mittelstürmerposition gleich sein erstes Tor. Am Rundenende hatte er mit 27 Einsätzen und 10 Toren wesentlichen Anteil an der Südwestmeisterschaft, der die Borussen anschließend in der Aufstiegsrunde mit dem Sprung in die Bundesliga die Krone aufsetzten. Hier setzte ein Wadenbeinbruch Heinz Simmet zunächst außer Gefecht, doch der Angreifer ließ sich nicht unterkriegen: Im Frühjahr 1965 kehrte er trotz starker Konkurrenz in die Borussen-Stammelf zurück und hatte mit 7 Treffern in 7 Spielen eine tolle Quote aufzuweisen. In besonderer Erinnerung waren ihm bis zuletzt die Spiele gegen Eintracht Frankfurt (4:0) und den VfB Stuttgart (3:1): „Da habe ich jeweils zwei Tore geschossen!“ Nicht zuletzt dank Heinz Simmet landete die Borussia als Aufsteiger am Ende auf Rang 10 – die beste Platzierung, die ein saarländischer Club in der Bundesliga erreicht hat! Im Jahr danach konnten die Schwarz-Weißen aus dem Ellenfeld die grandiose Leistung aus der Premierensaison nicht mehr wiederholen. Auch wenn Heinz Simmet persönlich eine gute Runde ablieferte (6 Tore in 21 Spielen), so mussten die Borussen doch den bitteren Abstieg in die Regionalliga akzeptieren.

Der im elterlichen Betrieb ausgebildete Maler (Foto oben) brachte auch auf dem grünen Rasen Farbe ins Spiel – ob im Training (Foto Mitte) oder im Spiel (Foto unten). (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen)

Doch der Göttelborner Junge hatte Blut geleckt, wollte weiter erstklassig spielen. „Wer einmal Bundesliga-Luft gerochen hat, der kann nicht mehr aussteigen“, so Heinz Simmet, der – nicht zuletzt aus Gründen der Heimatverbundenheit – einem Wechsel zu den Roten Teufeln im nicht weit entfernten Kaiserslautern entgegensah. Doch der kam aus finanziellen Gründen nicht zustande. Was tun? Bundesliga-Aufsteiger Rot-Weiß Essen hatte die Fühler nach Simmet ausgestreckt, und der nahm das Angebot an, musste aber nach einem Jahr ein Dejavu-Erlebnis verkraften: Denn die Rot-Weißen sonnten sich nur 34 Spiele in der „bel etage“ des deutschen Fußballs. Heinz Simmet musste sich erneut nach einer neuen „Wirkungsstätte“ umsehen, und die hieß: 1. FC Köln!

In Müngersdorf nahm die Karriere so richtig Fahrt auf. Doch Heinz Simmet, der sich bereits im Ellenfeld den Ruf eines kompromisslosen Kämpfers erworben hatte, musste dabei Widerstände überwinden: „Köln war kein Essen, Neunkirchen oder Holz“, hat er einmal in einem Gespräch durchblicken lassen, „denn in Köln brach ich in eine neue Welt ein. Die Menschen kamen mir so `hochgestochen´ und ´überkandidelt´ vor. Ich wollte wieder weg, hatte Heimweh. Auf dem Trainingsplatz ging es sehr hart zur Sache, und mir wurde bewusst, dass ich nur ein ´kleiner Kerl´ aus dem Saarland war“, gab er einen Einblick in sein damaliges Seelenleben. Doch aufgeben galt nicht: Mit der Zeit freundete sich der „kleine Kerl“ aus dem Saarland mit der rauhen Luft an, kämpfte sich mit Geduld und Beharrlichkeit Trainingseinheit für Trainingseinheit an das mit Nationalspielern (u.a. die Vizeweltmeister von 1966 Wolfgang Overath, Wolfgang Weber) gespickte Team heran und war dann als Dauerläufer, Ballschlepper und Antreiber im Mittelfeld aus der Stammmannschaft nicht mehr wegzudenken. Elf Jahre hielt der eiserne „Simme“ die Knochen für die Geißböcke hin. Neben dem Bundesliga-Aufstieg und dem Klassenerhalt mit der Borussia bezeichnete er den dreimaligen Gewinn des DFB-Pokals sowie das Double aus Meisterschaft und Pokal im letzten Karrierejahr 1978 als seine größten Erfolge – Erfolge, wie sie kaum ein anderer der Kölner Clubgeschichte aufweisen konnte! Dazu gehören auch internationale Auftritte mit dem FC im Messepokal und Europacup der Pokalsieger sowie zwei U23-Länderspiele. In Zahlen: 419 Bundesligaspiele, 55 Tore, von 1970 bis 1977 259 Bundesligaeinsätze in ununterbrochener Folge, einsamer Rekord bis heute! Eine rote Karte sah er dabei nie, sorgte aber für manche Anekdote. So zog der Spaßvogel einst in einem Derby gegen Borussia Mönchengladbach seinem Gegenspieler Horst Köppel flugs das Toupet vom Kopf!

