Wellness für Ohren und Muskeln

Borussias „Physio“ Helena Brill im Porträt / Physiotherapie, Fußball und Klavierspielen bestimmen ihr Leben / Früher selbst als Torhüterin in Wemmetsweiler aktiv

Unser Bild: Immer einsatzbereit – fachkundig kümmert sich Helena Brill am vergangenen Wochenende in Wiesbach um Sebastian Cullmanns Knöchelprobleme. (Foto: -jf-)

Für den Komponisten und Kirchenmusiker Carl Philipp Emanuel Bach steht beim virtuosen Klavierspiel die Fingersetzung an erster Stelle. Denn auch Finger und Hände haben ein Gedächtnis. Ein Gedächtnis der Bewegungen. Am Klavierspielen sei an sich nichts Bemerkenswertes, so sein Vater Johann Sebastian Bach, man müsse nur die Tasten zur rechten Zeit treffen. Der Fingersatz kann dabei eine entscheidende Hilfe sein. Und natürlich das gewisse Gefühl in den Händen. Das gilt auch für die Massage. Ob Streichung, Knetung, Reibung, Klopfen oder Vibration, wie die gängigsten Massagegriffe genannt werden – einfühlsame Hände, die mit ihren Bewegungen die Durchblutung fördern, die Muskulatur lockern und wärmen, die Regeneration fördern, sind in der Physiotherapie unerlässlich.

Helena Brill weiß das. So wie sie die Hände flink und geschmeidig über die Tasten ihres Klaviers gleiten lässt, die richtige Taste zur richtigen Zeit trifft und auf diese Weise Wellness für die Ohren hervorzaubert, so sorgt sie am Massagetisch im Behandlungsraum des Ellenfelds vor oder nach Training und Spiel bei den Borussen-Jungs mit virtuosen, gefühlvollen, mitunter aber auch kräftigen Griffen für körperliche Wellness.

Seit Sommer 2021 steht die 23jährige in Diensten der Borussia. Als empathischer Mensch mit sozialer Ader, dem es Freude bereitet, anderen zu helfen, hat sie sich schon früh für einen Beruf im Pflegebereich interessiert. Ihr Studium der Physiotherapie in Saarbrücken hat sie fast beendet. „Es fehlen noch ein paar Scheine. Die Bedingungen in Corona-Zeiten sind gerade in der Physio schwierig. Denn die praktischen Dinge, zum Beispiel bestimmte Griffe, sind im online-Unterricht nur eingeschränkt durchführbar“, erzählt Helena Brill. Beim SC Wemmetsweiler war sie selbst vier Jahre lang als Torhüterin aktiv, ehe sie nach einem Kreuzbandriss die Fußballschuhe lieber in die Ecke stellte. Was aber lag näher, sich als ausgewiesene Fußballfachfrau und angehende Physiotherapeutin der stark beanspruchten Muskulatur der aktiven Sportler zu widmen?

Den Kontakt zur Borussia hat Geschäftsstellenleiter Boris Schellenberg, ein Bekannter ihres Friseurs, hergestellt. „Von ihm wusste ich, dass die Borussia eine neue Kraft sucht“, berichtet Helena Brill. Ihr Vorgänger im Ellenfeld, Max Herrmann, hatte sich mit eigener Praxis („Grenzenlos“) selbstständig gemacht, der Aufwand inklusive tägliche Fahrt von Saarbrücken, war für ihn nicht mehr zu stemmen. Also: Nichts wie ran an die Borussen, hieß es für Helena Brill, die im Kreis der Mannschaft gut angekommen und dank ihrer Fachkompetenz voll akzeptiert ist. Sichtbares Zeichen dafür: Im traditionellen Mannschaftskreis nach den Spielen darf Helena Brill nicht fehlen! Sie hat einen guten Draht zu den Spielern, die Arbeit macht ihr sichtlich Spaß. Auch bei den Trainingseinheiten ist sie in der Regel dabei – Ansprechpartnerin, die bei auftauchenden Problemen sofort vor Ort helfen kann. „Das gibt den Jungs ein gutes Gefühl“, weiß Helena Brill.

Top integriert in den Staff (oben mit Betreuer Wolfgang Detemple, Borussen-Doc Sebastian Richter und Co-Trainer Özal Acar) und in die Mannschaft (unten) – Physiotherapeutin Helena Brill ist im Ellenfeld längst angekommen und voll akzeptiert. (Fotos: -jf-)

Wie sieht ihr Arbeitstag an Spieltagen aus? „Zum abgemachten Treffpunkt, bei Heimspielen meist zwei Stunden vor dem Anpfiff, baue ich die Massagebank auf, frage dann in die Runde, wer was braucht, und stehe für Behandlungen zur Verfügung, bis Trainer Björn Klos seine Kabinenansprache hält. Beim Aufwärmen ist dann eventuell noch ein Verband anzulegen. Mit Spielbeginn nehme ich dann auf der Bank Platz und halte mich einsatzbereit“, erzählt Helena Brill, für die aber auch mit dem Schlusspfiff noch lange nicht alles zu Ende ist. „Je nach dem, was im Spiel passiert ist, geht es manchmal dann erst richtig los. Bei Verletzungen werfe ich dann gemeinsam mit unserem Doc Sebastian Richter einen Blick drauf, um eine Diagnose zu erstellen, und wir überlegen, was zu tun ist.“ Ein langer Tag, oft mehr als sechs Stunden. Bei Heimspielen sitzt Helena Brill dann oft noch mit Mannschaft und Betreuern in der Kabine zusammen. Die Geselligkeit soll nicht zu kurz kommen, der gute Teamgeist kommt nicht von ungefähr! Da ist es auch keine Frage, dass die Zusammenarbeit mit Borusse-Doc Sebastian Richter ausgezeichnet funktioniert: „Das ist unkompliziert. Wir verstehen uns gut und informieren uns gegenseitig umgehend, wenn einer mal nicht dasein kann.“

Das Engagement bei der Borussia hilft ihr, berufliche Erfahrungen zu sammeln. Erfahrungen, die ihr später zugutekommen können. Denn die Selbstständigkeit steht durchaus auf ihrer Agenda. Doch das ist zurzeit noch Zukunftsmusik. Momentan spielt die Musik für Helena Brill noch im Ellenfeld und an der Uni in Saarbrücken. Zum Musikmachen zuhause in Uchtelfangen, wo sie zusammen mit ihrem Freund wohnt, kommt Helena Brill augenblicklich viel zu selten. Denn das Klavier steht noch bei ihrer Mutter. „Schade“, bedauert sie, „aber alles hat halt seine Zeit.“ Dass sie inzwischen die Fingerfertigkeit nicht verliert, dafür sorgt die Pflege der Borussen-Muskeln. Deren Melodie, deren Rhythmus versucht Helena Brill mit sensiblem Griff nachzuspüren, um dann virtuos, empathisch, aber auch entschlossen den richtigen Ansatzpunkt zu treffen.

Borussia bedankt sich bei Helena Brill für die gute Arbeit und wünscht weiterhin viel Erfolg bei ihrem Engagement im Ellenfeld! (-jf-)

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