Marlon Beckinger wird ein Borusse

Noch am Sonntag stand er für den FV Schwalbach gegen die Borussia zwischen den Pfosten. Fast wäre es ihm bis zum Schluss gelungen, die weiße Weste zu bewahren. Doch gegen Kevin Saks´ Gewaltschuss unter die Latte war er machtlos. Im Sommer schlüpft er selbst ins Borussen-Trikot: Torhüter Marlon Beckinger wechselt ins Ellenfeld.

Dass er in seinem letzten Heimspiel im Schwalbacher Jahnstadion ausgerechnet auf seinen neuen Club trifft, glaubte der 21jährige anfangs, locker wegstecken zu können: „Aber spätestens bei meiner Verabschiedung vor dem Spiel habe ich gemerkt, dass das doch nicht so einfach ist, und war sehr angespannt“, gibt Marlon Beckinger einen kleinen Einblick seine Gefühlswelt just in dem Moment, als ihm der Abschied so richtig bewusst wurde. Natürlich hat er sich am Ende auch über den 4:1-Sieg gefreut, schließlich wollte er sich nicht als Absteiger aus dem Jahnstadion verabschieden, dennoch konnte er ein gewisses Bedauern für die Borussia nicht verhehlen: „In der Mannschaft steckt viel mehr, als sie gezeigt hat. Von der individuellen Qualität her darf die Borussia das Spiel nicht so verlieren“, so die Eindrücke des Keepers, der aus zwei Jahren Schwalbach viel Positives mitnimmt: „Eine schöne Zeit in einem gut geführten Club mit familiärer Atmosphäre und guter Kameradschaft im Team. Sportlich war es allerdings nicht immer einfach, weil wir in der Saarlandliga vom ersten Spiel an permanent Druck im Abstiegskampf hatten.“ Um so ausgelassener die Freude, dass mit den drei Punkten am Sonntag der Klassenerhalt endgültig „eingetütet“ war: „In Primstal können wir jetzt zum ersten Mal in dieser Saison wirklich befreit aufspielen“, ist Marlon Beckinger erleichtert, räumt aber auch ein, dass er durch die Drucksituation einiges gelernt hat: „Ich kann jetzt viel besser mit Stress umgehen, auch über den Sport hinaus!“

Letztmalig Einlaufen im Jahnstadion mit den Teamkameaden in Grün (oben) – anschließend die Verabschiedung (unten): Marlon Beckinger behält die Zeit beim FV Schwalbach in guter Erinnerung. (Fotos: -jf-)

Dass er bei der traditionsreichen Borussia auch Druck hat, ist ihm durchaus bewusst. Doch der lange Torwart hofft, „dass es positiver Druck ist und wir in höheren Tabellenregionen angesiedelt sein werden.“ Einige negative Schlagzeilen über die Borussia konnten Marlon Beckinger nicht von einem Wechsel ins Ellenfeld abhalten. „Zum einen hatte ich sehr gute Gespräche mit Trainer Björn Klos und dem Sportvorstand Gunther Persch, kenne zum anderen auch Torwart-Trainer Mario Rino recht gut. Die Aufgabe im Ellenfeld empfinde ich als sportlich sehr reizvoll. Die Borussia ist für mich trotz aller Probleme immer noch einer der großen Vereine im Saarland mit einer beeindruckenden Historie, dazu mit einem Stadion, das eine tolle Atmosphäre hat.“ Zweimal trat Marlon Beckinger mit dem FV Schwalbach bereits im Ellenfeld an, beide Male gab es eine knappe 1:2-Niederlage. Doch das konnte bei dem jungen Torwart nichts daran ändern, „dass es jedes Mal etwas ganz Besonderes war, dort einzulaufen.“

Angefangen hat die Karriere des „lockeren Typs, der den Sport trotzdem sehr ernst nimmt“ (so Köllerbachs Vorsitzender Bernd Gillet über Marlon Beckinger) in seinem Heimatort beim SV Biringen-Oberesch in der Nähe von Siersburg. Schon als 5jähriger fühlte er sich als Torwart berufen, was vielleicht auch in seinen Genen steckt: „Schon mein Vater hat schon im Tor gespielt!“ Über die JFG Saarlouis kam Marlon Beckinger 2014 zu Eintracht Trier. Auch dort hat er positive Erfahrungen gemacht: „Ein traditionsreicher Verein, in dem professionell gearbeitet wird. Die Jugend hat oft zusammen mit der ersten Mannschaft trainiert und ich habe dort viel gelernt.“ Ein Highlight: Das Spiel gegen den FC St. Pauli im Rahmen der ersten U19-DFB-Pokalrunde. Trotz der 0:5-Niederlage im Moselstadion wusste Marlon Beckinger zu gefallen, verhinderte lange weitere Gegentore: „Dass St. Pauli nicht frühzeitig zum 0:5 kam, hatte man nicht zuletzt dem mehrfach sehr gut reagierenden Torwart Marlon Beckinger zu verdanken“, war damals im Spielbericht auf der Homepage der Eintracht zu lesen. Doch die Belastung, viermal in der Woche zum Training und am Wochenende zu den Spielen zu fahren, war dem damals 18jährigen auf Dauer dann doch zu groß, zumal nach dem Abitur am Merziger Peter-Wust-Gymnasium 2015 die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen anstand.

Entschlossenes Zupacken: Marlon Beckinger sichert das Leder vor dem heranstürmenden Kevin Saks. (Foto: -jf-)

Deshalb schloss sich Marlon Beckinger im Winter 2016 den Sportfreunden Köllerbach an, wo er den nach Friedrichsthal abgewanderten Routinier Matthias Kuhn beerbte. Über das vom Trainerteam Daniel Magno und Robin Vogtland entgegen gebrachte Vertrauen freute er sich sehr: „Das ist nicht selbstverständlich, wenn man gerade erst aus der Jugend kommt.“ Marlon Beckinger zahlte das Vertrauen zurück, absolvierte 19 Top-Saarlandliga-Spiele im Stadion an der Burg, wo er noch ein Jahr mit Mo Benghebrid zusammenspielte. Dabei konnte der junge Torwart gleich in seinem ersten Spiel für Köllerbach ein Ausrufezeichen setzen: In der Partie beim FV Siersburg lagen die Sportfreunde in der Nachspielzeit mit 0:1 zurück, als der Keeper nach vorne stürmte und nach einem Eckball den Ausgleich vorbereitete! 2017 erfolgte dann der Wechsel nach Schwalbach. Auch dort wurde Marlon Beckinger schnell Stammspieler – über 40 Saarlandliga-Spiele für Schwalbach stehen in seiner Bilanz.

Die Arbeit als Versicherungs- und Finanzkaufmann erlaubt Marlon Beckinger eine freie Gestaltung seiner Termine. „Deshalb ist Fußball und Beruf auch gut miteinander vereinbar“, so der 21jährige, der derzeit noch in Merzig wohnt, aber ab August eine Wohnung in Beckingen bezieht. „Dann passt das auch ganz gut mit dem Familiennamen“, sagt Marlon Beckinger und lacht. Man sieht: Der Mann hat nicht nur Torwartqualitäten und Selbstbewusstsein, sondern auch eine gute Portion Humor!

Borussia wünscht Marlon Beckinger für das letzte Spiel mit dem FV Schwalbach in Primstal viel Glück und Erfolg und freut sich, den Torwart zum Trainingsauftakt am 21. Juni im Ellenfeld begrüßen zu können. Schon jetzt: Herzlich willkommen, Marlon!

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