„Der Nikolaus war noch nie der Osterhase!“

Interview mit Borussias Ex-Trainer Björn Klos vor dem morgigen Testspiel auf dem Haldy in Merchweiler zwischen Preußen und Borussia

ACHTUNG, HINWEIS: Der 1. FC Riegelsberg hat seine Teilnahme am Mini-Turnier in Merchweiler kurzfristig abgesagt. Deshalb treffen Preußen Merchweiler und die Borussia zu einem 90minütigen Testspiel aufeinander. Schiedsrichter Julian Marx wird die Begegnung um 15.00 Uhr anpfeifen!

Fast fünf Jahre war er im Ellenfeld erfolgreich, übernahm die Borussia nach dem Oberliga-Abstieg im September 2017 in schwieriger Lage und führte sie in die Spitze der Saarlandliga. Dennoch blieb ihm die verdiente Krönung seiner langjährigen Arbeit, sprich: die Rückkehr in die Oberliga, am Ende versagt. Gegen Idar-Oberstein und Kirchberg scheiterten die Borussen im vergangenen Sommer in einer stimmungsvollen Relegationsrunde. Nun setzt er seine erfolgreiche Arbeit auf der Trainerbank eine Klasse tiefer bei Preußen Merchweiler fort: Björn Klos. Dort ist man mit dem 39jährigen mehr als zufrieden: „Björn Klos ist ein Glücksfall für uns“, sagen der sportliche Leiter Peter Hornung und Teammanager Ronny Steil unisono, „er steht für offensiven, attraktiven Fußball, integriert unsere jungen Spieler, setzt sich intensiv mit der zweiten Mannschaft auseinander und engagiert sich im Vereinsleben.“ Kein Wunder also, dass man bei den Preußen den Vertrag mit dem Coach schon vor der Winterpause um ein weiteres Jahr verlängert hat. Im Interview sprich Björn Klos (BK) über die aktuelle Situation bei Preußen Merchweiler, aber auch darüber, was er seiner ehemaligen Truppe aus dem Ellenfeld zutraut.

Björn, aus dem Mini-Turnier bei Euch auf dem Haldy wird ein ganz normales Testspiel, ein bisschen traurig, oder?

BK: Nein, das Miniturnier wäre zwar eine reizvolle Angelegenheit gewesen. Dadurch, dass man es mit unterschiedlichen Gegnern zu tun hat, gibt es  Möglichkeiten, etwas auszuprobieren und mit unterschiedlichen Herangehensweisen zu operieren. Aber ich freue mich auch so ungemein auf die sportliche Begegnung mit meinem ehemaligen Verein, in dessen Reihen ich ja noch eine ganze Menge Menschen kenne und schätze, und ich hoffe, dass viele Borussen-Fans den Weg zu uns nach Merchweiler finden.

Du hast den Preußen-Adler zu einem unübersehbaren Höhenflug ansetzen lassen. Noch ungeschlagen, vorzeitiger Gewinn der Herbstmeisterschaft, Viertelfinale im Saarlandpokal gegen den 1. FC Saarbrücken – was sind die Ursachen für diesen Erfolg?

BK: Es passt hier in Merchweiler einfach vieles zusammen. Um die Gemengelage kurz zusammenzufassen: Die Mannschaft stellt eine gesunde Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen, erfolgshungrigen Akteuren dar. Die Jungs ziehen konsequent mit, nehmen alles dankbar und lernwillig an und versuchen es umzusetzen. Das Team, mit dem zusammenzuarbeiten, großen Spaß macht, hat sich stetig weiterentwickelt und dabei einen unglaublichen Ehrgeiz an den Tag gelegt. Zudem unterstützt uns der Verein sehr, nimmt Anregungen auf und lässt uns in Ruhe arbeiten. Und die treuen Zuschauer feuern uns an. Das macht in der Summe den Erfolg aus. Sonst kann man nicht 18 von 19 Pflichtspielen gewinnen, schon gar nicht mit fast derselben Mannschaft, die letzte Saison im Mittelfeld der Tabelle stand.

