Bilder eines Jahres (5)

Nach 2:2 gegen Herrensohr und 0:0 beim FC Homburg II „Finale furioso“ gegen die SG Mettlach-Merzig / Coronabedingte Ausfälle gegen Bischmisheim und Siersburg verhindern weiteren Ausbau der Serie / Letzter Teil des Rückblicks auf das Fußballjahr 2021

Unser Bild: Spielte sich in den letzten Wochen als nimmermüder Antreiber immer stärker in den Vordergrund: Borussias Mittelfeldakteur Roman Torres. (Foto: -jf-)

Gegen den von argen Verletzungssorgen geplagten TuS Herrensohr lief die Borussia als Favorit ins Ellenfeld-Stadion ein. Auch wenn die Serie der unbesiegten Spiele hielt – mit dem 2:2 nach spannenden 90 Minuten war keiner von den Borussen so richtig zufrieden. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Was wir an Chancen liegen lassen und auf der anderen Seite dann einstecken müssen, das steht einfach in keinem Verhältnis“, bilanzierte ein leicht frustrierter Björn Klos, der wieder einmal fehlende Konstanz und die mangelnde Chancenverwertung seiner Jungs monierte: „Es ist immer wieder dasselbe. Diesmal haben wir uns in der zweiten Halbzeit eine Auszeit gegönnt und damit den Gegner wieder zum Leben erweckt.“ Dem konnte und wollte Borussen-Doc Sebastian Richter, in Personalunion Vorsitzender der Fußballabteilung des TuS Herrensohr nicht widersprechen („Wenn wir ehrlich sind, hätte es zum Zeitpunkt des Ausgleiches auch durchaus schon 3:0 oder 4:0 für die Borussia stehen können!“), obwohl er natürlich nach Wochen des Misserfolgs über den Punktgewinn seiner Mannschaft sehr froh war.

Vincenzo Accursio hatte die Borussia gleich nach der Pause in Führung gebracht, danach versäumten es seine Teamkameraden nachzulegen und den Gästen, die erstmals von dem vor der Partie verpflichteten Berater Dieter Ferner gecoacht wurden, den endgültigen K.o. zu versetzen. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Zuerst nickte Goalgetter Valentin Solovej einen Eckball zum Ausgleich ein, dann stellte Manuel Schuck Spielverlauf und Ergebnis auf den Kopf. Positiv: Die Borussen ließen die Köpfe nicht hängen, reagierten mit wütenden Attacken, ehe es Nyger Hunter gelang, das Leder über den aus seinem Tor herausstürzenden TuS-Keeper Georg Amann zum 2:2 ins Netz zu spitzeln. „Vielleicht gehört ein solches Spiel auch zum Lehrgeld, das wir im Rahmen der Entwicklung der Mannschaft derzeit noch zahlen müssen“, wollte Björn Klos den Stab über sein Team nicht brechen, auch wenn es den Coach ärgerte, „dass ausgerechnet die zwei Spieler, vor denen ich die ganze Woche über ausdrücklich gewarnt hatte, uns die Gegentore eingeschenkt haben. Mit den Ergebnissen zuletzt treten wir auf der Stelle.“

Letzteres galt auch eine Woche später nach dem 0:0 beim FC Homburg. Zum dritten Mal hintereinander teilte sich die Borussia auf fremdem Platz torlos die Punkte mit dem Gastgeber. Dabei war dieses 0:0 allerdings eines der besseren Sorte – das fand nicht nur Björn Klos so: „Ein Top-Derby, eine Werbung für den Saarlandliga-Fußball. Das lag an beiden Mannschaften. Die kurzweiligen 90 Minuten hatten alles, was das Fußballherz begehrt: Intensität, Tempo, Siegeswille, Taktik, insgesamt gutes Niveau. Das Einzige, was fehlte, waren leider die Tore. Man hatte aber bis zum Schlusspfiff immer das Gefühl, dass einem der beiden Teams der lucky punch noch gelingen kann. Insofern hatte das Spiel eigentlich keinen Verlierer verdient“, kommentierte Borussias Trainer die Partie im Waldstadion, der angesichts des bevorstehenden Spitzenspiels gegen die SG Mettlach-Merzig allerdings liebend gerne drei Punkte mitgenommen hätte.

