Das Ding mit den eigenen Gesetzen

Borussia steigt am Mittwoch (17.00 Uhr) beim Namensvetter in Spiesen in den Saarlandpokal ein / Björn Klos: „Ein Weiterkommen ist Pflicht!“

Unser Bild: Mit der notwendigen Kämpfer-Mentalität, wie sie in dieser Szene des Spiels gegen Ottweiler-Steinbach Mo Benghebrid, beobachtet von Yannick Bach (hinten) und Tim Cullmann (23), an den Tag legt, will Borussia in Spiesen im Pokal eine Runde weiter kommen. (Foto: -jf-)

Von Jo Frisch

„Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ – für die einen ein Ausspruch, für dessen Verwendung das Phrasenschwein erfunden wurde, für die anderen ein satzgewordener Hoffnungsschimmer, wieder andere, in der Regel die höherklassigen Verlierer, nehmen ihn als Ausrede für die unerwartete und unerwünschte Niederlage: Die Gesetze sind schuld, weitere Erklärungen überflüssig, Argumente unnötig. „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ – für manche gehört das zu den zehn überflüssigsten Floskeln, die der Fußball je kreiert hat. Geradezu zwingend windet sich die Phrase überall rund um den Pokal. Schon lange hat er Staub angesetzt, dieser Satz, endlos wiederholt und doch ungeklärt, ob der Spruch nun von Otto Rehhagel, vom Kaiser, der auch schon viel sagte, oder letztlich doch vom alten Herberger stammt. Sicher ist nur: Jeder Fußballfan weiß von Kindesbeinen an, was der Pokal haben soll, noch ehe er die Abseitsfalle verstehen lernt. Auch der SV 09 Borussia Spiesen, am heutigen Mittwoch im Stadion Gänsberg (Anstoß: 17.00 Uhr) Gastgeber der Borussia aus dem Ellenfeld, bemüht ihn, den Pokaljargon, der mal passt, zuweilen nervt, dem man aber an Pokalspieltagen kaum entfliehen kann. „In der 2. Runde des Saarland-Pokals trifft unsere erste Mannschaft auf den Nachbarn Borussia Neunkirchen, der (…) als haushoher Favorit in die Partie geht. Aber jeder kennt die Floskel: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“, heißt es auf der Spiesener Homepage.

Reizvoll ist die Partie allemal zwischen den beiden Borussias, deren Plätze nur wenige Kilometer auseinanderliegen und doch unterschiedlicher nicht sein können: Auf der einen Seite das altehrwürdige Ellenfeld, eine historische Sportstätte des Saarlandes, einziges noch nahezu im Urzustand befindliche Stadion aus den Bundesliga-Gründerjahren, bis heute Ziel vieler Groundhopper aus aller Herren Länder – auf der anderen Seite der nigelnagelneue vereinseigene Kunstrasenplatz, gerade erst nach vier Wochen Bauzeit eingeweiht und der ganze Stolz der Borussia aus Spiesen, die im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird. Dort, wo die Borussia aus dem Ellenfeld im Übrigen schon vor 35 Jahren (am 29. August 1983) mal anlässlich einer Einweihung des rundum erneuerten Geländes zu Gast war, steigt jetzt am späten Mittwochnachmittag das Derby – oder der der Kampf David gegen Goliath, noch so eine Floskel, die, was die Ligen-Zugehörigkeit betrifft, allerdings schon ihre Berechtigung hat. Denn noch in der vergangenen Saison konnten die Borussia-Fans im Ellenfeld den Namensvetter aus Spiesen als Gast der U23-Borussen in der Bezirksliga Neunkirchen erleben: 5:2 lautete das Endresultat für das Team aus dem Ellenfeld, im Rückspiel allerdings gelang es den Spiesenern, sich mit 2:1 zu revanchieren. Mit 46 Punkten landete die benachbarte Borussia im guten Mittelfeld der Liga, war vor allem zuhause stark (33 Punkte). Dank einer guten Rückrunde (28 Punkte) konnte das Abstiegsgespenst, das sich zeitweilig im Stadion Gänsberg herumgetrieben hatte, schnell verscheucht werden. Beachtenswert die Tatsache, dass vier Spieler drei Viertel der insgesamt 72 Tore auf ihrem Konto verbuchten: Sascha Weller (21), Gordon La Quatra (13), Kapitän Steven Johänntgen (12) und Daniel Weyrich (10).