Du sagst es: Bisher seid Ihr noch unbesiegt durch die Saison gezogen. Was soll einem Aufstieg in die Saarlandliga noch entgegenstehen?

BK: Vorsicht! Unsere Gegner haben sich in den letzten Spielen vor der Winterpause zunehmend auf unseren offensiv ausgerichteten Spielstil eingestellt. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass sich fast alle Mannschaften gegen uns in der eigenen Hälfe geradezu verbarrikadieren, war es nicht einfach, die Spiele trotzdem zu gewinnen. Das wird schon noch eine herausfordernde Restrunde! Wir dürfen uns nicht auf den erworbenen Lorbeeren ausruhen. Und ich glaube, meine Spieler wissen, dass wir nicht ein Prozent nachlassen dürfen und ich ihnen weiter unter der Woche im Nacken sitzen werde. Wie meine Freunde Mike Wirges und Uli Hoeness schon so schön gesagt haben: `Der Nikolaus war noch nie der Osterhase!´ Es ist klar, dass wir in der Rückrunde die Gejagten sind und natürlich noch nichts entschieden ist, schließlich ist jeder Gegner scharf darauf, uns die erste Niederlage beizubringen. Allerdings machen wir uns selbst keinen Druck, weil wir unser Miteinander einfach in jedem Training genießen.

Genießen dürft Ihr sicher auch das Pokal-Gastspiel des 1. FC Saarbrücken …

BK: Auf jeden Fall! Es freut mich zum einen für den gesamten Verein, der es mit den viele ehrenamtlichen Helfern ein solches Highlight einfach mal verdient hat, zum anderen für meine phantastische Mannschaft, weil sie so viel Ehrgeiz und Herzblut investiert hat und dafür belohnt worden ist. Ich hoffe unabhängig vom Spielausgang, dass wir alle dieses Event genießen können und nicht so schnell vergessen werden.

Unvergessene Momente: Untröstlicher Björn Klos nach dem Scheitern in der Relegation in Kirchberg! zu gerne hätte der „Herzblut-Trainer“ seine Arbeit im Ellenfeld mit dem Aufstieg gekrönt – er hätte es verdient gehabt! (Foto: -jf-)

Ein Blick zurück auf die Borussia, zu der Du nach 5 Jahren im Ellenfeld natürlich immer noch Kontakte hast. Was traust Du der Mannschaft in der restlichen Runde zu?

BK: In der Saarlandliga geht es, wie ein Blick auf die Tabelle zeigt, extrem eng zu. Es gibt, Stand jetzt, keinen klaren Favoriten, keine Mannschaft, die sich vorzeitig absetzen wird. Bei allem Respekt vor den Leistungen einer jungen, wilden Truppe wie der des FC Homburg (U23) glaube ich, dass auf Strecke gesehen erfahrene Teams die Nase vorn haben werden. Köllerbach, Saar 05, Quierschied und die Borussia haben sicher gute Aussichten, am Ende vorne zu landen. Wenn die Borussen gut aus den Startlöchern kommen und in den ersten Partien ordentlich punkten, wobei sie gleich im ersten Spiel gegen Hasborn schon ein richtiges Brett vor sich haben, dann traue ich ihnen zu, einen der ersten beiden Plätze zu belegen. Das würde mich nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für den ganzen Verein mit den treuen Fans freuen. Auf der anderen Seite will ich nicht verhehlen, dass es schon eine gewissen Charme hätte, in der kommenden Saison mit den Preußen aus Merchweiler im Ellenfeld spielen zu dürfen. Da mache ich kein Geheimnis draus.

Björn, vielen Dank für das Gespräch! Wir sind sehr gespannt auf das morgige Testspiel und wünschen Dir und Deiner Mannschaft für die Rückrunde ganz viel Glück und Erfolg! (-jf-)

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