Reminiszenzen an Heinz Simmet: Autogrammbilder aus Neunkirchen und Köln, auch auf dem Titelbild des „Kicker“ fand sich der Angreifer für herausragende Leistungen belohnt.

Es muss nicht verwundern, dass Heinz Simmet auch nach der aktiven Spielerlaufbahn dem Fußball eng verbunden blieb. Seit 1967 war er in Hürth-Efferen heimisch geworden, betrieb viele Jahre ein Malergeschäft in Köln-Ehrenfeld und kickte als „Fußballrentner“ noch im Amateurbereich weiter: Den SC Blau-Weiß Köln, die Spvgg Frechen und die BSG Macha Heppendorf erfreute Heinz Simmet mit seinen Toren und Fußballkünsten, spielte zudem noch lange mit FC-Freunden wöchentlich Fußball in der Halle des Geißbockheims. Aber auch seine Heimatgemeinde Göttelborn hatte ihren großen Fußballsohn nicht aus den Augen verloren: 2013 wurde der „Heher Bub“ mit der Eröffnung eines Heinz-Simmet-Weges, ein Jahr später mit einem nach ihm benannten U13-Jugendturnier um den „Heinz Simmet-Cup“ gewürdigt. Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Bundesliga wurde der Stürmer unter allen Saarländen, die seit 1963 in der höchsten deutschen Klasse gespielt haben, in eine Saarland-Jubiläumself gewählt.

Die Erinnerungen an Heinz Simmet sind kleine Sterne, die jetzt tröstend in das Dunkel unserer Trauer hineinleuchten. Erinnerungen, die dankbar Platz genommen haben in den Herzen all derer, die Heinz Simmet kannten. Borussia verneigt sich vor der Lebensleistung von Heinz Simmet. Ein „kleiner Heher Bub“, der auszog, die Fußballwelt zu erobern, hat sich als ganz Großer verabschiedet. Im Ellenfeld und in der Borussen-Historie wird er für immer einen Teil seiner irdischen Heimat haben. Ruhe in Frieden, Heinz Simmet! (-jf-)

Ein Blick ins Fotoalbum der Borussia lässt Momente der Karriere von Heinz Simmet noch einmal lebendig werden. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen – vielen Dank an Wolfgang Rausch!)

Kampf um die Südwestmeisterschaft: Heinz Simmet gegen den alten Südwestrivalen FK Pirmasens (Foto oben und unten)

Treffsicher im Trierer Moselstadion: Beim 3:1 der Borussia in Trier im Februar 1964 machte Heinz Simmet (oben und unten, Nr. 9) mit seinem finalen Tor alles klar – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Titelgewinn!

Südwestmeister 1964: Heinz Simmet im Kreis seiner Mannschaftskameraden (v.l.) Elmar May, Günter Kuntz, Paul Pidancet und Erwin Glod.

Ausbildungszentrum der Handwerkskammer in Kirkel – auch für Heinz Simmet oft sportliche Heimat vor den Spielen in der Bundesliga!

4:0 gegen Eintracht Frankfurt – ein Highlight in der Karriere von Heinz Simmet!

Heinz Simmet (Mitte) und Günter Heiden (li.) vereint gegen Schalke 04 – in dieser Szene kommen die Borussen-Stürmer allerdings gegen Friedel Rausch (li.) und Keeper Gyula Toth (am Boden) zu spät.

Blumen für eine tolle Saison: Heinz Simmet (2. v.l.) und die Borussen werden im Mai 1965 vor dem letzten Spiel gegen den VfB Stuttgart geehrt. Beim anschließenden 3:1-Sieg trifft Heinz Simmet gleich zweimal!

4 Kommentare

  1. herzlichen Dank für den schönen Bericht. Heinz Simmet bleibt bei allen Fussballfreunden mit seiner Borussia und den grossen Fussballzeiten im Saarland in bester Erinnerung. Auch mit beim 1. FC Köln bleibt ereiner der ganz Grossen. You will never walk alone, Heinz Simmet!

  2. Hallo Borussia Neunkirchen,

    toller Bericht über den verstorbenen Heinz Simmet, der aus Neunkirchen in die große Fußball Welt auszog.
    Als Wormser Buuh war ich bei den Spielen im Wormatia Stadion gegen Neunkirchen, Pirmasens, 1.FC Saarbrücken, Völklingen oder Alsenborn immer dabei. Das waren noch Zeiten.

  3. Danke für diesen tollen Beitrag!
    Ich habe als kleiner Junge Heinz Simmet mit der Borussia im Ellenfeld gesehen und auch zweimal in Müngersdorf bei zwei FC Siegen!Ich wurde durch Wolfgang Overath Fan vom 1.FC Köln ,verehre diesen heute noch aber ich weiß auch, daß Wolgang Overath ohne Heinz Simmet oft nicht solche brillanten Spiele gemacht hätte !

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