Borussia lässt beim 3:3 in Steinbach erneut Punkte liegen

2:0-Führung (durch Christoph Stemmler und Alex Jochum) unnötigerweise aus der Hand gegeben / Tim Kleins Elfmeter sichert wenigstens einen Zähler / Björn Klos beklagt fehlenden Lernprozess

Unser Bild: Bereicherte nach seiner Einwechslung die Borussen-Offensive: Der trickreiche Nyger Hunter war oft nur durch Fouls zu bremsen. (Foto: -jf-)

Wer es unter den 400 Zuschauern auf der Steinbacher Trift am gestrigen Samstagnachmittag mit der Borussia hielt, ging 95 Minuten lang durch ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, verzweifelt, wieder hoffnungsvoll – das volle Programm. 2:0 führten die Männer aus dem Ellenfeld nach knapp einer halben Stunde und sahen schon wie der sichere Sieger aus. Doch nach einer Stunde hatte sich das Ergebnis gedreht, lagen die Gastgeber auf einmal 3:2 vorne. Am Ende sorgte Tim Kleins sicher verwandelter Elfmeter dafür, dass wenigstens ein Punkt mit nach Hause ins Ellenfeld ging. Dennoch: So richtig zufrieden sein konnte keiner im Lager der Borussen. „Der Wille war da, von daher kein Vorwurf an die Mannschaft“, so Trainer Björn Klos, der aber nach wie vor den Lernprozess vermisst: „Wir stehen hier und reden immer über dieselben Fehler. In den ersten 30 Minuten waren wir auf einem guten Weg, auch die letzten 30 Minuten waren in Ordnung. Über die 30 Minuten dazwischen müssen wir dringend reden, denn die waren ursächlich dafür, dass wir hier trotz eines klaren Chancenplus wieder einmal völlig unnötig zwei Punkte haben liegen lassen.“

Einen besseren Start ins Spiel hätten sich die Borussen in der Tat nicht wünschen können. Vom Anstoß weg waren knapp 30 Sekunden gespielt, da zappelte das Leder bereits im Netz von FSG-Keeper Sascha Seiwert. Niklas Allenfort hatte sich auf der linken Seite „durchgetankt“, seine flache Hereingabe verwandelte Christoph Stemmler mit dem linken Fuß ins rechte untere Eck – die Führung für die Borussen, die danach die Partie deutlich dominierten. Vor allem über die linke Seite drohte den Gastgebern durch den agilen und lauffreudigen Niklas Allenfort Gefahr: Tim Klein hätte nach Flanken das Resultat gleich zweimal erhöhen können, doch sein erster Kopfball war zu unplatziert und wurde eine sichere Beute von Sascha Seiwert (4.), der zweite flog knapp über das Tor (17.). Borussias Nummer 9 merkte man förmlich das Bemühen an, die Torflaute endlich zu beenden, doch auch nach einem langen Ball von Christoph Stemmler blieb das erhoffte Erfolgserlebnis aus, als der Stürmer vor Sascha Seiwert ans Leder kam, aber links am Tor vorbei zielte (20.). Wenig später bot sich Tim Klein die bis dahin größte Gelegenheit, doch nach Stemmler-Flanke konnte er den Ball nicht kontrollieren, der Nachschuss von Dylan Sodji flog, noch leicht abgefälscht, in den Spätsommerhimmel über Steinbach (22.). So blieb es Alexander Jochum vorbehalten, eine Hereingabe von Niklas Allenfort vor Keeper Sascha Seiwert ins Tor zu spitzeln und auf 2:0 zu stellen – ein bis dahin für dominante Borussen absolut verdientes Resultat. Die Zuschauer waren sich einig: Borussia könnte durchaus schon drei oder vier Tore auf dem Konto haben.

Frühe Führung: Christoph Stemmler (21) trifft nach Hereingabe von Niklas Allenfort zum 1:0 (oben), die Freude mit den Teamkameraden ist groß (unten). (Fotos: -jf-)

Wie aus dem Nichts kam die FSG Ottweiler-Steinbach nach 33 Minuten zurück ins Spiel. Einen Freistoß von Lukas Latsch köpfte Moritz Motke dank mangelhafter Zuordnung im Borussen-Strafraum am kurzen Eck völlig freistehend ins Netz. „Dieses Tor hat uns völlig aus dem Konzept gebracht, das kann einfach nicht sein“, echauffierte sich Björn Klos, der feststellen musste, dass der Gegentreffer deutliche Wirkung zeigte und die Spielkontrolle verloren ging. Nur zwei Zeigerumdrehungen später berührte Julian Flammann, beim Zweikampf mit Tom Fink am Boden liegend, den Ball mit der Hand – Schiedsrichter Carsten Schyma zeigte unvermittelt auf den Punkt, von wo aus Jodi Daoud zum Ausgleich traf. Pech für Philippe Persch, der die Ecke geahnt hatte, aber nicht mehr ganz an den Ball kam. Dafür war der Borussen-Keeper unmittelbar vor der Pause auf der Höhe, als er eine verunglückte Abwehr von Kamil Czeremurzynski über die Torlatte lenkte.

