„Haben erfolgshungrige und lernwillige Jungs an Bord – Rückschläge einkalkuliert!“

Borussen-Trainer Björn Klos im Interview vor dem Saisonstart in Quierschied

Unser Bild: Der Teamgeist, das Zwischenmenschliche muss stimmen – das zentrale Credo von Björn Klos, wenn es darum geht, auf dem Platz Erfolg zu haben. (Foto: -jf-)

Mit dem Auswärtsspiel bei der Spvgg Quierschied startet die Borussia am morgigen Samstag (Anstoß: 16.00 Uhr) in ihre dritte Saarlandliga-Saison. Im Vorjahr holten die Schützlinge von Björn Klos (BK) in letzter Minute mit 1:1 einen etwas glücklichen Punkt am Franzenhaus. Das Hinspiel im Ellenfeld hatte Quierschied mit 1:0 gewonnen. Zum Saisonauftakt sind leider nicht alle Borussen an Bord: Tim Cullmann, Attila Serr und Marco Dahler fallen verletzungsbedingt aus, die Entscheidung über einen Einsatz der angeschlagenen Christoph Stemmler und Nino Kannengießer fällt kurzfristig. Vor dem Saisonstart blickt der Borussen-Trainer im Gespräch noch einmal auf die vergangene Spielzeit zurück und gibt einen Ausblick auf das, was die Fans im Ellenfeld in der neuen Saison von ihrer neu formierten Mannschaft erwarten dürfen.

Hinter der Borussia liegt eine enttäuschende Saison. Vor allem in der Rückrunde wurden viele der nach wie vor treuen Anhänger vergrault. Wo lagen die Ursachen für das schwache Abschneiden?

BK: Für mich als Trainer war die Spielzeit trotz eines unbefriedigenden 9. Tabellenplatzes sehr lehrreich. Ich habe gesehen, dass sich Erfolg nur einstellt, wenn der Zusammenhalt da ist, wenn alles harmoniert und alle Spieler mitziehen. Das war bei uns leider nicht der Fall. Den ersten Knackpunkt konnte ich nach gutem Saisonstart mit drei Siegen in der englischen Woche beim 2:2 in Bübingen feststellen. `In der Mannschaft stimmt was nicht´, habe ich zu unserem sportlichen Leiter Gunther Persch gesagt. Zum ersten Mal habe ich mich da gefragt, ob das mit mir und den Jungs passt.

Es lief aber dann doch noch ganz gut bis zu Ende der Hinrunde. Nach dem 2:1 gegen Schwalbach bestand sogar noch Kontakt zur Spitze.

BK: Ja, verstärkt hat sich das Gefühl aber dann nach dem 0:2 zum Vorrundenabschluss in Herrensohr und meinem krankheitsbedingten Rückzug. Nach der Winterpause war die Ausgangssituation so, dass wir mit Siegen in den Top-Spielen durchaus noch einmal hätten angreifen können. Aber die Stimmung war nicht gut, und damit sank auch die Motivation. Auf dem Platz war die Mannschaft führungslos – es war keiner da, der mal dazwischenhaut. Wir hatten zwar Spieler, die diese Rolle hätten übernehmen können, doch das ist nicht leider geschehen.

Aber das Problem wurde doch angesprochen.

BK: Ja, das Problem habe ich angesprochen, aber keine ehrliche Rückmeldung bekommen. Meine Kritik wurde von manch einem als persönlicher Angriff gewertet – ein echtes Kommunikationsproblem, denn es wurde mehr übereinander statt miteinander gesprochen. So hatte ich das Gefühl, den einen oder anderen Spieler nicht mehr zu erreichen. Leider habe ich das zu spät gemerkt, das muss ich mir ankreiden. Erschwerend hinzu kam, dass ich wegen des Fehlens einer zweiten Mannschaft oder A-Jugend und der Verletzungsmisere keine Möglichkeit hatte, ein personelles Zeichen zu setzen. All dies hat den sportlichen Abwärtstrend beschleunigt.

„Müssen wieder miteinander reden statt übereinander“ – gute Kommunikation im Team ist für Björn Klos ein Schlüssel zum Erfolg. (Foto: -jf-)

Sogar so weit, dass der Trainer nach dem 1:4 im Ellenfeld gegen die U23 des FC Homburg in die Öffentlichkeit gegangen ist …

BK: Ja, da sah ich mich gezwungen, alles in Frage zu stellen: So kann es nicht weitergehen. Gemeinsam mit Sportvorstand Gunther Persch haben wir die Situation analysiert und uns für einen klaren Schnitt entschieden: Die Mannschaft sollte ein neues Gesicht bekommen!

Du hast die neue Borussia jetzt in sechs Wochen intensiver Trainingsarbeit kennengelernt. Wie stellt sich dieses Gesicht aus der Trainerperspektive dar?