Wer nach dem nervenaufreibenden 4:2 gegen Bliesmengen-Bolchen vor ein paar Wochen geglaubt hatte, Spannung und Dramatik seien nicht mehr zu toppen, sah sich nach den 90 Minuten gegen Mettlach eines Besseren belehrt.  Als Schiedsrichter Maximilian Lauer vom SV Altheim die Nachspielzeit anzeigt, führen die Gäste mit 2:1. Mit Cleverness und Effizienz haben sie in den 90 Minuten zuvor diesen Vorsprung herausgeschossen, aus einer stabilen Defensive heraus geschickt auf die Fehler des Gegners gewartet und diese dann auch eiskalt ausgenutzt, so wie Tim Roob nach 8 und Andre Paulus nach 64 Minuten. Zwischendurch hatte Daniel Schlicker per Foulelfmeter (24.) zum 1:1 getroffen. Doch das Finale inklusive fast 10 Minuten Nachspielzeit lässt auf beiden Seiten die Emotionen hochkochen.

Denn Borussia wirft mit dem Mut der Verzweiflung alles nach vorne. Ein schöner Freistoßtrick leitet die nicht mehr für möglich gehaltene Wende ein: Niklas Allenfort täuscht die Ausführung an, überlässt aber Roman Torres und läuft auf der linken Außenbahn in Stellung, wo er den Ball erhält. Seine butterweiche Flanke (schon die 9. Torvorlage in dieser Spielzeit!) setzt Daniel Schlicker trotz harter Bedrängnis per Kopf ins lange Eck: 2:2! Die Borussen wittern Morgenluft, wollen jetzt mehr, mobilisieren gegen einen durch die gelb-rote Karte gegen Jona Schmidt dezimierten Gegner die letzten Kräfte, gehen aufs Ganze. Björn Klos beordert Marco Dahler in die Offensive. „Bleib vorne, wir wollen das Ding gewinnen“, lautet die Order an den Kapitän. Und der hat gut zugehört, bedient beim letzten Angriff in Spielmachermanier den eingewechselten Tim Klein mustergültig in den Lauf. Der Stürmer behält kühlen Kopf und netzt aus halbrechter Position an Mettlachs Keeper Damir Becker vorbei ins lange Eck ein. Der Rest ist kollektiver Freudentaumel in Gelb, tiefe Niedergeschlagenheit in Blau. Verständlich. Ein Spiel so zu verlieren, tut weh. Ein Spiel so zu gewinnen, kann neue Kräfte freisetzen! Die sonst übliche Ansprache im Mannschaftskreis nach der Partie übernimmt diesmal Gunther Persch. Kurz und knapp, mit wenigen, aber prägnanten Worten – wie es seine Art ist. „Diesmal habt ihr gezeigt, was Eier sind“, brechen in der Runde der Borussen die Emotionen aus Borussias Sportvorstand heraus. Ex-Präsident Alex Kunz bringt die fast 100 Minuten letztlich auf den Punkt: „Wegen solcher Spiele lieben wir doch alle den Fußball! Wer hat bitte das Drehbuch zu dieser Partie geschrieben? Das kann nur Alfred Hitchcock gewesen sein!“

Ihre Aufholjagd Richtung Spitze hätten die Borussen auch gerne in zwei aufeinander folgenden Heimspielen zum Rückrundenstart gegen Bischmisheim und Siersburg fortgesetzt, doch coronabedingte Absagen von Seiten der Gegner sorgten für eine ungewollt vorgezogene Weihnachtspause, in der die Borussen auf Platz 4 im Windschatten der führenden Teams überwintern – vielleicht gar keine so schlechte Ausgangsposition für die restliche Runde! (-jf-)

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