Der fliegende Dylan – Borussias Mittelfeldspieler Dylan Sodji war auch diesmal ein Vorbild an kämpferischer Einstellung. (Foto: -jf-)

Nach Wiederanpfiff hatte Tim Klein, wieder nach präziser Allenfort-Flanke, mit einer abgeblockten Direktabnahme kein Glück (53.), ehe Ex-Borusse Tom Fink mit einem scharfen Freistoß knapp über das Tor zielte (54.). Die FSG operierte jetzt auf dem kleinen Platz mit langen Bällen, einen davon erlief Tom Fink und erzielte, begünstigt durch ein Missverständnis zwischen Marco Dahler und Philippe Persch, am herausstürzenden Borussen-Keeper vorbei die 3:2-Führung für die Gastgeber – Ausdruck einer gnadenlosen Effizienz der FSG, die aus den wenigen sich durch Fehler der Borussen bietenden Chancen drei Treffer gemacht hatte. Sollte sich das wiederholen, was Ottweiler-Steinbach bereits zum Saisonauftakt beim VfL Primstal vorexerziert hatte, als man gegen einen überlegenen Gegner einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg verwandelt hatte?

Borussia antwortete mit Wut im Bauch, scheiterte aber jetzt gleich mehrfach am aufmerksamen Sascha Seiwert im FSG-Tor, der sich binnen weniger Minuten sowohl bei Abschlüssen der eingewechselten Nyger Hunter (69.) und Quincy Henderson (74.) als auch bei Scharfschüssen von Dylan Sodji (70.) und Tim Klein (Freistoß, 73.) auf dem Posten zeigte und den Ausgleich verhinderte. Nach 78 Minuten wurden die Anstrengungen der Klos-Schützlinge dann endlich belohnt: Wieder einmal war der quirlige Nyger Hunter nur durch ein Foul zu stoppen, das diesmal innerhalb des Strafraums lag – Tim Klein schnappte sich die Kugel und verwandelte den fälligen Strafstoß sicher zum 3:3.

Höchste Anspannung auf der Borussen-Bank, alsTim Klein zum Elfmeter anläuft und sicher zum 3:3 verwandelt. (Foto: -jf-)

Die Borussen wollten jetzt mehr, zogen um den FSG-Strafraum einen regelrechten Belagerungsring auf, doch mehr als eine Chance für Dylan Sodji, der an Sascha Seiwert scheiterte, kam nicht dabei heraus. Hängende Köpfe auf Seiten der Borussia nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Carsten Schyma signalisierten, dass das 3:3 eher als gefühlte Niederlage empfunden wurde. So sah es auch Björn Klos, der „von hergeschenkten Gegentoren und Punkten“ sprach – nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Verärgert war nicht nur der Borussen-Coach über die zu wenig konsequente Ahndung mancher Attacken auf den wieselflinken Nyger Hunter, der sich schon bei seinem ersten Kurzeinsatz nach der Rückkehr aus Israel als erhoffte Verstärkung erwies und in kaum einer Szene ohne Regelwidrigkeit zu bremsen war.

Was bleibt unter dem Strich? 3:3 auf der Trift, zu wenig für die Borussen. Die Zuschauer sahen mit Sicherheit ein spannendes Spiel, dennoch hätten all diejenigen, die es mit der Borussia hielten, auf das Wechselbad der Gefühle liebend gerne verzichtet! (-jf-)

Statistik: FSG Ottweiler-Steinbach – Borussia 3:3 (2:2)

Borussia: Philippe Persch – Christoph Stemmler, Kamil Czeremurzynski, Marco Dahler, Joshua Penth (ab 55. Quincy Henderson), Julian Flammann, Niklas Allenfort, Daniel Schlicker (ab 75. Tim Braun), Alexander Jochum (ab 55. Nyger Hunter), Dylan Sodji, Tim Klein. – Trainer: Björn Klos.

Tore: 0:1 (1.) Christoph Stemmler,0:2 (27.) Alexander Jochum, 1:2 (33.) Moritz Motke, 2:2 (35.) Jodi Daoud (Handelfmeter), 3:2 (62.) Tom Fink, 3:3 (79.) Tim Klein (Foulfelfmeter). – Schiedsrichter: Carsten Schyma (FV Püttlingen). – Zuschauer: 400. – Gelbe Karten Borussia: Julian Flammann, Dylan Sodji.

Unsere Bilder zeigen Impressionen vom Kreisderby auf der Steinbacher Trift. (Fotos: -jf-)

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