Mit neun Neuverpflichtungen ist Borussia Spiesen in der neuen Saison vor allem in der Breite besser aufgestellt. „Durch die Neuzugänge hat unsere Mannschaft an Quantität, aber auch an Qualität dazu gewonnen“, glaubt der von Torwarttrainer Markus Krumm im Übungsbetrieb tatkräftig unterstützte Spielertrainer Sascha Weller, der sich mit der Formulierung des Saisonziels dennoch nicht zu weit aus dem Fenster hinauslehnen möchte und es bei „fußballerisch weiterentwickeln“ belässt. Mit der Vorbereitung war man in Spiesen insgesamt zufrieden. Auch der Saisonstart kann als wirklich gelungen bezeichnet werden: Sechs Punkte aus zwei Spielen! Nach einem 2:1-Auftaktsieg zuhause gegen den SV Altstadt (Tore: Yanik Willberger und Gordon La Quatra) konnte das im Durchschnitt 26 Jahre alte Borussen-Team auch die erste Partie auf fremdem Gelände beim SC Falscheid mit 5:1 gewinnen, wobei man von der mangelhaften Chancenverwertung des Gegners profitierte und die individuelle Fehler gnadenlos bestrafte. Kapitän Steven Johänntgen tat sich dabei besonders hervor: Er „erschoss“ den SC Falscheid mit vier Treffern quasi im Alleingang!

Die Borussia aus dem Ellenfeld ist also – nicht nur durch das Erlebnis in Bübingen am Wochenende – hinreichend gewarnt und wird das Spiel am Feiertag Mariä Himmelfahrt nicht auf die leichte Schulter nehmen können. Schließlich wollen die Schützlinge von Björn Klos nicht gleich in Runde eins „zur Hölle fahren“, sondern in dieser Saison im Saarlandpokal wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Zur Erinnerung: Vor Jahresfrist war für Borussia nach einem 5:1 in Reiskirchen und einem 3:0 beim SV Hellas Bildstock in Riegelsberg (2:3) Endstation. „Das Pokalspiel in Spiesen liefert eine ganz ähnliche Ausgangssituation wie die Partie in Bübingen“, schätzt Björn Klos, „wir haben erneut die Favoritenrolle, die wir auch annehmen und auf den Platz bringen müssen.“ Gerade deshalb hat der Borussen-Coach im Training die 90 Minuten von Bübingen gemeinsam mit der Mannschaft noch einmal angeschaut, per Video minutiös seziert und die Fehler exakt analysiert – „nicht als Bestrafung, sondern zur Selbstreflexion, aus der wir die entsprechenden Lehren ziehen müssen, um aus einem schlechten Spiel wenigstens etwas Positives mitzunehmen“, wie Björn Klos sagt. Egal, welche Mannschaft der Borussen-Trainer auf den neuen Kunstrasen von Spiesen schickt (der enge Kader bietet ohnehin nicht viele Alternativen), eines stellt er im Vorfeld klar: „Ein Weiterkommen ist Pflicht – ohne Wenn und Aber!“ Da stellt sich dann die Frage nach den besonderen Pokal-Gesetzen nicht mehr. Aber vielleicht hat der Pokal ja auch gar keine eigenen Gesetze – vielleicht sind diese ihm zugeschriebenen eigenen Gesetze nur eine Fortführung dessen, was auch in der Liga und in jedem anderen Wettbewerb gilt: Wer schlecht spielt, darf sich nicht wundern, wenn er verliert – egal, in welcher Liga der Gegner spielt!

Achtung, Borussen-Fans aus Neunkirchen! Borussia Spiesen weist auf der Vereins-Website auf die Parksituation hin: „Sie ist wie immer bei Spielen mit etwas mehr Zuschauern eng und wird von einem Anwohner streng überwacht, der Fehlverhalten dann auch gerne zur Anzeige bringt. Deswegen weicht bitte auf die umliegenden Parkplätze (wie z.B. ALDI in der Hauptstraße) aus. Der Fußweg dauert nicht so lange wie die Parkplatzsucherei! Und parkt bitte keine Grundstückszufahrten zu – das möchtet Ihr zuhause auch nicht haben“, so die Empfehlung der Gastgeber.

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