BK: Mein Eindruck ist, dass wir uns mit den Neuzugängen nicht verschlechtert haben. Gut, einen Torjäger wie Kevin Saks hätten wir natürlich gerne behalten, das gebe ich gerne zu. Auch wenn wir den Personaletat nochmals kürzen mussten, ist es uns gelungen, junge, talentierte Spieler ins Ellenfeld zu holen, die einen guten Charakter haben, erfolgshungrig und lernwillig sind. Sie saugen jedes Wort auf, sind offen für kritische Anregungen und versuchen es dann besser zu machen. Die Jungs haben richtig Lust darauf, hier zu spielen, und tragen das Borussen-Trikot mit Leidenschaft. Alles ohne Allüren und Ansprüche. Ein großes Kompliment auch an die, die sich nach offenen Gesprächen entschlossen haben, bei uns zu bleiben und den Weg mit uns zu gehen. Aus den alten und neuen Spielern hat sich eine sehr gute Einheit gebildet. Das gilt auch für den zwischenmenschlichen Aspekt – eine ganz wichtige Voraussetzung, wenn man Erfolg haben will, wie ich aus meiner Zeit bei der DJK Bildstock weiß. Das gilt es natürlich jetzt im Verlauf der Saison weiterzuführen. Es ist für mich eine große und spannende Herausforderung, diese neue Mannschaft zu entwickeln.

„Spannende Aufgabe, die neue Mannschaft zu entwickeln“ (Foto: -jf-)

Wobei man naturgemäß auch Rückschläge einkalkulieren muss …

BK: Das haben wir ja schon in der Vorbereitung gegen den VfR Baumholder oder zuletzt im Finale des JOST+PILGER-Cups gegen Auersmacher erlebt. Aber ich denke, dass uns keiner böse ist, wenn wir alles geben, am Ende aber gegen einen stärkeren Gegner verlieren.

Mit welchen Zielen geht die Borussia in die neue Saison?

BK: Die Liga ist stärker und unberechenbarer geworden. Elf, zwölf Mannschaften können von ihrem Potential her den Anspruch erheben, unter die ersten Drei zu kommen. Hinzu kommt vielleicht ein Club, wie im letzten Jahr der SV Mettlach, den jetzt noch gar keiner auf der Rechnung hat. Oder umgekehrt rutscht manch einer unten rein, wie im Vorjahr Primstal oder Quierschied. Aber auch in den Clubs der unteren Tabellenhälfte wird gute Arbeit geleistet, auch wenn sie oft unter dem Radar spielen. Diese Konstellation bedeutet, dass wir nahezu jedes Wochenende ein Duell auf Augenhöhe vor der Brust haben, in dem dann auch Kleinigkeiten entscheiden können.  Unser Ziel ist es zunächst, das, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben, auf den Platz zu bringen, mit Stolz und Enthusiasmus das Borussen-Trikot zu tragen und unseren Stil zu finden. Zudem wollen wir das Ellenfeld wieder zu einer Festung machen. In diese Stadionatmosphäre einzutauchen muss für die Jungs was ganz Besonderes sein. Sie müssen rausgehen und alles dafür tun, es dem Gegner im Ellenfeld so schwer wie möglich zu machen. Einen Tabellenplatz möchte ich als Zielvorgabe bewusst nicht ausgeben. Denn es gibt in der Liga Vereine mit breiterem Kader und größerem finanzielle Rahmen. Da kann ich mich nicht hinstellen und sagen: Wir wollen unter die ersten Drei. Das wäre vermessen. Sollten wir von Beginn an in einen Flow hineingeraten, der uns durch die Saison trägt, kann es natürlich auch sein, dass wir weiter nach oben kommen. Ein gutes Beispiel für einen solchen Fall war für mich im Vorjahr der SC Halberg-Brebach, der in aller Ruhe und Gelassenheit mit kontinuierlicher Arbeit im Windschatten der sogenannten Favoriten beinahe aufgestiegen wäre. Ganz ähnlich der TuS Herrensohr, der 2018 ohne großes Getöse die letzten zehn Saisonspiele in Serie gewonnen und sich den Meistertitel gesichert hat.

Spielt da die Tradition in Verbindung mit dem dadurch entstehenden Druck für Borussia nicht eher eine belastende Rolle?

BK: Natürlich hat man es als Traditionsverein nicht einfach. Zumal die Gegner, wen sie gegen uns in dem Bewusstsein, einen ehemaligen Bundesligisten herauszufordern, spielen, meist noch 10, 15 Prozent mehr Leistung herausholen. In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass es für uns – trotz all der Tradition – gar nicht so einfach war, neues Personal zu rekrutieren. Das war auch eine Geldfrage. Wir haben uns deshalb manche Absage eingehandelt von Spielern, die dann bei Ligakonkurrenten unterschrieben haben. Hier haben andere Vereine die Borussia inzwischen überholt. Das ist aber nicht schlimm. Es wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht, okay. Aber jetzt sind wir mit allen Kräften und bestem Willen dabei, dies aufzuarbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern erfordert viel Geduld und Sensibilität, auch im Umfeld des Vereins. Schließlich haben wir als Borussia mit dem Stadion und den Strukturen durchaus Voraussetzungen, die uns positiv stimmen dürfen.

Björn, dann wünschen wir Dir und der Mannschaft einen gelungenen Saisonstart und im weiteren Verlauf der Runde viel Glück und Erfolg! (-jf-)

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